Leben

Leckere Überraschungen und was sonst nicht geht

Nachdem bei der letzten Veranstaltung der Ernährungsberatung, an der ich teilnehmen darf, das Hauptthema “Fett” war und wie man es vermeidet, ging es heute um Kohlenhydrate.  Ganz stark pauschalisierend kannman sagen, dass man sie vermeiden sollte. Natürlich gibt es, wie auch beim Fett, gute und schlechte Kohlenhydrate. Einfache Regel: Je schneller ein Kohlenhydrat verdaut wird, desto schlechter ist es.

Bei den Kohlenhydraten unterscheiden wird grundsätzlich drei Arten: Zucker, Stärke, Zellulose. In der Reihenfolge werden sie für den abnehmwilligen Menschen auch immer wertvoller. Zucker und seine diversen Arten (Traubenzucker, FruchtzuckerKristallzucker, Milchzucker, MalzzuckerRaffinose etc. und deren Synonyme Dextrose, Maltose, Glukose, Fruktose etc. sowie technischen Abwandlungen, die dann meist auch -sirup enden) sind ganz böse und sind strikt zu vermeiden. Weitgehend verzichten sollte man auch auf Stärke und stärkehaltige Lebensmittel: Mehle, Kartoffel-/Maisstärke, (geschälter) Reis, Weißmehlprodukte, Kartoffeln, (Eier-)Nudeln (vor allem die weich gekochten), etc. Letztendlich alles, was unter die Überschrift “Sättigungsbeilagen” und “Soße” läuft.

Satt werden darf man natürlich trotzdem, und in gewissem Sinn kann man richtig schlemmen. Gemüse geht zum Beispiel immer und auch so viel, bis man nichts mehr in sich hinein bekommt. Dabei ist natürlich auf Vielfalt besonderer Wert zu legen, zum einen in der Art des Gemüses wie auch in seiner Zubereitung. Grillen, dünsten, kochen oder nur schnippeln und dann zu Salat verarbeiten geht. Alles raffiniert gewürzt, aber (wir haben es gelernt) fettarm/-frei zubereitet. Joghurtdressing (aus 0,2%-igem Joghurt natürlich), Buttermilchdressung oder auch Frischkäse als Basis sind erlaubt (mit letzterem lässt sich auch in Verbindung mit püriertem Gemüse eine leckere Soße herstellen). Solange man das viele Gemüse nicht gewohnt ist, sollte man es speziell auch abends garen.

Obst geht auch bis zum Abwinken, aber nicht abends. Ansonsten gilt das gleiche wie bei Gemüse. Bei Nudeln sind Vollkorn- und Hartweizengriesprodukte zu bevorzugen, natürlich al dente gekocht, was nicht nur eine Modeerscheinung ist. In diesem Zustand gehen die Kohlenhydrate besonders langsam in den Stoffwechsel übrig, was hilft, sie nicht gleich auch die Hüften zu bekommen. Auch eine Kartoffel oder eine kleine Portion ungeschälter Naturreis sind erlaubt. Für die “Brotzeit” empfiehlt der Ernährungsberater alles, was zu mindestens 60% aus Vollkornmehl besteht. Wer mehr isst, muss sich mehr bewegen, sagt Frank. Und dazu natürlich immer viel Wasser trinken.

Der Schwerpunkt beim Essen, meint Frank (und da würde ich ihm sogar zustimmen) liegt im Umdenken, was das wirklich wesentliche auf dem Teller ist, was also schwerpunktmäßig gegessen werden sollte: Fleisch, Fisch, Wurst, Käse, dazu das Gemüse. Mehlige, fettige Soßen und die “Sättigungsbeilagen” sind Hüftgold. Das Hauptgericht, natürlich so fettarm wie möglich, steht im Mittelpunkt.

Aber zwischendurch hat sich der gute Frank auch mal selber widersprochen. Zum einen präferierte er das zweifelhafte Ernährungsmodell “Frühstück wie ein Kaiser, Mittag wie ein König, abends wie ein Bettler”, zum anderen beantwortete er eine Nachfrage nach dem abendlichen Obst- oder Schokoladengenuss mit em Tipp, dass man sich das dann am nächsten Morgen wieder runter bewegen muss, weil man sich ja abends nach dem Genuss nicht mehr so viel bewegt.

