Nach der Völlerei zu den Fest- und Feiertagen ist es eine Idee, sich mal nicht die dicken Fleischmahlzeiten so mancher gastronomischer Einrichtung der Region zu widmen, sondern etwas leichter ins neue Jahr zu starten. Fisch ist dort eine immer wieder gern angenommene Alternative. Wo gibt es die besten Fischgerichte? Natürlich bei einem Spezialisten, der die nötige Erfahrung und ggf. sogar die eigene Fischerzeugung mitbringt. Schade, dass die Fischverkaufsstelle mit Imbissbetrieb in der Friedländer Straße in Neubrandenburg Samstagabend nicht geöffnet hat, aber dazu später mehr.

Die Anreise gestaltet sich etwas aufwendiger, aber man findet doch hin, liegt die Gaststätte doch direkt an einer Bundesstraße, nur eben an keiner, die auch durch Neubrandenburg führt. Parkplätze sind aber ausreichend vorhanden, das Fischrestaurant ist darauf eingerichtet, sogar Busladungen von Gästen zu verköstigen. Interessant ist hier die Raumaufteilung, sitzt man trotzdem nicht in einer großen Gasthalle. Innenarchitektur und ein paar Wände ohne weitere Funktionen helfen, trotzdem einen gemütlichen Eindruck zu vermitteln. Die Dekorationen und sonstigen Gestaltungen sind passend und mecklenburgisch zurückhaltend.

Angenehm aufmerksam hingegen zeigt sich der Service im Verlauf des gesamten kulinarischen Vorgangs. Getränke, auch Folgebestellungen, kamen zügig, und auch das Essen wurde formvollendet serviert. Was übrigens nicht serviert wurde, war der Salatteller, was sich aber als positive Eigenheit darstellt. Der Gast ist selbst gefordert, sich auf einem Salatbüfett das zusammen zu stellen, was ihm behagt. Jahreszeitlich bedingt waren "nur" Weißkrautsalat, Rotkrautsalat, Gurkensalat, Zwiebelsalat, Lauch-Mais-Salat, Möhrensalat und Eisbergsalat verfügbar, Sahnemeerrettich und Salatsoßen kamen hinzu. Von der Idee ist das durchaus einen Pluspunkt wert.

Klassische Soljanka stand keine auf der Karte, wohl aber eine auf Wassertierbasis. Vollmundig, kräftig, aber nicht zu fischig im Geschmack, die Fischsoljanka kann man durchaus als lecker bezeichnen. Die ebenfalls bestellte Tagessuppe, die auf Nachfrage unter dem Namen "Kartoffelsuppe" auch mit auf den Tisch kam, hielt das Niveau im Vorspeisenbereich nicht. Im Gegenteil: Die Vorfreude, die sich durch das Salatbüfett und die Soljanka aufgebaut hatte, wurde hemmungslos zu Boden gerissen. Kennt noch jemand das Kartoffelkloßmehl aus DDR-Zeiten, aus dem man recht graue Klöße erzeugen konnte? Die Kartoffelsuppe schmeckte so, als ob dieses in etwas mehr Wasser aufgerührte Zeug die Basis bildete. Mehl schien das Hauptaroma zu sein, daran änderten auch die Möhren- und Sellerie-Julienne nichts, die in einem Anflug von Frischevermittlung den Weg in die Suppentasse fanden. Von Kartoffeln war weit und breit keine Spur, dabei kann man von Tagessuppen wohl durchaus erwarten, tagesfrisch hergestellt zu sein.

Die Zeit - wie ich irgendwo schon mal thematisierte - ist eine wichtige Zutat bei allen Gerichten und Produkten, die gut sind. Wo sie fehlt oder zu viel ist, wirds schlechter. Das richtige Timing ist wichtig, sei es bei der Comedy oder auch beim Kochen. Und für eine Küche ist die Entscheidung relevant, ob sie nach der Vorspeise lieber den Gast ein wenig warten lässt oder ob das Hauptgericht auf den Gast wartet. In letzterem Fall ist das gekonnte Warmhalten eine Kunst, die gelernt werden will, leidet doch sonst der Tellerinhalt mit der Zeit immer mehr.

Faulenroster PannfischIn der besuchten Gaststätte scheint man sich für die letztere Möglichkeit entschieden zu haben. Hauptsache, das Essen ist fertig, wann der Gast es bekommt, ist irrelevant. Die Bratkartoffeln zum Pannfisch waren sicher irgendwann mal schön knusprig, immerhin wurden sie selber hergestellt und nicht irgendein Convenience-Produkt genutzt. Auf dem Tisch des Gastes hatten sie aber all ihre Knusprigkeit verloren. Naja, fast alle. Aber bei den knusprig erscheinenden Stellen könnte es sich auch nur um bloße Antrocknung gehandelt haben. Dazu gab es in einem kleinen Kännchen eine sich Senfsoße nennende cremige Flüssigkeit, die bis auf das Senfaroma ein wenig an die oben erwähnte Kartoffelsuppe erinnerte: Mehlpampe mit Senf. Schade um den Senf. Aber es war ja nicht viel davon drin. Am besten waren auf dem Teller doch das Salatblatt (knackig frisch), die Zitronenspalte, die Röllchen von der Frühlingszwiebel und die halbe Tomate.

