Manchmal hasse ich Rabattaktionen. Eigentlich immer. Vor allem dann, wenn sie in Läden stattfinden, die ich auch frequentiere. Sie haben zwar meist den Vorteil, dass man ein paar Prozente, manchmal auch Euros spart, aber ob man das, was man da günstiger gekauft hat, wirklich braucht, ist noch nicht geklärt.

Essen muss man aber, meist wird empfohlen, dies regelmäßig zu tun. Der Handel bietet an zahlreichen Essenausgabestellen nahrhaftes und zubereitetes an. Zur Mittags-, gelegentlich auch zur Abendstunde suche ich entsprechende Einrichtungen gern mal auf. Nur die Rabattaktionen verhageln mir immer wieder den Genuss. Weil: Dann ist es auch zu den Nebenzeiten voll in diesen Läden; ich mag keine vollen Räume.

Ein Fischbrater hat gerade so eine Rabattaktion. Sonst kam man bis ca. halb 12 und ab 14 Uhr locker dort hinein und hatte eine mir genehme Platzwahlmöglichkeit. Knüppelvoll ist es jetzt schon und noch zu Unzeiten. Und bis 16 Uhr wollte ich nicht mit dem Mittag warten.

Ein Bulettenbräter hat auch gerade eine Rabattaktion. Die macht den Laden nicht merkbar voller, aber vielleicht liegt das auch an den Angeboten selber. Bei den aktuellen Coupons kann man theoretisch bis zu 73 Euro sparen. Der genaue Blick unter Berücksichtigung der eigenen Verzehrsgewohnheiten zeigt aber, dass mich von den 24 Angeboten gerade zwei(!) eventuell ansprechen. Das liegt im wesentlichen an meiner beinahe 99%-igen Nutzung des Drive In, der nachfolgenden Verzehrung in den eigenen vier Wänden und dem daraus folgenden Temperaturproblems bei den Pommes, vom logistischen Balanceakt mit dem offenen Getränk ganz zu schweigen. Da man mit verschüttetem und entsorgtem Essen nicht wirklich was spart (außer Kalorien), geht dieser Gewinn an mir vorüber.

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Neulich schrieb ein hiesiger Miniblogger "Ich bin endgültig mit meiner Rede fertig geworden. Thema: Fernsehen trägt nicht mehr zur Bildung, sondern zur Verblödung des Zuschauers bei." (nbjojo) Ich würde das gern ein wenig relativieren: Es kommt immer auch auf die Uhrzeit und den Sender an.

Sonntag abends gegen 23:15 Uhr (aktuelle Folgen) und Montag bis Freitag gegen 9 Uhr (alte Folgen) gibt es auf DMAX die kulinarische Serie "Anthony Bourdain - Eine Frage des Geschmacks". Tony reist durch die Welt und ist, was ihm vor die Futterluke kommt. Schweinefleisch, Innereien, Suppen und Würste gehören zu seinen Lieblingsspeisen, aber alles andere wird auch zumindest probiert.

Natürlich schaut er auch manchmal in die Spitzengastronomie - in New York hat Bourdain, selber auch Koch, ein Restaurant - rein, aber die Lieblingsorte sind für ihn die Straßencafés, Garküchen und Imbissstände, wo lokale Spezialitäten zubereitet werden. Frische Zutaten, viele Gewürze, Kräuter, Soßen, Brühen, Fonds, Gemüse, Fleisch (auch ungewöhnliche Teile), Fisch, ... und es schmeckt.

Convenience: Keine Chance. Da stellt sich mir manchmal die Frage, wo er ähnliches in Neubrandenburg oder Umgebung finden könnte ...

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Irgendwann, als ich mich entschloss, die Kategorie "Essen (öffentlich)" einzurichten, nahm ich mir vor, über jeden Besuch einer Gaststätte, eines Restaurants, eines Bistros o. ä. auch einen Artikel zu schreiben. Nichts ist doch schöner, seinen Essfrust abzuarbeiten oder jemanden über allen Klee zu loben. Aber manchmal stellt sich diese Aufgabe als nicht einfach zu erledigen heraus.