Nächste Woche geht es um Eiweiß/Proteine. Ich vermute, dass man hier die Zufuhr nicht auch noch reduzieren muss. Wenn doch, wären wir bei FDH (“Friss die Hälfte”) bzw. noch radikaleren Methoden. Aus den bisherigen Andeutungen scheint es aber dann doch darauf hinaus zu laufen, dass Proteine durch etwas erlaubter sind. Wir werden sehen. ;-)

P.S.: Beinahe hätte ich die leckere Überraschung vergessen, die ich in der Überschrift andeutete. Das war ein Frischkäse mit Kakao-Geschmack, der erstaunlich wenig nach Frischkäse und erstaunlich gut nach Schokolade schmeckte. Wenn ich ansonsten eine Nuss-Nougat- oder Schoko-Creme essen würde, wäre das in interessanter Ersatz. Eine nicht leckere Überraschung war eine Leberwurst mit 3% Fett. Sie hinterließ beim Essen ein leicht sandiges Gefühl auf der Zunge.


Es lebe die Industrie (aktualisiert)

Heute war ich wieder bei Frank. Ihr erinnert Euch? Langsam wird es lustig. Die Erkenntnis des heutigen Abends: Man darf alles essen, es darf nur (so gut wie) kein Fett enthalten. Bei einigen Nährstoffen muss man ein wenig drauf achten, es nur zu bestimmten Tageszeiten zu essen. Hauptsache: So wenig wie irgend möglich Fett. Denn das ist dann genau das Fett, was dann auch auf die Hüften kommt.

Schwerpunkt der Ernährung ist also: fettarmes Fleisch, fettarme Wurst, fettarmer Fisch (da werden wir dann bald mal an Omega-3-Mangel erkranken ;-) ), fettarme Milch (0,5%), fettarmer Frischkäse, fettarmer Käse, fettarmer Quark, fettarmer Joghurt, dazu Gemüse, Obst und möglichst wenig “Sättigungsbeilagen”.

Die Richtigkeit der Hauptthese kann ich nicht einschätzen, glaube mich aber an Studien erinnern zu können, die dem widersprachen. Letzt endlich gipfelt es in der Frage, ob das Fettmolekül, dass ich aus einem schönen Stückchen Speck vom schwäbisch hällischen Landschwein esse, wirklich das selbe Fettmolekül ist, dass sich dann an meiner Hüfte wiederfindet. Oder hat sich das Hüftfettmolekül nicht auch aus Kohlenhydraten und Eiweiß gebildet?

Als Freund natürlicher Ernährung frage ich mich allerdings auch noch, ob die oben genannten Produkte wirklich so auch naturnah hergestellt werden können? Diese kastrierten Produkte, frei von ihrem Eigengeschmack, von ihrem Mundgefühl und ohne Reiz für unseren 6. Geschmacksnerv können einen Esser nicht wirklich glücklich machen. Wie sagen doch alle Fernsehköche unisono: Fett ist ein Geschmacksträger. Sicher sollten gerade übergewichtige ihre Fettzufuhr kontrollieren, aber eben nicht nur diese, sondern auch alles andere. Auf welche Art zum Beispiel Fleisch so fettfrei geworden ist, ober warum Wurst trotzdem schmeckt, obwohl gerade die klassisch geschmacksgebenden Zutaten nicht drin sind, möchte ich hier nicht erläutern.

Und dann einer der größeren Faux pas: Frank empfahl unter anderem Diät-Pflaumenmus, speziell auch für eine anwesende Diabetikerin. Die Zutatenliste war erstaunlich kurz, nur 3 Zutaten. Die mittlere war Fruktose, manchmal auch Fruchtzucker genannt. Ich zitiere aus einer Stellungnahme des Bundesamtes für Risikobewertung:

Das BfR hat die aktuelle internationale wissenschaftliche Literatur zum Thema Fruktose und die Entstehung des metabolischen Syndroms sowie Fettleibigkeit und Fettsucht (Adipositas) gesichtet. Das metabolische Syndrom bezeichnet das gleichzeitige Auftreten von Überge-wicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz. Eine Vielzahl neuerer Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die verstärkte Aufnahme von Fruktose über industriell gefertigte Lebensmittel wie mit Fruktose gesüßte Limonaden nachteilig auf die Gesundheit wirkt: Adipositas wird gefördert, da hohe Fruktosemengen die hormonelle Gewichtsregulierung beeinflussen, und die Entstehung des metabolischen Syndroms, das in engem Zusammenhang mit Diabetes mellitus Typ 2 zu sehen ist, wird begünstigt.

