Betrachtungen über grüne Papiertaschentücher

"Raupe im Salat!" - Dieser Ausruf führt meist schnell zur Einstellung der grünbunten Nahrungsaufnahme, ist es auch wirklich nicht schön, wenn diese wandelnden Proteinbomben den Weg alles verdaulichen gehen würden.
Mit den wieder wärmer werdenden Tagen kommt ja auch wieder die Salatsaison, steht das Grünzeug doch im gesunden Ruf und ist es wie geschaffen dafür, die kleinen süßen Fettpölsterchen an der Bikinifigur wegschmelzen zu lassen, damit wieder ungestört im Klischee gebadet werden kann. Für die diätische Ernährung passt in dem Zusammenhang auch, dass gerade die Blattsalate, in Discountern, Super- und auf anderen Märkten erworben, durch die tagelange Reise einen Nährwert wie ein gleich großes Papiertaschentuch haben. Aber sie füllen mit wenig Kalorien den Magen und finden so ihren ansonsten ausgelaugten Sinn.

"Rauke im Salat!" - Diesen Warn- oder besser enttäuschten Aufschrei hätte ich in den letzten Tagen öfters ausgerufen, wenn derartige Lautäußerungen allgemein üblich gewesen wären. Auf der Suche nach abendlicher Nahrung stieß ich immer wieder darauf, auch wenn sie meist mit ihrer italophilen  Bezeichnung einherkam:

Salat Athena
gemischter Salat mit Rucola, mit würzigem Patros (Kuhmilchkäse) ...

Salat Nizza
gemischter Salat mit Rucola und Thunfisch ...

Salat Evergreen
gemischter Salat mit Rucola, geräucherten Putenbrustscheiben ...

Salat Rocco
knackiger Rucola und gemischter Salat mit Serranoschinken ...

Salat Napoli
feine Penne mit Rucola, gemischtem Salat ...

Salat Rustico
gemischter Salat mit Rucola, aromatischen Cherrytomaten ...

Pizza Mediterrana
mit Tomaten und Mozzarella gebacken, anschließend belegt mit Rucola, Serranoschinken ...

California Shrimps Salat
gemischter Salat mit Rucola, Cherrytomaten, Ei ...

Panini Steak
mit Rucola, Cherrytomaten, Steakstreifen ...

Und so weiter, und so weiter.

Muss man das Essen durch dieses Gewächs so verschlimmbessern? Diese Pflanze mag ja gerade in Mode sein, trotzdem muss man sie nicht überall ran machen! Selbst mitten in einem Mettwurstbrötchen habe ich sie schon entdeckt (vergleiche dazu auch Jochen Malmsheimers Ausführungen über Zervelat, im Ansatz hier).

10 Gedanken zu „Betrachtungen über grüne Papiertaschentücher

  1. blueigel13

    @katharina vom tanneneck,

    aber die käseuhr war schon fett - 🙂

    gab es bei uns 1x in der woche nach deck 11
    und das regelmäßig - als crew

    französischer Kuhmilchkäse 50% in tr.
    Name:Epoisses

    im ausgesuchten feinkostläden gut temp. zu erwerben :-))

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  2. Katharina vom Tanneneck

    An solch einen französischen Weichkäse erinnere ich mich auch, allerdings ohne Blauschimmel. Ich verspeiste ihn unter südlicher Sonne und diese Reise werde ich wohl nie vergessen. Es war auf der Aida und ich habe nie mehr einen köstlicheren Käse bekommen. Es ist schon mehr als 10 Jahre her und ich erinnere mich immer noch diesen sensationellen Geschmack. Noch heute versuche ich diesen Käse zu bekommen. Er war in einer kleinen Spandose und immer wenn ich so eine Spandose sehe, kaufe ich den Käse. Leider war die Sorte nie dabei. Vielleicht lag es auch einfach nur an dem Umfeld?! Ich mag Fol Epi und der schmeckt in Spanien viel köstlicher als bei uns! Muß wohl an den Breitengraden liegen!

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    1. DirkNB

      Landwein soll ja vor Ort, also am Ort der Herstellung, auch besser schmecken als anderswo. So hat eben auch jedes Essen seine Region.