Kochen nach der Saison sollte nicht nur eine Mode, sondern die Regel für gehobene Gastronomie sein. Aber nicht nur dort, auch die heimische Küche und die Menschen, die sie bewohnen, haben durchaus ihren Vorteil daraus. Im Winter werden Wintergemüse genutzt, im Sommer eben das, was gerade reif ist. Dem Kochkundigen stellt sich aber dann doch die Frage, was ein "Risotto der Saison" sein sollte. Meines Wissens ist keine der Hauptzutaten wirklich ein Saisonprodukt. Risottoreis, Parmesan, Butter, Hühnerbrühe, Salz, Pfeffer, Schalotten, mehr braucht es nicht. In geeigneter Weise verarbeitet, ergibt sich eine schmackhafte, cremig schlotzige Beilage oder sogar ein Hauptgericht.

Gegriller Lachs mit Risotto der Saison"Gegrillter Lachs mit Risotto der Saison" steht auf der Karte, serviert wurden trockene Lachsscheite an Reis(mehl)pamps mit ein paar Paprikajulienne und ziehenden Käsefäden. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Vielleicht noch der Hinweis, dass es ggf. an einer Überlastung des Service nicht gelegen haben kann, der das Essen wegen Überlastung zu spät aus der Küche geholt hat. Wir waren zwar nicht die einzigen Gäste, aber es war zwischendurch nur ein anderer Tisch besetzt, der aber die Küche nicht belastete, da sich hier zu einem verspäteten Kaffee-und-Kuchen-Essen-und-Trinken getroffen wurde, während unser Abendbrot vielleicht etwas verfrüht war; aber bei durchgehend warmer Küche sollte das kein Problem darstellen. Immerhin waren auch hier die Tomatenhälfte, die Zitronenspalte und das Salatblatt von ausgewiesener Frische.

Bei allem Lob für den Service, aber beim Abschlusstest holte er sich dann doch noch ein Minus. Die Kunst des Milchaufschäumens für einen Cappuccino bedarf noch ein wenig Übung, beim doppelten Espresso gab es den Totalausfall: Dünn, kühl und ohne Begleitwasser. Naja, alles Gute ist eben nicht beieinander. Vielleicht muss man den Welshof mit dem Restaurant zum Fischer Fritz besuchen, wenn er knackig voll ist. Mit größeren Gästezahlen kommt man da hoffentlich besser zu recht und das Essen ist von höherer Qualität. Zur Zeit (gilt bis 05.04.2014) scheint sich der Besuch nur montags bis donnerstags zu lohnen, da hat das Restaurant nämlich geschlossen. Eine gute Chance übrigens, bei den Müritzfischern in der Neubrandenburgern Innenstadt vorbei zu schauen. Frisch gebratene Fischfilets nach Angebot mit Sättigungsbeilagen sind allemal besser als das, was mir bei meinem Besuch in Faulenrost geboten wurde.

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Grau sah es aus an diesem Novembertag, als die Reise auf Deutschlands sonnenscheinreichste Insel ging. Das Wetter verhöhnte diesen Slogan nach Kräften, es hätte nicht verwundert, wenn auch noch Schneegriesel gefallen wäre oder von irgendwoher ein Donner grollte. Kollege Volksmund ist da ja immer mit Tipps parat, auch wenn diese sich mittlerweile überholt haben bzw. auch als falsch nachgewiesen sind. Das gilt im Gewitterfall auch für den Spruch: "Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen." Zumindest auf den ersten Teil des Satzes sollte man manchmal doch öfter hören.

Neben vielerlei Badespaß bietet Usedom dem, der zu gehen, hören, schmecken, sehen, fühlen und spüren fähig ist, allerlei Zerstreuung, Anregung und Betätigung. So verschlug es zwei hungrige Autofahrer in den Süden der Insel. Da das Kulturprogramm wegen Geschlossenheit ausfiel, wurde der niedergehende Nieselregen schnell durcheilt, um dem Ziel der Atzung näher zu kommen. Der Einzug in ein Hotelrestaurant geschah zügig und nicht unbeobachtet, so dass der Service seine Tätigkeit aufnehmen konnte.

