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Das hängt natürlich immer vom Betrachtungswinkel ab. Aber wenn man - wie heutzutage oft üblich - eine eher egozentrische Sichtweise an den Tag legt, dann muss die Überschrift eindeutig mit "Ja!" beantwortet werden. Auch ist global gesehen die Region durchaus auch von Belang, wenn man dieser Frage nachgeht. Wie ich aus mehreren Reise-Ess-und-Koch-Reportagen erfuhr, ist es beispielsweise in der fernöstlichen Gegend durchaus möglich, Genuss und gutes Benehmen unter einen Hut zu bekommen. Zumindest bei Suppe. Und Tee. Das ist aber immerhin ein Anfang. 

Es stellt sich dabei anfänglich die Frage, was gutes Benehmen überhaupt ist. In historischen Zeiträumen betrachtet, ändert sich sowas durchaus mal. Und wir brauchen uns auch nicht der Illusion hingeben, dass das, was wir in diesen (wie in vielen anderen) Zusammenhängen heutzutage so treiben, der Weisheit letzter Schluss ist. Im Gegenteil: Ich halte es für extrem illusorisch, dass das, was heute für richtig empfunden wird, für immer und alle Zeit auch als solches gelten wird. Aber ich schweife ab. Letztendlich bezieht sich die Äußerung aber eben auch auf's Genießen. 

Die aktuelle Mode beim guten Benehmen ist u.a., dass wir zum Essen meist Messer und Gabel benutzen, so die Speise eine entsprechende Konsistenz aufweist. Der Löffel ist für Suppen, Desserts, Cremespeisen und fluffige Soufflees ebenfalls anerkannt. Auch die Verwendung eines Tellers als Essensunterlage darf als allgemein üblich gelten, wobei der Begriff "Teller" durchaus weit ausgelegt werden darf: vom Pappdeckel bis zur Schiefertafel, vom Bananenblatt bis zu Maisfladen ist die Vielfalt groß. Selbst IPads werden mittlerweile als solches genutzt, wie ich heute (= Tag der Niederschrift) erst irgendwo las. Zu Hause geht es meist ein wenig lockerer zu, in Restaurants wird dann mehr Wert auf die Etikette gelegt. Spätestens beim genussvollen Tellerablecken sollte man sich da zurückhalten. Immerhin ist das durchaus ein Zeichen dafür, dass es geschmeckt hat. 

Umfragen zum Thema ergeben, dass es viele Restaurantgäste gerade noch so akzeptieren können, wenn andere Gäste ein Handy (meint auch wirklich "nur" Handy) griffbereit neben den Teller legen, beim Smartphone hört die Toleranz dann aber auch schon auf, vor allem dann, wenn es dann auch noch genutzt wird. Ist der Besitzer Arzt in Bereitschaft und es kommt ein Notruf, wird das zwar dann akzeptiert, aber spielt jemand Online-Games auf dem Gerät oder kommuniziert in den sozialen Netzwerken, geht das gar nicht. Aber spätestens in letzterem Fall ist das durchaus nachzuvollziehen. Man sitzt eben nicht gern mit jemandem am Tisch, der eine Hand (oder gar beide Hände) im Klo hat und in der Scheiße wühlt. 

Auf gute Tischmanieren legen wir dann aber doch großen Wert, nicht nur bei uns selber, sondern auch bei den anderen am Tisch und im Restaurant. Die wandeln sich zwar auch immer mal wieder; die (Un-)Sitte, belegte Brote mit Messer und Gabel zu essen, sollte aber mittlerweile vorbei sein. Letztendlich sollten wir uns darauf verständigen, die leckeren Speisen möglichst elegant und sicher in den Mund zu befördern und dabei nicht zu stark auf die Umgebung einzuwirken. Wer - ganz italophil - seine Spaghetti wirklich nur mit der Gabel essen möchte, der kann das gern tun, braucht dafür aber auch ein Restaurant, dass die Pasta in einem geeigneten Zustand auf den Teller bringt. Der Löffel leistet manchmal doch angenehme Hilfestellung, vor allem, wenn man den Spaghetti-Wirbel nach dem Aufwickeln sanft auf diesen gleiten lässt, um ihn dann tropfenfrei im Mund verschwinden zu lassen. 

