Archiv für die Rubrik ‘Medien’

Das mit den Quoten

Die Einschaltquoten sind die Währung in Fernsehen und Radio. Während bei den Hörern nur zweimal im Jahr eine telefonische Befragung gestartet wird, gibt es die Quoten beim Fernsehen täglich frisch auf den Tisch. Für viele Macher gehört die morgendliche Lektüre in Videotexten oder neuerdings auch im Internet zum Frühstück wie das Marmeladenbrötchen, die Kopfschmerztablette oder das Glas Wodka. ;-)

Greifen wir mal spontan den gestrigen Tag heraus und bedienen uns bei den Daten. Für eine Sendung wird u.a. angegeben: 3,46 Millionen Zuschauer =  10,8 % beim Gesamtpublikum (ab 3 Jahre). Für eine andere 6,34 Millionen Zuschauern = 34,1 % bei den 14- bis 49-jährigen. Hier nochmal Zahlen bezogen aufs gesamte Publikum: 1,96 Millionen Zuschauer = 6,2 %, 730 Tausend Zuschauer = 2,6 %, 2,61 Millionen Zuschauer = 8,6 % oder 5,56 Millionen Zuschauer = 15,9 %. Die Sendungszeitpunkte lagen zwischen 20 und 22:30 Uhr, also nicht alle gleichzeitig.

Probieren wir es mal strukturiert und etwas übersichtlicher:

  • 3’460’000 entspr. 10,8 %, also sind 100% = 32’000’000
  • 1’960’000 entspr. 6,2%, also sind 100% = 31’600’000
  • 730’000 entspr. 2,6%, also sind 100% = 28’100’000
  • 2’610’000 entspr. 8,6%, also sind 100% = 33’000’000
  • 5’590’000 entspr. 15,9%, also sind 100% = 35’200’000

Wir lernen also: Gestern abend saßen insgesamt etwas über 30 Millionen Zuschauer vor dem Fernsehgerät. Es war ein Freitag. Also fast Wochenende. Es war dunkel und kalt, soll heißen, also ungemütlich draußen.

Laut Wikipedia hat Deutschland zum Stichtag 81,8 Millionen Einwohner. Ziehen wir die bei den obigen Zahlen auch nicht gezählten 0- bis 3-jährigen ab, sollten wir bei etwas unter 80 Millionen potenzielle Fernsehzuschauer liegen. Es waren aber nur weniger als die Hälfte! Von fünf Einwohnern haben nicht mal zwei ferngesehen. Was haben denn die anderen getan? Wozu haben sie sich die teuren Flatscreens gekauft? Wozu werden Jahr für Jahr 15 bis 20 Milliarden Euro dafür ausgegeben, über 70 frei empfangbare Fernsehprogramme herzustellen?

 

Wau-TV

Der WDR versucht sich auf dem Comedygebiet mal mit einer Talkshow. Die Wiwaldi-Show gibt dem “Zimmer frei”-Hund eine eigene Bühne. Mit einer Dichte, die Material für mindestens 45 Minuten enthielt, zeigte der Sender heute abend die erste von – hoffentlich noch – vielen Ausgaben.

Irgendwie fühle ich mich dabei zwar an die Muppetshow erinnert, aber das muss ja keine negative Meinung sein. Martin Reinl – the man behind the dog – fährt seine gesamte Menagerie an Figuren auf. Die Gefahr besteht, dass sie dadurch ein wenig ihren Charakter verlieren, kann er sie doch nicht mehr alle selber spielen.

Mit Barbara Schöneberger fand sich ein idealer Gast, um dem Charakter der Show ein schönes Gesicht zu geben, ein dreifacher Hennes Bender ergänzte die Sendung. Die halbe Stunde wurde zum Bersten vollgepackt. Etwas weniger Hektik ist also für die Gäste Anke Engelke und Ranga Yogeshwar am kommenden Sonntag gewünscht, auch wenn diese verhallen, ist die Sendung doch schon längst fertig.

 

Alleinstellungsmerkmale in der Werbung

Werbung ist schon ein recht eigen Ding. Teils recht witzige Ideen werden doch umgesetzt. Zumindest dann, wenn der Auftraggeber auch Humor beweist. Aber manchmal wird es doch schlicht und einfach, vor allem, wenn man auf die Angebotsflyer der Supermärkte und Discounter als Beilage zum Wochenende sieht.