Freunde luden mich zu einem kleinen Winterausflug auf Deutschlands sonnenreichste Insel ein: Usedom. In Trassenheide angekommen, enterten wir erstmal das erstbeste Restaurant, dass einen vernünftigen Eindruck machte. Es wurde das Restaurant im Strandhotel "Sanddorn", dass uns am frühen Nachmittag mit einem gut abhangenen Duft von Bratfisch empfing. Daneben fanden sich aber noch fleischliche wie vegetarische Gerichte auf der Karte. Highlights fehlten. Das Wort, was mir bei den Gerichten, der Einrichtung, den Preisen und allem durch den Kopf ging, ist: vernünftig.

Fangen wir mit dem Ende an: Der Cappuccino kam schnell und schmeckte. Der gebratene Rotbarsch und der gleichartig zubereitete Zander waren lecker, die Beilagen knackig (Krautsalat), das Fritieröl für die Kroketten relativ frisch, was ein gewisses Aroma vermissen ließ. Die Bratkartoffeln kann man empfehlen, ertranken sie doch nicht im Fett. Der Tunfischsalat sah auch lecker aus, allerdings habe ich ein sehr indifferentes Verhältnis zu diesem Tier, wenn es nicht frisch zubereitet wird.

Das junge Küchen- und Serviceteam brachte handwerklich gut gemachte Speise auf dem Tisch. Die große Cola als Begleitung sprach darüber, dass ich nicht der erste war, die von ihr trank, allerdings hat der Vorgänger das Restaurant schon vor einiger Zeit wieder verlassen. Kräutertee und Hefeweizen entsprachen den Erwartungen.

Manchmal frage ich mich, wie die Kommunikation zwischen Kellner und Koch funktioniert. Gehen in die Küche noch andere Infos als die Bestellung? So schien es in unserer Runde eine Verbindung zwischen dem Körperbau und der Menge der Sättigungsbeilagen zu geben. Allerdings gibt es dort keine. So ging ein Teil meiner Beilage wieder zurück in die Küche, der schlankste Gast ging hungrig vom Tisch weg. Oder lag es daran, dass man Kroketten besser abzählen kann als Bratkartoffeln? Aus dem gleichen Grund sind ja auch Rühreier preiswerter als Spiegeleier.

Wenn alles vernünftiger Durchschnitt ist, ist es schwer, sich irgendwo dran aufzuhängen und darüber zu schreiben. Dafür fand ich dann wohl doch eine Menge Worte, auch wenn es überall nur über Kleinigkeiten geht.

Manchmal stößt man auf ein Zitat, findet es nicht schlecht, versucht, es sich zu merken und, wenn man es dann braucht, weil man einen schönen Anlass gefunden hat, ist es weg. So hat es mich einige Zeit gekostet, es wieder zu finden, aber ich habe es:

In der Politik ist es manchmal wie in der Grammatik: Ein Fehler, den alle begehen, wird schließlich als Regel anerkannt.
André Malraux (1901-1976, französischer Schriftsteller, Abenteurer und Politiker)

Weil dieser Beitrag nicht in der Politik-Rubrik erschien, sondern bei öffentlichem Essen, handelt es sich beim Auslöser natürlich um Speisen und die Grammatik. Gerade die grammatikalischen, aber und vor allem auch die orthografischen Feinheiten, die auf Menükarten hiesiger "Essen"-Bringdienste dargeboten werden, haben ja schon einiges hier im Blog ausgelöst.

In der Musik gibt es jedes Mal zum Jahresende ein Problem: Woher nehmen wir all die Weihnachtsmusik, wie können wir den Leuten mit Weihnachtsmusik Geld aus der Tasche ziehen, wenn wir aber keine neuen Weihnachtstitel aufgenommen haben. Diese Branche hat es einfach gelöst: Man nehmen eine schöne, besinnliche Schnulze und mische da noch ein bißchen Glöckchengebimmel rein. Zahlreiche Beispiele belegen diese Aussage. Bei den aus dem Briefkasten geangelten Speiseangeboten Neubrandenburger "Essen"-Bringdienste ist es ähnlich. Man nehme das normale Standardlayout und verschlimmbessere es mit etwas Tannengrün, Kugeln und Glocken; auch Kerzen machen sich immer sehr schön.

So etwas zog ich unlängst aus dem Postkasten, freute mich noch, dass da keine Pizza "Rotkohl, Ente, Apfel, Kartoffelbrei" drauf zu finden war, aber, was ich sonst noch so fand, bleibt grenzwertig, wenn auch nicht ganz so schlimm wie beim momentanen Spitzenreiter, der aber wohl auch schon nicht mehr existiert.