Eine Umfrage ergab dann auch, dass das Kauen mit offenem Mund und auch das Schmatzen als besonders störend empfunden werden. Hier sind wir nun endlich beim Knackpunkt angekommen (Leser: "Uff, endlich!"). Einerseits ist es für viele kein schöner Anblick, bei anderen die Konsistenzveränderung des Essens in der Mundhöhle beim Kauen zu beobachten. Wobei man in dem Zusammenhang schon froh sein kann, dass überhaupt noch gekaut und nicht alles einfach so runtergeschlungen wird, was geht, wenn es recht substanzlos daherkommt. Andererseits führt das Zuführen von Frischluft beim Kauen, ähnlich wie das Schlürfen beim Trinken, doch zu einer Verbesserung der Aromenerkennung und -wirkung. 

Je nach aktueller Lage haben wir 4 bis 6 Arten von Geschmacksrezeptoren im Mund. Süß, salzig, sauer und bitter sind die Klassiker, umami (oder auch herzhaft) wird auch als gesichert angesehen. Scharf ist übrigens kein Geschmackssinn, sondern einfach nur Schmerz. Aber das nur nebenbei. Da hört es dann aber auch schon auf. Ein wenig trägt dann noch das "Mundgefühl", also Konsistenz, Viskosität u.a. mit zum Geschmack bei, aber ansonsten hört's dann auch schon wieder auf. Die große, erlebbare Aromenvielfalt ist nicht einfach nur eine anteilige Mischung der Geschmackssinne (das auch, aber eben nicht nur) sondern eine Beteiligung der Geruchsrezeptoren, die in üppiger Vielfalt zum Genuss im wesentlichen beitragen. Deswegen schmeckt auch alles fade, wenn die Nase dicht ist (Erkältung & Co.).

Der Luftstrom, der beim Schmatzen und Schlürfen entsteht, aerosolisiert die Aromaträger und trägt sie dahin, wo sie dem Genießer am meisten Freude bereiten, was bei einem Essen und Trinken mit geschlossenen Mund eben einfach nicht passiert. Weintrinker machen es uns vor, Teetrinker zunehmend auch. Und die Suppenschlürfer auf Asiens Straßen wissen auch, was gut ist. Wobei ein wichtiger Punkt natürlich zu beachten ist: Speisen und Getränke sollten von einer Qualität sein, dass sich das ganze auch lohnt. Wo nur künstlich aufgeblasene Aromastoffe die "Nahrung" beherrschen, lohnt auch kein Schmatzen. Im Gegenteil: Selbst zu langes Kauen macht keinen Spaß, weil all die Künstlichkeit meist sehr schnell verfliegt, genau so wie die Freude am Essen. 

Es wird in diesem Jahr sicher sehr viel Luther zitiert werden. Ich fange schon mal damit an. Ein Spruch, der ihm zugeschrieben wird, ist: "Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch etwa nicht geschmeckt?" Vielleicht kann man den etwas abwandeln: "Warum schmatzet und schlürfet ihr nicht, soll es euch etwa nicht schmecken?"

Gerade sah ich mal wieder Fernsehwerbung. Es kam auch Süßstoffcolawerbung.

Für wie geschmacksabgestumpft halten Werber bzw. Getränkehersteller eigentlich ihre Zielgruppe?

Die tun so, als ob man Coke und Coke Zero nicht am Geschmack unterscheiden könnte. Lächerlich!

Süßstoff schmeckt einfach nicht wie Zucker. Und ist Bäääh!

Wenn man etwas für seinen Kochblog machen will, geht natürlich auch mal was in die Hose. Wichtig ist dann, irgendwie noch was draus zu machen, dass zumindest die eingesetzten Grundstoffe nicht umsonst verwendet wurden. Nur in den äußersten Notfällen landet schließlich was im Mülleimer sondern eher auf den Hüften ...