Der Name des Produktes, seine Art, der Preis und vielleicht noch eine herausragende Eigenschaft, für mehr reicht der Platz in den Prospekten meist nicht, wobei die ersten 3 Punkte dieser Aufzählung relativ fest stehen. Die werbende Aussage richtig auszuwählen ist dann die Aufgabe des Werbers. Vielleicht nutzt man hier ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal. Das will aber auch gut ausgewählt sein.

Nehmen wir als Beispiel nebenstehende Milchwerbung eines Discounters. Hier wird “hergestellt in Upahl” hervorgehoben. Das hat durchaus seinen Sinn, zeigt sich doch für den geografiebewanderten Kunden eine regionale Erzeugung. Upahl liegt im Westen Mecklenburg-Vorpommerns südlich von Grevesmühlen.

Nur: Taugt diese Aussage als Alleinstellungsmerkmal? Eindeutige Antwort: Nein. Die Upahler Molkerei ist eine der größeren ihrer Art, selbst der Biomilch-Bereich versorgt mehrere Handelshäuser mit der positivimagebelegten Trinkmilch.

Nicht immer ist die Herkunft von Milch auf den ersten Blick erkennbar. Aber dazu gibt es bei Milchprodukten die EWG-Betriebsnummer, die sich in entsprechenden Listen (Beispiel) nachschlagen lässt. Ein ovales Signet mit der Beschriftung D MV 006 EU weist auf die Upahler Molkerei hin. Dann heißt es aufpassen beim Milchkauf. Wer dann einmal durch alle Märkte durch ist, wird doch erstaunt sein, unter wie vielen Marken sich Milch aus M-V verbirgt.

Lustig wird es manchmal dann, wenn sowohl die (etwas teurere) Markenmilch und die Milch der hauseigenen Handelsmarke eines Supermarktes von der selben Molkerei kommen …

 

 

Bezeichnende Zeitlinie

Twitter ist ein schnelles Medium. Und es hilft auch, Informationen zu bekommen. Aber manchmal ist die Timeline auch für aufschlussreiche Überraschungen gut. Zur Erläuterung für die nicht Twitterer, oben stehen immer die neusten Nachrichten, um der Zeitlinie zu folgen, muss man also unten anfangen zu lesen.

Folgendes geschah auf meiner Timeline, nachdem ich durch die Stadt fuhr, größerer Mengen Polizei ansichtig wurde und per Twitter fragte, was das soll:

Manchmal sind Zufälle doch so bezeichnend.

 

Prägender Hintergrund?

Obwohl es eigentlich zu viel Geld in Deutschland gibt – die aktuelle Krise ist auch eine Überflusskrise, so komisch das klingt -, wird es auch irgendwie immer knapper. So ist es durchaus einzusehen, dass zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bei ihren TV-Produktionen zusammenarbeiten. Eine lange, in der letzten Zeit wieder immer mehr auflebende Kooperation gibt es zwischen dem NDR und dem WDR.

Schaut man ins Radioprogramm, so findet man viele Beispiele: das Nachtprogramm von NDR2 und WDR2, mindestens drei Nachrichtenmagazine in den Infoprogrammen usw. usf. Auch im Fernsehbereich wird sichtbar gemeinsame Sache betrieben, zum Beispiel bei der Sendung “Von und zu lecker”, zur Zeit mittwochs um 21 Uhr auf beiden Kanälen.

Bei der Sendung geht es darum, dass sich adlige Landfrauen im Wettbewerb gegenseitig bekochen; nebenbei gibt es etwas Home-Story für die Zuschauer, viel ländliche Idylle und leckeres Essen. So weit, so gut. Das ergäbe noch keinen Eintrag in diesem Blog. Die Ausstrahlung der Sendung wirft eine Frage auf: die nach den Unterschieden und dem Grund dafür.

Obwohl oder weil diese Sendung bei den beiden beteiligten Sendern gleichzeitig ausgestrahlt wird, fallen die beiden Unterschiede vielleicht nicht gleich auf. Ok, der eine läuft unter Pillepalle: Natürlich hat NDR und WDR jeweils ihr eigenes Logo eingeblendet. Aber es gibt noch einen Unterschied, der die Frage nach dem Sinn aufwirft.