Apropos “industriell gefertigte Lebensmittel”: Mir fällt die Ausnahme gerade nicht ein, aber bis auf diese waren alle empfohlenen Lebensmittel Industrieware, aufgepeppt mit allerlei Konservierungsmittel, diversen Verpackungsmüll erzeugend und zum Beispiel beim Fleisch mit zweifelhafter Herkunft. Ein Tier, zum Beispiel das Schwein, bildet von allein keinen Schinken, der nur 0,9% Fett enthält. Und sicher gibt es Fleischpartien, egal von welchem Tier, die relativ fettarm sind. Wer soll aber die anderen Teile Essen? Oder sollen wir diese wegschmeißen? Es werden ja auch noch nicht genug Lebensmittel einfach so entsorgt. Hinzu kommt, dass Verbraucherschützer und Genussmenschen bei Geflügel immer empfehlen, ganze Tiere zu kaufen. An denen kann man sehen, ob das Tier unter vernünftigen Bedingungen aufgewachsen ist. Bei Hähnchenteilen, auch noch hautbefreit, sieht man das nicht mehr, was natürlich durch die Industrie auch ausgenutzt wird. Noch schlimmer sind dann die vorgeschnittenen und teilweise vorgebratenen “Fleischteile” für geschnetzeltes u. ä.

Kommende Woche habe ich einen Termin bei seinem Chef. Da werde ich versuchen, das Thema anzusprechen. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Hier noch ein paar Links, freundlicherweise von seeseekey zur Verfügung gestellt:


FFC – Aufwärts zum Abwärts

Er heißt Frank und ist mein Foodcoach. Ja, ich habe einen Foodcoach. Einen Essentrainer. Und ich bin sehr gespannt, wie sich das in Zukunft entwickelt. Immerhin gilt es Platz zu schaffen für immer weiter führende kulinarische Genüsse. ;-)

Meine Ärztin meinte mal, ich soll mich um eine Ernährungsberatung kümmern; ich widersprach ihr nicht, obwohl ich weiß, dass es bei mir weniger eine Frage des Zuviel an Energiezufuhr sondern eher um ein Zuwenig an Energieverbrauch geht. Sie überwies mich an einen Allgemeinmediziner mit einem entsprechenden Schwerpunkt. Seine Firma bietet auch eine Ernährungsberatung an, immerhin sprach er bei der Auftaktveranstaltung ein paar einleitende Worte. Den Rest übernahm Frank. Zwei Handvoll abnehmwilliger Leute erhoffen die große Weisheit beim Erreichen ihres Ziels. Jetzt geht’s los zur Reduzierung des Körpergewichts. Und es ist “Nicht so schlimm!” wie Frank mehrfach betonte …

Seit einigen Jahren befasse ich mich mit der Ernährung des Menschen und mit dem, was man als “gesund” bezeichnet. Eine der wesentlichen Erkenntnisse, die ich auf dem Gebiet errungen habe, ist die, dass es eigentlich keine gesicherte Erkenntnis gibt. Die Ernährungswissenschaft ist eher eine statistische als wirklich naturwissenschaftliche, niemand weiß eigentlich genau, wie die menschliche Verdauung und Energiegewinnung funktioniert. Es werden viele Studien gemacht und ausgewertet, über Kreuz miteinander verknüpft und metaübergreifend analysiert. Aber das sind alles nur statistische Methoden, die Vermutungen bestenfalls unterstützen, aber nicht endgültig bestätigen können.