So habe ich für ein leckeres einfaches Gericht gekauftes Tzatziki genutzt. Es gibt auch gute fertige, aber man muss schon etwas suchen. Aber es ist ja auch recht einfach, diese griechische Soße selber herzustellen, wenn man die richtigen Zutaten hat. Gurke, Olivenöl, Joghurt, Knoblauch, Salz, Pfeffer sollten reichen.

Die Gurke wurde perfekt vorbereitet: Gesalzene Gurkenklein geschnitten und mit Salz eine Weile gelagert, damit sie entwässert. Der Knoblauch war frisch gehackt, das Olivenöl hochwertig. Nur beim Joghurt gab es einen unwissenden Fehlgriff. Natürlich war es ein Bio-Exemplar, aber das ist eben nicht das einzige Kriterium, es hätte der schnittfeste sein sollen.

So geriet das Tzatziki eher dünn. Aber man muss sich zu helfen wissen: Einmal gründlich mit dem Pürierstab durch die Masse, noch den restlichen ungenutzten Joghurt dazu und ein wenig Flüssigkeit. So entstand ein leckerer Tzatziki-Drink, allerdings möchte ich gerade nicht in meiner Gesellschaft sein. Mit dem Knoblauch hatte ich wohl etwas übertrieben ... Aber lecker!

Das haben wir mal gelernt (s. Titel). Aber manchmal sollte man es doch. Gerade und auch beim Essen wird dann manchmal erst richtig der Genuss heraus gekitzelt. Also spielen wir mal Turmbau ...

Turmbau zu Burger

Ich gebe zu, sehr hoch ist der Turm nicht geworden, dafür aber umso leckerer. Zwei frisch gebratene Kartoffelscheiben bilden Boden- wie Dachplatte. Als Estrich - kaum zu sehen - gleichen ein paar mitgebratene Apfelstückchen die Schiefe der Bodenplatte aus, darauf schmilzt in der Hitze ein Stückchen Schweinskopfsülze ein wenig vor sich hin, das mit einem Hauch Remoulade versucht, die Hitze von der oberen Kartoffelscheibe abzuhalten.

Das Ganze ist übrigens ein Happs aus einem ganz anderen Gericht. Aber so sollte man es vermutlich essen. Man muss nicht gleich Burger-Türmchen bauen, aber man sollte versichen, alle Bestandteile gleichzeitig in den Mund und an die Geschmackspapillen zu bringen.

Das Gericht selbst sah übrigens so aus:

Brat-Himmel-und-Erde mit Sülze

Vorgestellt wird es beim Herdnerd.

Manchmal ist es doch ganz verwunderlich, wie aus - im Zweifel  mehreren - Irrtümern doch zum Schluss was schönes bei raus kommt. Wobei der eigentliche Schluss erst morgen früh sein wird. Oder auch nicht. Das muss sich noch zeigen. Wobei ich nicht übertrieben habe, also sollte morgen nichts zu spüren sein.

Aber genug der Andeutungen. Donnerstags abends sitze ich meist am Rechner, um die Sendung "Freitag nach eins" vorzubereiten. Themenauswahl, Musik, Twittersprüche, Blogbeitrag usw. Die Sendung ist zwar nur eine Stunde lang, aber ein wenig Vorbereitung muss schon sein, soll sie gut und störungsfrei über die Bühne bzw. on air gehen. Mein heutiger Begleiter ist dabei nicht nur ein im Hintergrund dudelnder Fernseher sondern diesmal auch ein Gläschen Rotwein - ok, mittlerweile schon das zweite. 😉 Ein bisschen ungewöhnlich ist es schon.