Bei derartigen Sendungen gibt es – wie bei vielen anderen auch – einen “Off-Sprecher” bzw. eine “Off-Sprecherin”. Das ist die nette Stimme, die vor der Kamera keine Rolle spielt, aber inhaltlich den roten Faden webt, an dem sich die Handlung entlanghangelt. “Von und zu lecker” hat sogar beides: einen Sprecher und eine Sprecherin. Das ist auch noch nicht verwunderlich, gibt es dafür auch zahlreiche Beispiele. Meist haben die Sprecher dann unterschiedliche Aufgaben. Aber hier? Wer sich die Sendung nur auf einem der beiden Sender anschaut, bemerkt nur einen Sprecher. Beim WDR eine weibliche Stimme, beim NDR eine männliche. Da stellt sich dann aber die Frage nach dem “Wozu?”. Zumal beide, den Eindruck gewann ich durch Stichproben, praktisch das gleiche sagen.

 

Nordkurier verabschiedet sich aus Blogosphäre

Ein Blick zurück: Wir schreiben den 8. April 2008, 15:17 Uhr. Beim Blog-Betreiber blog.de wird anlässlich der in diesem Jahr stattfindenden Wahl des neuen/alten Oberbürgermeisters für Neubrandenburg der erste Beitrag unter http://obfuernb.blog.de veröffentlicht. Engagierte Journalisten der Lokalredaktion gehen neue Wege und wagen, eher als Privatinitiative denn als offizielle Verlagsblogseite den Start in die Blogosphäre.

Im Dunstkreis des Blogs, der inhaltlich erweitert unter der Domain http://neubrandenblog.blog.de immer breiter und tiefer wurde, entstanden andere bemerkenswerte Angebote: http://ostblog.blog.de, http://wahl09.blog.de, http://nkzisch.blog.de, http://immergut.blog.de, http://zeilenfresser.blog.de, http://rampen-licht.blog.de, http://sportkurier.blog.de und als jüngstes Mitglied http://strelitzblog.blog.de. Natürlich kann man darüber streiten, ob es einem Medienunternehmen gut zu Gesicht steht, fremde Server für die Bloggerei zu nutzen, aber für den Testballoncharakter der Anfänge ist das sicher durchaus legitim. Zumal sich viele Sachen, auch technische Aspekte, sehr vereinfachen. In dem Hinblick muss man sich ja um nichts kümmern.

Nun bleibt aber die Zeit in Mecklenburg-Vorpommern und speziell in der Neubrandenburger Region auch nicht stehen, was u.a. dazu führte, dass sich unsere hiesige Lokal- und Regionalzeitung eine (lange Zeit erhoffte und notwendige) Grunderneuerung ihres Internetangebotes gönnte. Augenscheinlich scheint die neue Webseitensoftware einige (wenn auch nicht alle) Blogfunktionalitäten zu haben. In den letzten Tagen ziehen zumindest die kleinen Geschwister des NeubrandenBlog einer nach dem anderen unter das Dach des neuen Hauses. Aktuellstes Beispiel ist der “Zeilenfresser”-Blog. Der StrelitzBlog, der Ost-Blog und der Sportblog sind auch schon dort.

Wer mehr als einen Blog liest und ständig auf dem laufenden bleiben will, was in den von ihm geliebten Blogs so abgeht, hangelt sich nicht Tag für Tag oder Stunde für Stunde durch die Blogseiten. Das ist umständlich und verbraucht viel Zeit. Zur Vereinfachung des Verfahrens hat das Internet die sogenannten RSS- oder auch  Newsfeeds erdacht, die man in geeigneten Readern abonniert. Selbst Internetbrowser bieten mittlerweile diese Funktionalität, so dass separate Programme nicht mehr nötig sind. Man könnte die provokante Frage stellen, wer keine RSS-Feeds nutzt?

Warum erzähl ich das? Was ich beim Anblick der neuen Blogs auch anstelle – Webseite durchsuchen, Quelltext lesen – nirgends ein Hinweis auf einen Newsfeed! Dieser essentielle Bestandteil JEDEN Blogs weltweit fehlt bei den hier besprochenen Angeboten. Wie soll ich also wissen, wann es einen neuen Beitrag gibt, der evtl. mein Interesse weckt und zu einem Kommentar einlädt? Noch läuft der NeubrandenBlog auf der Basis von Blog.de, hier ist alles gut. Von den anderen verabschiede ich mich schon mal als Leser. Schade. Das eine oder andere werde ich vermissen.