Der oben genannte Fehler, der sich fast durch die gesamte Karte zieht, ist der Verzicht von Kommas bei Aufzählungen. Aber auch nicht so ganz: Bei den Pizzazutaten, den Nudelgerichten, Croques ("Inklusive eine Sauce Ihrer Wahl" - da fehlt entweder ein "r" oder ein Komma), Salaten und den Aufläufen fehlt das Komma, bei den Fleischgerichten ist es zwar da, es fehlt aber z. T. das Leerzeichen dahinter. Erstaunliche Regel: Stehen die Pizzazutaten hinter dem Namen in Klammern, gibt es doch Kommas, dafür fehlen dann aber die Leerzeichen zwischen Name und der "Klammer auf".

Ich gebe zu, das sind alles Kleinigkeiten, aber die Masse macht es. Bei der Pizza Meeresfrüchte sind übrigens Schrimps (Originalschreibweise), eine Muschel und ein Tintenfisch drauf. Außerdem wusste ich gar nicht, dass es Pfirsich- und Ananaskäse gibt. Seit dem Analogkäseskandal wissen wir, dass für die Käseherstellung nicht nur Milch vergoren werden muss, aber Ananas und Pfirsiche?

Warum achten eigentlich die Betreiber solcher "Essen"-Bringdienste nicht darauf, Speisen anzubieten, die einen Transport auch überstehen? Die Pizza ist ja leidlich transportfähig und kann länger warmgehalten werden, Aufläufe sind fast schon prädestiniert dafür. Pastagerichte werden schon kritischer, da muss das Nachgaren der Teigware in der heißen Soße gut kalkuliert werden, damit sie al dente beim Kunden ankommt. Aber warum werden immer noch Pommes frites angeboten? Oder Bratkartoffeln? Oder Widgets (Kartoffelspalten oder -ecken)? Alles das kommt definitiv nie so knusprig beim Esser an wie es sein sollte. Oder der Salat, der im gleichen Transportgefäß enthalten ist wie die warme dampfende Hauptspeise. Knackigkeit ist das letzte, was man hier erwarten kann.

An anderer Stelle hatte ich schon mal den Schutz von Standardbegriffen in der Küche gefordert. Sowas wie einen Markenschutz, der auch für Sauce Hollandaise, Bordeaux, Champagner, Münchner Weißwurst, Dresdner Christstollen, Nürnberger Lebkuchen, Lübecker Marzipan usw. gilt. Gyros sollte zum Beispiel immer vom Drehspieß kommen, "Pfannengyros" ist ja der Widerspruch in sich (außer, man dreht die Pfanne um die durch den Griff gebildete Achse über einem Mülleimer. Die Beispiele ließen sich, gerade auch in der Assietten aufwärmenden Gastronomie, beliebig fortsetzen.

Das "Wiener Schnitzel" ist so eine geschütztes Produktbezeichnung. Zusammengesetzte Schweinefleischfasern (Formfleisch?), durch eine Panade zusammengehalten, mit frittierten und mit Pommesgewürzsalz überstreuten Kartoffelscheiben (genannt "Bratkartoffeln") und einer kernreichen Zitronenscheibe serviert, bezeichnet man normalerweise nicht so, so dass der getestete "Essen"-Bringdienst aufpassen sollte, dass er da nicht irgendwann mal Ärger bekommt. Selbst die erlaubte Bezeichnung "Schnitzel Wiener Art" wäre eine Beleidigung für das Original, dass aus Kalbfleisch hergestellt werden muss und eine knusprige, blasig abgehobene Panade haben sollte und keine abriebfeste und leicht anfrittierte Paniermehlummantelung.

Aber immerhin wurde die gemischte Salatbeilage separat transportiert und war entsprechend knackig. Wenigstens ein Pluspunkt, würde es ja auch einen gewissen Aufwand erfordern, Eisbergsalat nicht so zu servieren. Das Grünzeug war augenscheinlich aber auch das einzige, was bei den getesteten Speisen nicht frittiert war.

Schade übrigens:  Mein Lieblingsgericht ist seit einigen Jahren nicht mehr auf der Speisekarte, deswegen habe ich dort lange nichts mehr bestellt. Es war die 217. Ich werde auch erst wieder bestellen, wenn das Gericht, dass seinerzeit unter 217 angeboten wurde, wieder auftaucht.