Dieser Rotwein hat mich aber mal interessiert. Dazu muss man vielleicht sagen, dass sich vermutlich ein paar Leser dieser Zeilen darüber wundern. Es gibt wenige Menschen, die mich Alkohol trinken gesehen haben. Das heißt nicht, dass ich mich immer nur heimlich besaufe, aber mein Konsum geistreicher Getränke ist übersichtlich zu nennen. Das ist nicht immer so gewesen, was zwar so klingt, als ob ich früher Alkoholiker war, was es aber nicht heißen soll. Ich war und bin immer Genusstrinker gewesen. Der Schwerpunkt lag auf Weißwein - speziell Riesling, weniger zum Essen, sondern einfach nur so. Der durfte gern etwas kräftiger sein, aber nicht ganz trocken. Es gibt da schon leckere Gewächse.

Mein Weinkonsum in den letzten Jahren lag quasi bei Null. Ich weiß nicht, wieso, aber irgendwie machte es keinen Spaß. Aber langsam komme ich wohl in ein Alter, das wird Wein wieder interessant, aber nicht mehr der Weiße, sondern der Rote. Aber auch hier ziehe ich die nicht ganz (furz-)trockenen den anderen vor, auch der Tanningehalt darf gern so klein wie möglich sein. Ich hatte da mal vor ein paar Jahren einen sehr süffigen Spanier ... Aber lassen wir das. Die Detailkenntnisse sind etwas eingerostet, es gilt, sich langsam wieder vorzutasten.

Der Boden war bereitet, und so viel mir ein Wort ins Auge, dass mein Interesse weckte: Unter der Überschrift "Rotweine" stand der Begriff "Schwarzriesling". Ein Rotwein mit Rieslingeigenschaften? Haben die eine rote/dunkle Rieslingtraube gezüchtet? Meine aktuelles Interesse an Rotwein und mein altes an Riesling schienen sich verbunden zu haben. Dass ich damit einem Irrtum aufgesessen bin, weiß der Weinkenner längst und ich mittlerweile auch. Der Schwarzriesling hat mit dem Riesling nur den Namen gemein, ansonsten überwiegen die Unterschiede.

Das hinderte mich aber nicht daran, trotzdem ein Fläschchen käuflich zu erwerben. Wikipedia und das Flaschenetikett klärten mich darüber auf, dass der Schwarzriesling eher was mit dem Burgunder zu tun hat. Auch der Traminer scheint beteiligt zu sein. Im Glas befindet sich eine schöne rote Flüssigkeit, die allerdings aus der Flasche etwas dünn rausgelaufen ist. Das kann aber auch an der ungünstigen Beleuchtung gelegen haben. Je länger ich an dem Glas herumtrinke, desto besser mundet er mir aber trotz meines anfänglichen Irrtums.

Was lernen wir daraus? Schöne Genüsse müssen nicht immer fundierten Erkenntnissen entspringen. Manch Irrtum brachte auch schon freudige Überraschungen hervor. Prost. Und die Sendung morgen ist vielleicht besonders geistreich. Wenn es das Thema Handys hergibt. 😉

Manchmal, ich weiß nicht, ob ihr das auch kennt, da gibt es Situationen, in denen eine wunderschöne, richtig eiskalte, aber nicht unbedingt mit Eis versetzte Cola genau das richtige ist. Die Süße, die der Seele gut tut, die konzentrierte Kohlensäure, die den verödeten Gaumen frei sprudelt und das anregende Koffein, das wieder Elan in den Körper bringt.

Der Colas gibt es einige; vor allem, wenn man die aromatisierten mitzählt, ist beinahe für jeden Geschmack etwas dabei. Und es wäre ja auch nicht so, als ob nicht auch immer mal wieder neue dazu kämen. In den letzten Wochen habe ich einige der neuen getestet, die Berichte dazu habe ich hier zusammen gefasst. Prost.

Keine Angst, ich falle nicht vom Glauben ab. Aber unter der o. g. Überschrift veröffentlichte unlängst ein Werbeblättchen* einen Expertentipp der Dipl. Ernährungswissenschaftlerin Kathleen Peterka, in Personalunion auch noch Redakteurin für das Druckwerk. Folgenden Gedanken kann man sich ja mal auf der Zunge zergehen lassen:

... mit der vegetarischen Genießerküche. Längst hat sie sich vom "Essen von Beilagen" emanzipiert. Aromatische Küche ist angesagt. Die Gerichte sind durch ... Dämpfen und Dünsten fettarm und durch den Einsatz von vielen Gewürzen auch gut verträglich.