 

Dicker Hals an Sauerrahm

Schubladen sind in der Küche durchaus eine praktische Angelegenheit. Löffel, Gabeln, Kellen, Schaber, Mixer, Gewürze und andere Zutaten, Becher, Schneidbretter, Töpfe, Pfannen und was einem sonst noch alles nicht einfällt wollen auch untergebracht sein. Das schafft Ordnung und das Kochen geht leicht von der Hand, findet man gesuchtes doch zügig wieder.

Schubladen verorten sich aber nicht nur physisch in der Küche, auch Gerichte werde immer wieder gern in diverse Schubladen geworfen. Mediterrane Küche, fernöstliche Küche, deutsche Küche (Haxe mit Sauerkraut), amerikanisches Fast Food, französische Küche oder die gute englische … ;-) Natürlich kann man hier auch feiner abstimmen, aber da wird die Zuordnung bestimmter Gerichte schwierig. Salopp ausgedrückt findet sich zum Beispiel die schwäbische Maultasche auch als italienische Ravioli oder als chinesische Wan Tan wieder. Auch die russische Küche bietet etwas vergleichbares, dessen Name mir nur partout nicht einfallen will.

Jede dieser Küchen hat zu Recht etwas besonderes, eine Kategorisierung ist möglich, an vielen Grenzen aber auch wieder sehr unscharf. Nur manchmal verstehe ich es wirklich nicht, warum ausgerechnet die vegetarische Küche so einen besonderen Stellenwert einnimmt. Gerade (28.10.11, 23:30 Uhr, ZDF) habe ich bei “Lanz kocht” eine derartige Show mal wieder gesehen. Die dort dargebotenen Gerichte sind sicherlich alle lecker gewesen, darum geht es nicht. Es geht nur um den Wirbel, der – mal wieder – um diesen Vegetarismus getrieben wird.

Ich mag beispielsweise keinen Mais; damit kann man mich jagen. Auch Rucola meide ich, so weit es geht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich damit nicht der einzige bin, ist relativ groß. Vielleicht sollten wir uns mal zusammenfinden und eine große Agugaruzenbewegung starten. (Der Begriff leitet sich übrigens vom oberösterreichischen Begriff Gugaruz für Mais ab.)

Die Agugaruzen kämpfen gegen den immer weiter um sich greifenden Maisanbau in Europa. Die Monokulturen auf den Feldern sind ein ökologischer Wahnsinn. Durch die Förderung der EU dehnen sich die mit Mais bestellten Flächen immer weiter aus, andere Getreidekulturen oder auch einfach nur Weideflächen werden immer weiter verdrängt. Die Pachten für landwirtschaftliche Flächen steigen ins unermessliche. In den Maiserntemaschinen sterben immer wieder die verschiedensten Tiere, die in den Feldern Zuflucht gesucht hatten.

Das schlimmste kommt aber noch: Der Mais wird mittlerweile nur zu einem Bruchteil für die Ernährung von Mensch und Tier angebaut. Polenta, Taccos, Erdnussflips, Maiskeimöl, Käsebällchen, Popcorn, Grill- sowie Gemüsemais und Schweinefutter sind nur eine Seite. Selbst die ganz süüüüüßßßßßßen Babymaiskölbchen werden zusammen mit Blumenkohlrößchen, Karottenscheiben, kleinen Silberzwiebeln und jungen Gurken in Gläser gepresst, sauer eingekocht und als Mixed Pickles missbraucht.

Die andere, viel schwerwiegendere Seite ist der Entzug des Mais aus der Nahrungskette und die massenweise Verstromung dieser Ackerpflanze. Weltweit hungern die Menschen, aber in Deutschland wird, gefördert durch die Politik, ursprüngliches Nahrungsmittel für die Stromerzeugung angebaut. Biogas ist hier das Stichwort. Alles nur, um den Energiehunger der Gesellschaft zu decken.

Diesem Wahnsinn muss ein Ende gemacht werden. Agugaruzen aller Regionen, kommt zusammen. Nehmt die Vegetariar zum Vorbild, verbindet Euch und kämpft für die Maisfreiheit auf der Erde! Mag er wieder in seinen natürlichen Urzustand zurückkehren und ein frohes Leben leben.