Es deutet sich an, dass Frank und ich einige Differenzen haben werden, was die Bewertung von Nahrungsmitteln u. ä. betrifft. Es gab übrigens auch ein Faltplan zum Mitnehmen mit ein paar Basisinformationen. Ich weiß nicht, auf welchem Stand sich das Papier bewegt, als Herausgeber findet sich eine bundesdeutsche Organisation, die sich zum einen der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte verschrieben hatte und die zum anderen nicht mehr existiert. Letzteres hat auch seine Gründe. Ich erwarte einige, mittlerweile überholte Erkenntnisse, die mit Unterstützung von Studien gewonnen wurden, die indirekt durch Nahrungsmittelhersteller finanziert wurden. Aber ich lasse mich auch gern von anderen überraschen.

Na, mal sehen, was noch so alles passiert. Ich werde berichten. Bisher gibt es nur eine wichtige Erkenntnis: Mehr stilles Wasser trinken; und nicht immer das gleiche. Aber das hat Mark Twain in seiner pointierten Art auch schon mal gesagt: “Wasser, in Maßen genossen, ist unschädlich.” Eine der wirklich nachgewiesenen Aussagen der Ernährungswissenschaft.


Gestatten – Name

Die Anrede im Schriftverkehr – egal, ob E-Mail, Spam oder klassischer Brief – sollte immer dem Verhältnis angepasst sein, in dem sich Schreiber und Leser mit einander befinden. Die Variantenvielfalt, die mir da bisher so begegnet ist, ist groß, manchmal unterscheiden sie sich aber auch nur durch Kleinigkeiten.

Ganz grundsätzlich gibt es wohl 5 Anredefloskeln:

  • Sehr geehrter
  • Werter
  • Guten Tag
  • Hallo
  • Lieber

Natürlich gibt es sie auch in den weiblichen Versionen. Die Unterarten unterscheiden sich dann im weiteren Wortverlauf:

  • Herr Name
  • Herr Vorname Name
  • Herr Vorname
  • Vorname Nachname
  • Vorname

Wobei: Nicht jede der möglichen 25 Kombinationen ist überhaupt gebräuchlich. Schauen wir mal, was es da alles gibt:

  1. Sehr geehrter Herr Pohlmann,
  2. Sehr geehrter Herr Dirk Pohlmann,
  3. Sehr geehrter Herr Dirk,
  4. Sehr geehrter Dirk Pohlmann,
  5. Sehr geehrter Dirk,
  6. Werter Herr Pohlmann,
  7. Werter Herr Dirk Pohlmann,
  8. Werter Herr Dirk,
  9. Werter Dirk Pohlmann,
  10. Werter Dirk,
  11. Guten Tag Herr Pohlmann,
  12. Guten Tag Herr Dirk Pohlmann,
  13. Guten Tag Herr Dirk,
  14. Guten Tag Dirk Pohlmann,
  15. Guten Tag Dirk,
  16. Hallo Herr Pohlmann,
  17. Hallo Herr Dirk Pohlmann,
  18. Hallo Herr Dirk,
  19. Hallo Dirk Pohlmann,
  20. Hallo Dirk,
  21. Lieber Herr Pohlmann,
  22. Lieber Herr Dirk Pohlmann,
  23. Lieber Herr Dirk,
  24. Lieber Dirk Pohlmann,
  25. Lieber Dirk,

Die Varianten 3, 4, 5, 8, 13, 18, 23 würde ich mal unter gänzlich ungebräuchlich abhaken. Der Rest ist mir irgendwie schon mal unter gekommen. Wobei die Kombinationen mit “Werter” wohl auch den Abfluss der Sprachgeschichte nach unten passiert haben. Was bleibt übrig?

  1. Sehr geehrter Herr Pohlmann,
  2. Sehr geehrter Herr Dirk Pohlmann,
  3. Guten Tag Herr Pohlmann,
  4. Guten Tag Herr Dirk Pohlmann,
  5. Guten Tag Dirk Pohlmann,
  6. Guten Tag Dirk,
  7. Hallo Herr Pohlmann,
  8. Hallo Herr Dirk Pohlmann,
  9. Hallo Dirk Pohlmann,
  10. Hallo Dirk,
  11. Lieber Herr Pohlmann,
  12. Lieber Herr Dirk Pohlmann,
  13. Lieber Dirk Pohlmann,
  14. Lieber Dirk,

Das sind immer noch 14 Varianten, aus denen man sich nach Bedarf die passende Auswählen kann. Wobei ich einige dieser in ihrer Kombination schon etwas grenzwertig finde.