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Nur mal so für mich, und ggf. für diejenigen, die mitkommen wollen.

Restaurants/Gaststätten, wo ich bei Gelegenheit mal hin muss:

  • Burg, Burg Stargard
  • Wirtshaus "Zur Eiche", Jabel
  • "Kleines Meer", Waren
  • Forsthaus Strelitz, Neustrelitz

Weitere Vorschläge und Mitkommwünsche (jeder zahlt aber seine Rechnung selber) bitte an mich.

(wird ergänzt und fortgesetzt)

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... dann ist das peinlich für ihn und der Gast amüsiert sich; oder er regt sich auf, je nach unbefriedigtem Temperament oder Gelassenheit im Wesen. Gewöhnlich ist aber eingedeckt, wenn man ein gehobenes Restaurant betrifft. In bistroesker Atmosphäre wird, je nach Bestellung kulinarischer Herausforderungen, das Esswerkzeug auch nachgereicht. Das ist vor allem auch dann praktisch, wenn die unterschiedlichen Speisen auch unterschiedliche Besteckung verlangen.

Insofern irritierte es mich nicht, dass sich auf dem Tisch beim Eintreffen nichts weiter befand als ein kleiner Tischschmuck. Da ich weder Küche noch Speisekarte kannte, überraschte mich an diesem Abend alles. Die Wirtsmagd (der Begriff ist im konkreten Zusammenhang berechtigt, Ausrufe "Weib, bring Essen!" waren nicht zu hören, würden aber in die Lokalität passen) brachte schnell die Karte. Diese besticht durch ihre Übersichtlichkeit und ist nichts für Speiselegasteniker, sondern erfreut Wortspieler. Wer sich unter (Beispiel nicht von der Karte) "Gehobeltem und gegrilltem Lammhackbraten an bunten Krautsalaten mit Sauce Aioli und geröstetem Brot" einen Döner vorstellen kann, kommt auch mit einer "Schüssel Taler vom Erdapfel, Mus vom Erdapfel paniert, in Pelle gekochte Erdäpfel und hausgemachte Erdapfelballen, vom sauren und roten Kraute und über dem Feuer gebratenes Federvieh oder vom Borstenvieh Rippe, Kassler und Haxe" zurecht.

Damit sind die wesentlichen Speisen schon aufgezählt und sie sind lecker. Als kleiner "Gruß aus der Küche" gab es Schmalz und Brot mit einem Messer. Warum erwähne ich die Selbstverständlichkeit eines Messers? Die Frage ist einfach zu beantworten: Dieses Messer ist das einzige Besteck, was man den Abend über bekommt. Grillhaxe (wirklich knusprig!), Huhn und Ente (ebenso knusprig), Rotkraut, Sauerkraut, Omelett (fluffig und schmackhaft) wird alles mit den Händen gegessen und schmecken. Leider wird die Idee des Mittelalterlichen, die über dem Ganzen schwebt, nicht durchgehalten. Damit meine ich nicht die gereichten neuzeitlichen Getränke, sondern die Hähnchennuggets aus dem Tiefkühler (einfach nur weglassen!) oder den gemischten grünen Salat. Hier sollte man das Dressing nicht im Kännchen, sondern in einer kleinen Schüssel servieren.

Wer sein Abendbrot im "Brauhaus zu Wallenstein" einnehmen möchte, sollte gut frühstücken, aber das Mittag ausfallen lassen. Auch empfiehlt sich ein Verdauungsspaziergang zum nahe gelegenen Tollensesee, den man für das Essen aber gern in Kauf nimmt. Auch die Preise sind human, ich habe schon teurer schlechter gegessen. Allen Bierliebhabern sei auch das hauseigene selbstgebraute Bier ans Herz (bzw. an die Leber) gelegt.

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... dann kann er was erzählen. Weil wir hier aber nicht am Stammtisch, sondern im Blog sind, wird nicht erzählt, sondern geschrieben und gelesen.

Unlängst fuhr ich mal an die Ostsee, aber nicht, wie sonst immer, auf die Insel Usedom, sondern in die Darß-Nähe nach Barth. Das geschah auf den Wunsch einer einzelnen Dame, die natürlich mit fuhr, genau wie ihr Mann. Nachdem wir den eigentlichen Grund der Reise abschließend genossen haben, spazierten wir durch den Hafen auf der Suche nach einer Käffcheneinnahmemöglichkeit.