Update: Wie wäre es noch mit einem Link zum Thema? Veganer Stripclub “Casa Diablo” – Mit nackter Haut zum Vegetarier

 

Klein, aber nicht fein

Schade, dass “Comedy Central” in Deutschland nur ein kleiner “Kabelsender” ist, für den die Beschreibung “Abklatsch vom Original” noch positiv übertrieben wäre. Nun kann man über Abspielstationen amerikanischer TV-Altware gespalteter Meinung sein, die eine oder andere Perle findet sich trotzdem.

Wie jeder gute Diamant, so haben die Perlen auch eine Fassung, die das ganze halten sollen. Da übernimmt Comedy Central mal drei große Shows vom reicheren Onkel aus Amerika und kauft sich hier statt einer vernünftigen Synchronisation eine gestelzt und bemüht lustige (nicht wirklich) Moderation ein, wie ich sie in Amateurpodcasts schon besser gehört habe.

An den letzten drei Samstagabenden hat CC drei sogenannte Roast gesendet, in gewissem Sinn das Gegenteil von Prominentenhuldigungsshows. Mehr oder wenige bekannte Comediens “rösten” jeweils einen Stargast (und die anderen anwesenden Prominenten). William Shatner, David Hasselhoff und Charlie Sheen waren die Opfer. Ich habe mich köstlich amüsiert.

Getrübt wurde die Freude nur durch die immer wieder gleichen Programmhinweise des Senders und die oben schon beschriebenen Moderationssimulationen durch eine gewisse Desiree Nick. Den Halloween-Spezial-Abend moderiert, laut Teaser genauso stocksteif und teleprompterorientiert, Ingrid van Bergen. Gut, dass ich da eine Einladung habe und es nicht sehen kann.

 

Unnütz und überflüssig

Ein ganz wichtiger Gedanke gleich an den Anfang: Die nachfolgende Aufzählung ist auf keinen Fall vollständig. Sie ist auch streng subjektiv. Aber sie soll mal eine Anregung zum Weitergucken sein.

75 (in Worten: fünfundsiebzig) Fernsehsender bringt mir mein Hausaltar ins Wohnzimmer, die ich mir ansehen kann, die an mich gerichtet sind. Nicht alle Sender bringen rund um die Uhr Programm, so dass wir nur mit ca. 1500 Stunden pro Tag rechnen müssen. Bei der Masse gibt es dann doch schon mal die eine oder andere Minute, die überdenkenswert oder gar überflüssig ist. Eine Auswahl:

  • Börsenberichterstattung
    Wieviele Deutsche besitzen Aktien? Weniger als 4%, so heißt es. Da gibt es ausreichend andere, ähnlich umfangreiche Randgruppen, die in den Medien nicht so präsent sind.
  • Lottozahlen in den Hauptnachrichtensendungen
    Hallo? Jede Lottowerbung muss mit dem Hinweis auf das Suchtpotenzial versehen werden, warum kommt wird das nicht bei der Werbung für Lotto in den Nachrichtensendungen gemacht? Der gute Zweck, der mit den Erlösen unterstützt wird, heiligt nicht alle Mittel.
  • Wetterbericht bei EinsExtra aktuell kurz vor der vollen Stunde
    Was soll das? Mehrere dynamische Wetterkarten gleichzeitig, die unerläutert in der Gegend rum stehen. Ich hoffe mal, dass ich nicht der einzige bin, der da überfordert ist, dem zu folgen.
  • Scripted Reality Shows, die sich den Anschein geben, echt zu sein
    Eigentlich müsste während der ganzen Sendung der Hinweis, dass alles gescripted ist, also erstunken und erlogen, vornehm: ausgedacht, als Logoergänzung eingeblendet werden, ähnlich wie bei Live-Sendungen. “Verdachtsfälle”, “Betrugsfälle”, “Mitten im Leben”, “Familien im Brennpunkt”, “Die Schulermittler”, “Unter uns”, “Alles was zählt”, …
  • Betroffenheitstriefende Moderatorengesichter in Boulevardmagazinen, wenn es in einem Beitrag “gemenschelt” hat
    Das kommt immer so falsch und gespielt rüber, schrecklich. Es wäre schön, wenn man öffentlich-rechtliche Sender von dieser Kritik ausnehmen könnte, aber leider geht das nicht. “Brisant” scheint da ein Vorreiter zu sein, das wundert aber nicht, weiß man, welche Anstalt für die Sendung verantwortlich ist.
  • manche Teleshopping-Sendung
    Die Betonung liegt auf “manche”, vor allem, wenn solche Sätze vorkommen wie: “Sie bekommen gratis dazu diese Deckelhalterung, wir berechnen ihnen dafür lediglich eine kleine Bearbeitungsgebühr von 9,95€  …” Die Teleshopping-Sender schließe ich mal pauschal von diesem Vorwurf aus, handelt es sich dabei doch rein rechtlich um kein Fernsehen sondern um Mediendienste. Allerdings habe ich sie bei den 75 Fernsehsendern oben mitgezählt. ;-) Sie haben nicht nur rein wirtschaftliche Interessen, sondern auch eine wichtige psychologische Funktion, sind das doch die einzigen Programme, die weitläufig direkt mit den Zuschauern kommunizieren.
  • Jugendsendungen von Erwachsenen
    Neulich las ich mal folgende Sendungsbeschreibung: “DASDING.tv ist die lässigste Sendung im SWR Fernsehen. Versprochen. Außer Du stehst auf Eisenbahnromantik.” Ein echter Schenkelklopfer, zumal, wenn man beide Sendungen kennt. Müsste es da nicht auch “… lässlichste Sendung …” heißen? Manchmal fühle ich mich beim Anblick solcher Sendungen an einige Mittdreißiger erinnert, die immer noch krampfhaft versuchen, wie Mittzwanziger zu wirken. Die dazu gehörige Floskel lautet: “auf jung gequälte Tabakruine”.
  • “Sender XY aktuell Eins30″ oder “Nachrichtenflaggschiff in 90 Sekunden” Kompaktnachrichten
    Natürlich weiß ich, dass diese Sendungen nicht primär für die Ausstrahlung im Fernsehen produziert werden, sondern als Fastfood für die Generation Internet. Vermutlich lässt aber irgendein (Staats-)Vertrag die reine Internetausstrahlung nicht zu. Sie sind gekennzeichnet durch übergroße Schrifteinblendungen, Standbilder und einer Moderationsoptik, die Nasenhaare und “das weiße im Auge des Moderators” erkennen lässt. Eben die Anforderungen für die niedrigen Auflösungen im Internet. Dazu eine Handvoll Fakten, die einem um die Ohren gehauen werden, ohne Einordnung, ohne Hintergrund, ohne Sinn, wenn man nicht sowieso halbwegs auf dem laufenden ist. Internetclips im Fernsehen – das vergleichbar mit der ähnlich sinnvollen Ausstrahlung einer Fernsehsendung im Radio. Gibt’s auch.
 

Schlafmützen aufgepasst!

Auch als Schlafunterlagenverkäufer muss man aufgeweckt sein. Es empfiehlt sich außerdem, bei der Werbung ein klein wenig Logik mit einfließen zu lassen. Und auch Mathematik kann nicht schaden, nicht nur beim Ansetzen des Rotstifts und beim Errechnen des Rabattes.

Sowohl in der Logik als auch in der Mathematik lässt sich eine Negation nicht steigern, in dem man sie nochmals negiert. Aufs allerwesentlichste reduziert: -(-1)=1. Oder als logischer Ausdruck: ¬¬A = A, wobei A eine Aussage ist.

Manchmal versteckt sich allerdings eine Negation, zum Beispiel, wenn es auf etwas Rabatt gibt. Hier bedeutet ein Rabatt von beispielsweise 25%, dass etwas nicht mehr 100€ kostet sondern nur noch 75€ (25% von 100€ sind 25€; 100€ minus 25€ sind 75€).

Derweil Preise im allgemeinen eher die Tendenz haben zu steigen, kann man das mit einem kleinen Kunstgriff auch als Rabatt verkaufen, setzt man vor die Rabattprozente ein Minus. Das Beispiel würde also heißen, dass wir jetzt -25% Rabatt gewähren. Wir rechnen: -25% von 100 € sind -25€; 100€ minus -25€ sind 125€. Manchmal ist so ein kleines Vorzeichen doch eine ganze Menge wert.

Negativsparen. So, so. Das klingt nach dem Negativwachstum, dass uns auch immer wieder verkauft wird, und eigentlich Verkleinerung heißt. Man muss bei doppelten Negationen schon aufpassen, das ist nicht unwichtig.