Als einzige offizielle seriöse Variante würde ich Nr. 1 gelten lassen. Nr. 2 ist die fehlgeleitete Version von Nr. 1, wo jemand mit den Formularfeldern der Serienbrieffunktion nicht richtig umgehen konnte. Die Variante fand sich bisher nur auf Werbebriefen und Spam. Das trifft für die Nummern 3, 4, 5 und 6 ebenfalls zu, wobei mit Nr. 6 wohl etwas mehr Vertraulichkeit simuliert werden soll.

Apropos Vertraulichkeit: Hierunter fallen die Nummern 7 bis 10. Die 8 und die 9 ist wieder für die Werbe- und Spamversender gedacht, der Nr. 7 folgt dann aber ein Schreiben im “vertraulichen Sie”, während Nr. 10 dann die Variante für einen Brief oder eine E-Mail mit der Anrede “Du” ist. Das Hallo beinhaltet allerdings auch eine gewisse Unverbindlichkeit. Wenn man genauer darüber nachdenkt, fehlt irgendwie eine Anrede, die ihren Rang zwischen “Sehr geehrter” und “Hallo” hat, also ein gebräuchlicher Nachfolger des “Werter”.

Die Kombinationen mit “Lieber” (und Steigerungsformen) würde ich wirklich nur im (ganz) privaten Rahmen zulassen, ist aber selbst hier eher etwas altbacken. Ich erinnere mich noch an Zeiten als Schüler, wo ich in den Ferien aus dem Ferienlager Postkarten oder Briefe mit der Anrede “Liebe Eltern” nach Hause gesandt habe. ;-) Nr. 11 bis Nr. 13 ist mir jetzt auch schon mehrfach auf Werbe-E-Mails oder Directmailings aufgefallen. Nicht wissend, was die Absender damit bezweckten, wurden die Schreiben handgeschreddert und entsorgt. Nur bei den E-Mails muss ich ein wenig aufpassen, da darf ich nicht einfach so ungelesen löschen. Einen wichtigen Nr.-11-Schreiber gibt es dann doch. Aber, das erkennt man dann ja am Absender. ;-)

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Stachlige Zukunftspläne

Wenn ich mir meine beiden Kakteen und ihre Nachkommen so ansehe, reift ihn mir der Entschluss heran, vielleicht doch meine Zukunft voll und ganz der Kaktuszucht zu widmen.

Nebenstehend ist die stachlige Version zu sehen, die bereits durch große Blütenpracht überraschte. Der aufmerksame Beobachter stellt sicher rechts unten schon wieder einen Ableger fest.

Während die vorherigen eher rundlich, kugelig waren scheint sich dieser eher für eine schlankere Bauform zu halten. Erste Wurzelansätze sind auch schon zu erkennen, so dass bald mit einer Abnabelung zu rechnen ist. Fast stellt sich die Frage: Wohin nun auch noch damit?! ;-)

Dass so eine Abnabelung auch klappt, zeigt das zweite Bild. Der kleine Fratz ist einer der Ableger des gleichen Kaktus und entwickelt sich auch prächtig.

Wollen wir also mal sehen, was aus dem Neuling noch so alles wird. Ich wünsche ihm auf alle Fälle viel Glück.


Sonntag frühabend

Heute frühabends, lass es so 17 Uhr oder 17:30 Uhr gewesen sein, hätte ein möglicher Beobachter ein bei flüchtigem Blick eigentümliches Schauspiel erlebt. Entweder müsste ich dann mit dem Vorwurf der Geschmacksverirrung oder der Schwangerschaft leben, letzteres wird bei dem Körperbau schon eine Weile vermutet.

Was passierte? In der Küche holte ich einen Frühstücksteller (man kann ihn auch gut als Kuchenteller nutzen) und eine Kuchengabel heraus. Dann wickelte ich mit einer gewissen Vorsicht etwas aus einem Stück Alufolie aus, was von weiten wie ein gut gebräuntes Stück Blechkuchen aussah. Dann machte ich es mir mit dem gefüllten Teller auf dem Sofa bequem, stocherte etwas auf dem Teller herum und fischte mir Pflaumen, Pfirsiche und andere Früchte heraus, die ich genussvoll verspeiste. Dann holte ich mir aus dem Kühlschrank die Schlagsahne (nee, eben nicht!) den Senf, strich ihn über die Reste auf dem Teller und aß auch diese.