Diese herausragenden Eigenschaften gehen natürlich der normalen Küche ab. Wer erinnert sich nicht mit Grausen an fade Rindergulasch, an fetttriefende Saltimbocca oder unverträgliche Hühnersuppen. Kochtechniken wie Dämpfen und Dünsten sind in der normalen Küche verboten. Wussten Sie das nicht? Auch die Verwendung von Kräutern und Gewürzen ist allein der vegetarischen Küche vorbehalten.

Aber es werden noch weitere Kochweisheiten unters Volk gebracht, die vorher auch noch kein Mensch kannte:

Ein Menü lebt von den Gegensätzen ... Auf eine cremige Suppe kein "suppiges" Gericht wie Ragout folgen lassen. Eher etwas "zum Beißen" wie überbackenes Gemüse oder ein knackiges Wokgericht.

Ein deutschsprachiger Satz lebt von den Verben. Auf ein Subjekt folgt das Prädikat und das Objekt. Fängt man mit dem Objekt an, folgen Prädikat und Subjekt in der Reihenfolge. Nur bei Nebensätzen steht das gebeugte Verb am Ende, aber es ist in jedem Fall vorhanden. Wenn, dann verzichtet man mal auf das Objekt.

Böse Zungen behaupten, Vegetarismus, vor allem in seinen schärferen Formen,  wäre eine Essstörung. Sicher ist das Weglassen von Verben weniger gesellschaftlich relevant wie das Weglassen von Fleisch. Zu einem vollwertigen Deutsch gehören die Tu-Wörter aber dazu.

*) Tip der Woche (17.12.2012)

Da kann man doch auf dem Weberglockenmarkt, der in Neubrandenburg die Rolle des Weihnachtsmarktes übernommen hat, immer noch und mal wieder das eine oder andere besondere finden. Das sei auch und vor allem kulinarisch gemeint. Es gilt aber hier nicht, die 15357. Version aufgepeppten Discounterglühweins oder irgendwelche fettverseuchten Bratwürste zu verkosten. Wobei, die Richtung ist schon nicht verkehrt.

An einem der Stände, die vermutlich das Ende des Weihnachtsmarktes überleben werden, gibt es unterschiedlichste Grillwurstspezialitäten. Neben der schnöden deutschen und der schon besseren Krakauer Variante erfreut man hier den Gast auch mit zwei etwas ungewohnteren Arten. Schon im letzten Jahr war die Straußenbratwurst der Renner an diesem Stand, in diesem Jahr hoppelte dann das Gegenstück dazu aus Australien an vorbei: Känguru-Bratwurst.

Was beide Würste auszeichnet ist der fleischigere Biss und der spürbarere Eigengeschmack des farbkräftigeren Bräts. Während die Straußenwurst eher lang und schmal daher kommt, präsentiert sich die Känguru-Wurst kürzer und draller. Gefallen habe sie mir beide, wobei ich aber einen kleinen Vorsprung für die australische Variante feststellen muss. Die Laufvogel-Wurst war letztes Jahr besser ...

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Eigentlich ist sie ein Abfallprodukt der Käseherstellung: Die Molke. In ihr vereinigen sich die flüssigen Bestandteile der Milch sowie gelöste Mineralstoffe, Vitamine und Milchzucker. Fett ist ganz raus, das Eiweiß, vor allem das Kasein, zu wesentlichen Teilen. Für viele Käsereien wird die Molke zu einem Problem, weil sie nicht wissen, wohin damit. Meist arbeiten sie mit Schweinemastbetrieben zusammen, wo sie als Futter eingesetzt wird.