Bestellung ok, Ambiente schön, Bedienung höflich. Aber jetzt die Frage: Wenn wir einen großen Cappuccino, einen Latte Macchiato und eine Hopfenkaltschale bestellen, wie viele Posten sollten sich dann auf der Rechnung befinden? Laut meiner in der Ausbildung enthaltenen Mathematik würde ich, wenn auch ziemlich grob, auf die Zahl Drei schätzen. Es gab aber noch "Diverses" für  einen Euro.

Was versteht man unter "Diverses"? Der Spekulation sind Zeit und Raum geöffnet: Nachsaisonaufschlag, Möbelnutzung, Ausblick genießen, herumhängende Taucherausrüstung begaffen? Oder muss man jetzt das Papier, das um den Fuß der Biertulpe gelegt war, inklusive seiner Entsorgung selber bezahlen? Möglicherweise haben wir uns auch dadurch rechnungswirksam benommen, als die die Kekse zu den Kaffeegetränken gegessen und die Zuckertütchen eingesteckt hatten. Man gönnt sich ja sonst nichts.

UPDATE (30.10.2009): Bei einer Nachfrage in einem hiesigen Kaffee-Bistro, was wohl dieses "Diverse" zu bedeuten hätte, konnte die Fachangestellte das auch nicht erklären. Auf der Rechnung gab es dann auch kein "Diverses".

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Mit manchen guten Bekannten trifft man sich leider nur selten. Wenn es dann aber doch mal soweit ist, geht man gern etwas Essen. Der letzte Besuch führte uns in ein griechisches Restaurant, der aktuelle sollte italienisch begleitet werden. Das war der gedankliche Ansatz und er war für gut befunden worden. Aber Wunsch und Wirklichkeit liegen manchmal arg weit auseinander.

Der erste Schock des Abends: Der Italiener, den wir uns als Gastgeber ausgesucht hatten (ich hörte mal davon, dass dort selbst Lebensmittelkontrolleure gern essen gehen), war geschlossen, ein großes "zu Vermieten"-Schild gab keine Hoffnung, dass er jemals wieder öffnen würde, schon gar nicht an dem Abend. Also wurde überlegt, wo fußläufig erreichbar der nächste Pastakocher stehen könnte.

Kollege Volksmund pflegt manchmal zu sagen: "Der erste Gedanke ist der beste." Hier irrte der Fachmann, und der Laie wunderte sich gar nicht mehr. Die Wahl fiel auf eine Lokalität, die gefühlt im wöchentlichen Rhythmus seine Küche und seinen Charakter wechselt. Es war aber noch der Italiener, von dem ich vor einiger Zeit gelesen hatte und wechselte auch während unseres Aufenthaltes nicht den Pächter. Die Speisekarte durchforschte ich nur kurz nach der Vorspeise und dem Hauptgericht, dass ich so gern beim ursprünglich geplanten Restaurant gegessen hätte und wurde fündig.

Fangen wir mal hinten an. Der Cappuccino zum Schluss war gut, obwohl der Kellner den Zucker vergaß. Maßgabe für die Qualität waren a) der Geschmack und b) die Tatsache, dass ich erst um 2 Uhr den Weg ins Bett gefunden habe. Als Nicht-sehr-häufig-Kaffee-Trinker passiert mir sowas schon mal. Die Spagetti frutti di mare hatte ich anderswo auch schon mal besser gegessen; unter al dente verstehen mein Tischnachbar (Rigatoni) und ich augenscheinlich was anderes als der Koch. Zwei Frechheiten waren allerdings die Vorspeisen. Beide kamen wohl aus der Mikrowelle. Bei einer Tomatencremesuppe lasse ich mir das sogar noch gefallen, stellt man sie doch in größeren Mengen her und friert sie portionsweise ein. Wenn sie dann aber schmeckte, als ob sie aus der Discounterdose stammte, tut man damit vermutlich dem Discounterprodukt keinen Gefallen.