Senf auf Obstkuchen? Silvester, wo es ja wenigstens noch mit Senf gefüllte Pfannkuchen gibt, ist doch lange vorbei. Vielleicht ist es ja doch eine Geschmacksverirrung. Oder eben ein Beispiel dafür, dass man sich nicht immer vom ersten Eindruck leiten lassen sollte. Bei dem “Stück Kuchen” handelte es sich nämlich um eine gute Scheibe von Mutters (mit oben genannten Früchten) gefüllten Rippenbraten, dessen Fleisch beim Verzehr durchaus ein wenig Senf vertragen kann.

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Vorsicht vor dem Einkauf

Eins sag ich Euch: Vorsicht vor noch so verlockenden Angebote der Supermärkte und Discounter, gerade auch vor Weihnachten. Da wird unter dem Deckmantel der Nächstenliebe einiges an den wohlmeinenden Kunden gebracht.

Nebenstehende Werbung vor einiger Zeit ist ein Beispiel dafür. Dieser kleine niedliche Weihnachtskaktus, jeweils in einer stachligen oder in einer puschligen Version.

Tierschützer kämpfen gelegentlich gegen die Vermenschlichung von Tieren, die sich unter anderem in Bekleidung für Hunde und Katzen oder anderen geldabschneidenen Perversitäten ausdrückt. Gibt es eigentlich auch Pflanzenschützer, die für ähnliches kämpfen?!

Aber die eigene Erfahrung zeigt: Der Zierrat lässt sich einfach entfernen und dann hat man einen schönen kleinen Kaktus. Und die Hersteller sind sogar erfinderisch. Zu Ostern gibt es sowas sicher wieder als Osterhase. Wie es der Zufall so will, habe ich einen Osterkaktus mal geschenkt bekommen.

Anfangs passierte relativ wenig. Aber als ich die Osterverzierungen entfernt hatte, ging es los. 2 oder 3 Jahre ist es jetzt fast her. Klein und süß sind mittlerweile nicht mehr die Vokabeln, die mir im Zusammenhang mit dem puscheligen Kaktus einfallen wollen.

Aber seht selbst:

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Scheitern mit System (2 Updates)

Hallo und herzlich willkommen bei “Vorsicht Kunde!”, der kleinen, aber feinen Transskriptionsshow, die es nur als Text gibt und nicht als Radio- oder Fernsehsendung. Heute haben wir zu Gast den Herrn P. aus N. an der D. (Name, Stadt und Fluss von der Redaktion gekürzt, aber im Prinzip bekannt), der uns sein neustes Erlebnis mit der allgemeinen Warenwirtschaft erzählen wird.

P.: Tja, hm, … *hust* … also: Ich will mir ein Küchengerät kaufen. Aber das gestaltet sich schwieriger, als man denkt.

Moderator: Was ist beim Erwerb eines Küchengerätes denn so schwer? Ab in den Landen, aussuchen, evtl. beraten lassen, auswählen, bezahlen, raus und fertig. 

P.: Das stellen sie sich so einfach vor. Und an sich mag das ja auch so richtig sein. Aber ich hatte mir etwas besonderes ausgesucht. Im Fernsehen hatte ich das Gerät, dass anlässlich der kommenden Weihnachtsfeiertage das meine werden sollte, ein paar mal gesehen. Da war es zwar meist irgendwo im Hintergrund, aber auch in Betrieb. Selbst ein bekannter Fernsehkoch nutzte es …

M.: Da hat das Product placement also funktioniert *lach*.

P.: Mag sein, aber ich hatte vorher schon mal davon gelesen, in einigen Rezepten war es auch als Zubereitungshilfe angegeben. Ich war durchaus interessiert, also googelte ich mich durchs Internet, um Bezugsmöglichkeiten zu finden. Dabei stellte sich heraus, dass das Gerät nur über einen Direktvertrieb zu erhalten ist. Und dann wohl auch nur bei Kochpartys. So ein Brimborium wollte ich nicht.