Aber auch für die menschliche Ernährung wird ein Teil der erzeugten Molke genutzt. Gerade im Fitness- und Sportsegment hat sie eine gewisse Bedeutung erreicht, meist auch in Verbindung mit Fruchtsäften oder anderen Zusätzen. Nicht zu vergessen ist die Weiterverarbeitung zu einem fettarmen, fast fettfreien Molkenkäse. Der bekannteste dürfte hier der Ricotta sein.

Warum wird aber hier auf halbem Weg stehen geblieben? Hersteller anderer Produkte machen es vor. Wie wäre es denn mit Edelmolke in edlen Behältnissen zu edlen Preisen. Vielleicht schmeckt die Molke, die bei einer Bergkäseherstellung entsteht, doch etwas anders als eine Molke der Camembert- oder der Gouda-Herstellung. Natürlich spielt auch die "Lage" eine Rolle, also die Wiesen, auf denen die Kühe grasten, als sich die Milch bildete, aus der die Molke entstand. Wir unterscheiden dann auch noch Molke aus Molkenpulver und Direktmolke, die aus dem Käsebottich ohne Umweg in den Flakon kam.

Vor meinem geistigen Auge öffnet sich eine Situation, in der ich mit einem gekühlen Molkeschwenker in der Hand verträumt in einen Sonnenuntergang schaue, im - natürlich mundgeblasenen - Glas eine Tête-de-Moine-Direktmolke AOC aus der Klosterkäserei Bellelay (Schweiz), Graslage: gemischte Bergalmwiese (1430 m) mit leichtem Enziananteil auf einem sanft geneigten Südwesthang. Molksit!

 

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Da ist man bei den regionalen Holzmedien - wie wir Vertreter der elektronischen Medien die papiergebundene Presse gern nennen - auf eine richtig gute Idee gekommen. 8 Wochen lang will sich ein Vertreter der schreibenden Zunft nur von dem ernähren, was in der Region, genauer: im Kreis Mecklenburgische Seenplatte, alles produziert wird. Vom Ansatz her stelle ich mir die Aufgabe relativ leicht vor.

Mecklenburg-Vorpommern ist ein Agrarland, und die Landwirtschaft dient in erster Linie dazu, den Menschen zu ernähren. So sollte es zumindest sein. Die Versorgung mit Getreide (und daraus folgendem Backwerk), Milch, Käse, Fisch, Fleisch dürfte kein Problem darstellen, gibt es doch Erzeuger, Verarbeiter und Weiterverarbeiter zu hauf. Die Obst- und Gemüseversorgung, regional eher kleinteilig aufgestellt, ist da vermutlich eher ein Problem. Dabei ist der Erwerb als Endverbraucher einfacher als das Finden des jeweiligen Hofladens.

Natürlich heißt es doch auf einiges verzichten, dessen Grundlagen nicht im Landkreis liegen. Aber das ist vielleicht mal eine gute Idee, wenn mehr auf hiesiges umgestellt wird. Tee, Kaffee, Kakao u.a. wachsen nicht in der Seenplatte. Aber immerhin wird im Land auch ein Mineralwasser abgefüllt, so dass die Getränkegrundversorgung sichergestellt ist.

Was ich bei ganzen Sache nur nicht verstehe, ist die Teilnahme des ZLT - Zentrums für Lebensmitteltechnologie. Nun ist dessen Chef auch ein guter Koch (wenn man die Glutamatorgien mal ignoriert, Stichwort Soljanka mit Silvio Witt), und jemand in der Funktion wird sicher gebraucht, um die hiesigen Produkte sinnvoll und abwechslungsreich zu verarbeiten, aber ansonsten wird eher nur eine LebensmittelSUCHtechnologie benötigt.

Das Dreieck Erzeuger-Handel-Verbraucher ist herausgefordert, ich vermute die Hauptschwierigkeit im allgemeinen darin, dass eine der Verbindungen zwischen den dreien nicht mitspielt. Und ich hoffe, dass am Ende der 8 Wochen eine schöne Übersicht als Ergebnis erscheint, wo man sich in der Region mit regionalen Lebensmitteln versorgen kann.