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  3. Katharina vom Tanneneck

    Ja, das hat was! Ich würde durchaus solch eine Kreation von Dir zubereitet mit Genuß essen. Ich mag Käse und außer Harzer finde ich alles sehr gut wenn es nicht gerade Magerkäse ist. Der schmeckt einfach nicht! Fett ist ja auch ein Geschmacksträger und je fetter der Käse um so besser schmeckt er. Natürlich muß er auch die richtige Temperatur haben! Dazu passen dann auch Deine mageren Hähnchen- oder Putenstreifen. Ein Glas trockener Rot- oder Weißwein dazu und es ist ein Genuß erster Klasse.
    Ich sehe, wir verstehen uns 😉

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    1. DirkNB

      Achja *träum* Ich erinnere mich da an einen französischen(?) Weichkäse, der noch mit Blauschimmel veredelt war. Wenn man den an warmen Tagen bei Zimmertemperatur aß, floss er einem förmlich in den Mund, hatte gefühlte 99,9% Fett und war sooooooooooo lecker. 😉 Den konnte man sich direkt auf die Hüften schmieren.

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  4. Katharina vom Tanneneck

    Sicher bin ich natürlich nicht! Ich habe bisher viel Rucola probiert aber mir hat das nie geschmeckt!
    Zum Mozarella, auch da habe ich von Nobelvariante bis Aldivariante Einiges probiert. Es gibt Besseres!
    Mein Favorit ist ein gemischter Salat, mit gekochtem Schinken und eingelegtem, Schafskäse. Darüber ein paar Scheiben kross gebratene Speckscheiben. Egal ob mit Vanigrette oder Joghurt Dressing.

    Crema di Balsamico habe ich immer im Haus. Man kann damit seine Speisen nicht nur würzen sondern auch creativ anrichten.
    Ich gebe zu, meine Bilder zu den Speisen sind nicht perfekt aber das liegt an meinem Partner, der es nie abwarten kann! Ich werde mir für die Zukunft etwas überlegen 😉

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    1. DirkNB

      Schafskäse ist mir für einige Salatkompositionen einfach zu intensiv, aber hat durchaus seine Berechtigung. Manchmal tun es auch ein paar Goudawürfel.
      Lecker ist auch ein gemischter grüner Salat, aufgepeppt mit ein paar Gurken- und Tomatenscheiben, frisch gebratenen Hähnchen-oder Putenbrustwürfeln, einen leichten Zitronen-Öl-Dressing, Croutons und Parmesan-, Gouda- oder Edamerhobeln. Die Idee ist zwar bei einem Pizzaservice geklaut, aber selber gemacht besser als erst durch die halbe Stadt gekarrt.

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  5. Katharina vom Tanneneck

    Ich persönlich mag Rucola nicht. Für mich ist das ein gutes Hasenfutter. Ich weiß auch nicht warum das plötzlich jeder mag. Es schmeckt nach nichts und selbst ein gutes Dressing hinterlässt bei mir immer den Geschmack von Gras. Es ist ähnlich wie Tomaten mit Mozarella. Die Tomaten mögen gut sein aber der Mozarella ist für mich nur eine gummiartige Masse. Dann lieber Tomaten mit Feldsalat und eingelegtem Schafskäse. Das schmeckt wenigstes!

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    1. DirkNB

      Bist Du sicher, dass Du vom selben Rucola sprichst? Ich mag ihn ja auch nicht, aber: weil er zu viel Eigengeschmack hat, und den mag ich nicht.
      Apropos Mozzarella: Investiere mal probeweise ein paar Cent mehr (ok, es ist eher Euro als Cent) und hole Dir den echten Büffelmozzarella. Der hat zum einen ein eigenes Aroma (was aber auch nicht jeder mag) und zum anderen ist er innen eher cremig, fast schmierfähig. Mit dem wird der Klassiker Tomate-Mozzarella-Salat zwar eher unmöglich, aber er ist mal eine Alternative.
      Mozzarella-Liebhaber empfinden es übrigens als Frevel, ihn á la T.-M.-Salat mit einem Essig in Verbindung zu bringen. Ich schnibbel den Kuhmilch-Mozzarella (da ist ja nicht mehr viel dran zu versauen) direkt in den Salat, dass er sich ein wenig mit der Vignigrette aus Balsamico-Essig, Olivenöl, feingewiegter Zwiebel, Salz und Pfeffer vollsaugen kann. Als Krönung verwende ich auch gern Crema Di Balsamico (auch mal ganz verwerflich direkt ein paar Tropfen direkt auf die Mozzarellascheibe).

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