M.: Apropos kochen. Da gab es doch noch diesen legendären Berlin-Ausflug. 

P.: Ach ja, der war schön. Sie müssen wissen: Ich kenne da zwei Wahlberliner, der eine aus dem süddeutschen, der andere aus dem N.er Raum. Die betreiben ein kleines, aber feines Restaurant in Berlin-Charlottenburg. Bei denen war ich in meinem letzten Urlaub zu Gast. Und was sah ich dort bei einem Blick in die Küche?! Genau das Gerät, über das ich mich informieren und das ich käuflich erwerben wollte. So konnte ich die Vorteile hautnah erfahren. Mein Wunsch, so etwas auch zu besitzen, stand fest. Nur: Wie komme ich da ran, ohne Kochpartys, ohne Vertreterbesuche, oder andere “verkaufsfördernde Maßnahmen”, die mich vom Kauf eher abhalten denn animieren konnten.

M.: Die Lösung, die sich bot, schien einfach.

P.: Stimmt. Besagte Bereitsgerätbesitzer outeten sich als mögliche Vertriebler des Gerätes, wenn auch nicht so ganz, aber irgendwie sollte das klappen. Nach ein wenig Bedenkzeit, immerhin ist das Küchengerät doch etwas hochwertiger, was sich durchaus im Preis niederschlägt, gab ich mein O.k.: Besorgt es mir. 

M.: Aber das stellte sich wohl als nicht so einfach heraus.

P.: Augenscheinlich. Nach einigen Tagen des Versuchens wurde erstmal aufgegeben. Es schien wirklich keinen Weg an den Kochpartys und den anderen Kinkerlitzchen vorbei direkt zum Gerät zu geben. Ich sehe ja ein, dass es einen Standard-Vertriebsweg für die Küchenmaschine gibt. Aber das bisschen Flexibilität, diesen mal zu verlassen, wenn ein Kunde gar nicht erst von den Vorteilen überzeugt werden, sondern es einfach nur haben will, scheint es bisher nicht zu geben. Es ist einfach nicht möglich, diesen Quirl-Schlag-und-Rührkochtopf mit eingebauter Waage und Zeitschaltuhr einfach nur zu kaufen. 

M.: Das ist unverständlich. Anscheinend hat der Hersteller kein Vertrauen in seine Betriebsanleitung, dass er seinen Vertrieblern einzuhämmern scheint, dass sie die Geräte vor Ort vorführen und am besten gleich was damit kochen müssen. 

P.: Der Witz bei der Geschichte ist ja: Auf der Webseite des Herstellers befindet sich ein permanenter – um nicht zu sagen penetranter – Warnhinweis vor Angeboten im Internet,  die dubios und kriminell sein sollen. Mit ihrer Vertriebskultur sind sie aber dabei, mich genau in diese Shops zu treiben, oder, um es seriöser zusagen: mich nach alternativen Bezugsmöglichkeiten umzusehen – die es aber nicht zu geben scheint. Die Webseite bietet einiges an Informationen, Videos und Zubehörteilen an, aber nicht das Küchengerät. 

M.: Wenn ich auf die Seite schaue, gibt es da neben iPhone-Apps, Jobangeboten und Zahlpausenwerbung auch einen Hinweis, dass man das Gerät “live erleben” kann: “Gerne stellenw ir Ihnen … (das Gerät) zu Hause bei einem Erlebniskochen vor. Unverbindlich und kostenlos!”

P. (aufgeregt): Das ist ja der gesamte Blödsinn. Ich will nichts unverbindliches und kostenlos. Ich will diese Küchenmaschine und ich will sie auch bezahlen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich will kein Erlebniskochen, ich will keine Kochparty, ich will keinen Vertreterbesuch. Ich will seitens des Herstellers Vertrauen in die Konstruktion des Gerätes und in die Qualität der Bedienungsanleitung sowie ein Paket, dass ich mir ggf. von der nächsten Postagentur abholen muss. Ich will Geld ausgeben ohne Zwangsbespaßung … 

An dieser Stelle bricht die Show ab. Herr P. aus N. an der D. ist von seinem Stuhl aufgesprungen und fuchtelt wild mit den Armen umher. Eine Archivgrabung brachte noch eine E-Mail an den Tag, augenscheinlich eine Antwort des Herstellers auf eine Nachfrage von Herrn P. Darin heißt es unter anderem:

Guten Tag Herr P.,

vielen Dank für Ihre Mitteilung.
Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserem … (Gerät). Der perfekte Partner in der Küche hat in Europa bereits über 2 Millionen begeisterte Besitzer gefunden. Und täglich werden es mehr.