Die Krönung war das Carpaccio, zugegeben eine heikle Speise, bei der sich die Qualität der Küche offenbart. Wunderschön marmoriertes Rinderfilet wurde in hauchdünne Scheiben geschnitten, auf einem mit einer Vinaigrette und etwas Eisbergsalat (weglassen!) benetzten Teller angerichtet und mit ein paar Champignonscheiben garniert. Ein paar Parmesanhobelspäne wären nicht schlecht gewesen, dafür wurde aber frisch gepfeffert. Die Kunst beim Carpaccio ist das hauchdünne Zuschneiden des Rinderfilets. Normalerweise lässt man das frische Filet ("Sushiqualität" sollte es haben) leicht anfrieren und hobelt dann förmlich mit einem sehr scharfen Messer die Scheiben herunter. Nicht so in besuchter Speisegaststätte: Das tief gefrorene Fleisch wurde mit der Mikrowelle angetaut, was die Scheiben mit einem gar nicht delikaten grauen Rand und spürbaren Überresten von Eiskristallen hinterlies. Bäh! Wie kann man aus vernünftigen Zutaten so einen Mist machen?

Die Fragen, die bleiben: Warum setzt sich Qualität nicht durch? Wieso muss ich für ein Essen 22,50 € bezahlen, dessen kulinarischer Wert weit darunter gelegen hat? Liegt es doch nur wieder an der "Geiz-ist-geil"-Mentalität? Geiz ist eklig! Wo kann man in der Region noch gut italienisch essen? Zu dem Italiener gehe ich jedenfalls nicht wieder.

Einer schönen Sitte und Tradition folgend trifft man sich gern mal Samstag Abends, um sich reihum gegenseitig zu bekochen und danach einen schönen Film zu schauen. Dieser war zwar eher mittelprächtig, eine deutsche Komödie mit Til Schweiger, soll hier aber nicht das Thema sein.

Als ich mit einer Schüssel voll Rotkraut-Birnen-Salat bei den Gastgebern ankam, blubberte es lecker im Topf. Ich wusste zwar nicht genau, was es geben sollte, aber es war ein Ein-Topf-Gericht, bei dem verschiedene Gemüse (mehrheitlich wohl Zucchini) eine wesentliche Rolle spielten. Kurz vor dem Servieren stellte sich aber heraus,  dass eins der verarbeiteten Gemüse eine gewisse, unüberwindliche Bitternote ins Essen gebracht hat. So mussten wir auf Plan B "Pizza" umsteigen.

Die Idee war gut, die Ausführung weniger. Alle Pizzen wiesen eine übertriebene Röstung am Boden auf; ich war froh, dass ich nicht den Käse im Rand mitbestellt hatte, den konnte man vor schwarzem Boden nämlich gar nicht essen. Zu später Stunde nach Hause gekommen, studierte ich die Preisliste und fand merkwürdiges. Auch hier meine ich nicht das augenscheinliche, also dass Menükartenbild und Pappschachtelinhalt optisch nicht viel gemeinsam hatten. Ich hatte die Pizza "Alaska" mit frischem Knoblauch und Meeresfrüchten. In der bestellten Größe kostete sie 6,90 €. Die Grundpizza "Bronx" (3,40 €) zusammen mit frischem Knoblauch und Frutti de Mare (je 0,90 €) hätte allerdings nur 5,20 € gekostet.

Normalerweise ist doch etwas selber zusammengesetztes eher teuerer als das Standard-Produkt. Komisch. Ich verstehe es nicht.

An zentraler Stelle (geometrisch-geografisch) in Neubrandenburg steht ein großes Einkaufscenter, dass nicht nur zum Shopping, sondern auch zur Nahrungsaufnahme einlädt. Bezieht man die nähere Umgebung mit ein, hat man vom Holzkohlegrillwasserkocher erwärmter Wiener, elektrogegriller Bratwurst, diversen Fischgerichten, Dönervariationen, Wokspeisen, gutbürgerlicher Küche, belegter Brötchen und anderer Snacks, Satellitenhamburgern bis hin zu Eis und Kuchen eine riesige Auswahl.

Aber es gibt da auch die eine oder andere kleine Paradoxie dabei. Klein ist diese beim Dönerstand, der auch Grillhähnchen anbietet (ok, dreht sich beides, eins horizontal und das andere vertikal). Auch die Eigenheit, dass es das beste einfach Eis im Center beim Hamburgerbrater gibt, könnte darunter fallen, meine ich aber auch nicht. Wirklich paradox ist, dass man zum Bratheringsessen zum Fleischer gehen muss.