Erleben Sie den … (Küchenhelfer) zu Hause in Aktion. Eine erfahrene Repräsentantin zeigt Ihnen, wie Sie sich und Ihre Familie mit leckeren Speisen verwöhnen können – ganz schnell, einfach und mühelos… Hat Sie die Präsentation überzeugt, können Sie Ihren neuen Küchenpartner über unsere Repräsentantin bestellen.

Warum einfach machen, wenn es auch kompliziert geht. Aber das Verfahren läuft noch. Wie heißt es doch in einschlägigen journalistischen Magazinen immer so schön: Wir bleiben dran. Hier im Blog nenne ich es mal:

(Stand: 24.11.11, Fortsetzung folgt)

Update I (30.11.2011): Berlin ist gescheitert. Die Sache habe ich nun selber in die Hand genommen. Und ich muss sagen: Es entwickelt sich prächtig. Formular ausgefüllt, nochmal auf die Brimboriumfreiheit hingewiesen, Anruf verpasst, E-Mail erhalten und beantwortet, nächsten Anruf nicht verpasst, für Samstag einen Termin gemacht.

Update II (03.12.2011): Das Gerät steht, noch originalverpackt, seit 14:30 Uhr in meinem Flur. Manchmal geht doch alles schnell. Die Einladung zu einer Vorführung, die mir dann noch Rabatt bringt, habe ich trotzdem. Mal sehen, was passiert.


Bezeichnende Zeitlinie

Twitter ist ein schnelles Medium. Und es hilft auch, Informationen zu bekommen. Aber manchmal ist die Timeline auch für aufschlussreiche Überraschungen gut. Zur Erläuterung für die nicht Twitterer, oben stehen immer die neusten Nachrichten, um der Zeitlinie zu folgen, muss man also unten anfangen zu lesen.

Folgendes geschah auf meiner Timeline, nachdem ich durch die Stadt fuhr, größerer Mengen Polizei ansichtig wurde und per Twitter fragte, was das soll:

Manchmal sind Zufälle doch so bezeichnend.

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Was es nicht alles gibt: Haptovegetarier

Zugegeben, den Begriff gibt es nicht. Er ist mir eingefallen. Aber jedes Kind braucht einen Namen und der ist passend. So was habe ich neulich mal erlebt. Wobei auch eine kleine Unterstellung dabei ist, konnte ich die diese Begriffsbildung auslösende Person nicht nach genaueren Einzelheiten befragen.

Das Volk der Vegetarier ist genauso vielfältig wie die Menschheit als solches. Die bekanntesten Schlagworte  sind Veganer, Flexitaristen, Pescetarier, Ovo-lacto-Vegetarier u. v. a. m. zuzüglich diverser Zwischen- und Mischformen, wobei einige Formen bei strengen Vegetariern nicht als solche gelten.

Haptovegetarier dürften dazu gehören. Im konkreten Fall aß die Person kein Fleisch, wohl aber Gerichte, die mit Fleisch zubereitet wurden. Im konkreten Fall war es wohl ein Auflauf. Man stelle sich also jemanden vor, der beim Gulasch oder vom Sonntagsbraten nur die Soße, bei der klassischen Lasagne nur die Nudelplatten oder bei Irisch Stew nur das Kraut und die Kartoffeln. Schwierig wird es beim Labskaus, dort Fleisch und Nichtfleisch wieder auseinander zu dividieren.

Wer jetzt meint, dass das kein Vegetarismus ist, hat vermutlich recht, im konkreten Fall  fiel aber der Begriff in Selbstbezeichnung. Man mochte wohl das Gefühl von Fleisch auf der Zunge nicht. Wer macht da eigentlich wem etwas vor?

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