Bei diesem Aspekt des gastronomischen Erlebnisses können wir gern ein wenig verweilen, da hier (und nur hier) der positive Teil dieser Geschichte stattfindet. Wohldosierte Aufmerksamkeit dem Gast gegenüber war verbunden mit einem angenehmen, vielleicht etwas ange- aber auf keinen Fall verstaubten Ambiente. Der Gast hatte die Wahl, Getränke gleich oder erst nach dem Studium der Karte zu bestellen, leere Gläser und Flaschen wurden bemerkt, das Besteck entsprechend der Bestellung gerichtet. Und, um das Ende mal vorweg zu nehmen, auch das Ding mit dem Espresso und Cappuccino klappte beinahe makellos, auf jeden Fall besser als in JEDEM(!) anderen bisher besuchten Lokal. Auf die Bestellung je eines doppelten Espressos und eines Cappuccinos kamen die Getränke auf kleinen Tabletts und der Espresso war automatisch ergänzt durch ein kleines Glas Wasser und ein Zuckerdöschen. Das hätte ich mir auch für meinen Cappuccino gewünscht. Aber man hilft sich als Gast gern gegenseitig aus. Das kleine Manko: Zumindest der Espresso unter dem Milchschaumhäubchen hätte durchaus etwas aromatischer und kräftiger sein können. Aber auch das ist Geschmackssache.

Der Besuch fiel zufällig in die 9. Usedomer Wildwochen und so war die Hauskarte durch eine kleine Wildspeisekarte ergänzt. Drei Wildgerichte und eine Suppe standen zur Auswahl, und auch die normale Speisekarte führte das eine oder andere Wildgericht auf. Die Usedomer Waldpilzcremesuppe, eine (unvermeidliche) Soljanka, einen Burger Helbut und Wildschweinmedaillons mit einem Kartoffel-Birnen-Gratin, Gemüse-Julienne und Soße standen neben ein paar Getränken am Ende auf der Rechnung und vorher auf dem Tisch. Die Soljanka war mit Ausnahme der eben gemachten Aufzählung nicht weiter erwähnenswert. Die Waldpilzcremesuppe allerdings war das schleimigste und die Pilze darin das fehlaromatischste, was ich bisher erlebt habe. Man konnte den falschen Eindruck haben, dass über die Pilze vor dem Trocknen noch eine Schnecke rübergelaufen ist, die aber später mit verarbeitet wurde. Warum keine frischen Pilze verwundet wurden - habe ich nicht gehört, wir hätten gerade eine hervorragende Pilzsaison? - wird ein ewiges Geheimnis der Küche bleiben.

Während man sich an den Suppen noch beinahe die Zunge hätte verbrühen können, bestand diese Gefahr bei den Hauptgerichten nicht mehr. Vielleicht waren sie schon vor den Suppen fertig? Man weiß es nicht. Der Wildburger Helbut bestand aus einem großen blonden Sesambrötchen, dass mit gesprengtem Eisbergsalat, Tomatenfragmenten, angebratenem und dann kochend gegartem Wildfleisch und einer cremig-süßen Soße (ich dachte erst, es wäre eine Cocktail-Soße, aber es muss irgendwann mal eine Preiselbeere vorbeigelaufen sein) belegt war. Das Wildfleisch war kein Burger (also Hackfleisch) im klassischen Sinn, sondern war nur in dünne Scheiben geschnitten und "verrückt" auf den Salat geschichtet. Das Wort "verrückt" entstammt übrigens der Speisekarte.

Zum Helbut gab es ein Kännchen Bratensoße, einer aromatischen, aber dünnen, eher an Brühe erinnernden Flüssigkeit, die so schmeckte, als ob das im Burger befindliche Fleisch darin gegart wurde. Es könnte auch sein, dass das Fleisch so schmeckte, als ob es in dem Fond gegart wurde, aber das wäre ja fast das selbe. Während man beim Italiener gern mal Brot zum Essen dazu bekommt, um letzte Tropfen leckerer Soße damit vom Teller zu bekommen, war der Inhalt des Kännchens dazu da, über das Burgerbrötchen geschüttet zu werden. Wenn jetzt aber diese nur sehr zart angetoastete sesambestreute und aufgeblasene Mehlwatte mit Flüssigkeit in Berührung kommt, weiß jeder, was damit passiert. Statt des Handwerkerspruches "Nach fest kommt ab." gilt hier "Nach feucht kommt Matsch." Ursprünglich wollte ich auch nur das Fleisch mit der Soße überschütten, aber die Bauart des Burgers ließ es nicht zu, war doch die cremige Burgersoße nicht unterhalb des Fleisches - wie es sich gehört - sondern obendrauf.

Zart und weich, so war das Burgerbrötchen und auch das Fleisch im Burger. Die Wildschweinmedaillons auf dem anderen Teller waren es nicht. Eigentlich ist sowas ja das feinste vom Tier. Das Filet wird in dicke Scheiben geschnitten, die werden sanft plattiert und dann kurz gebraten. Würzung nicht vergessen. Was aber hier als Medaillons auf den Teller kam, war an Zäh- und Festigkeit kaum zu übertreffen. Das Haus hat übrigens gutes Besteck, was in dem Zusammenhang positiv erwähnt werden sollte. Damit hier nicht nur negatives steht. Vielleicht kommentiert auch der Esser mal, ob er am nächsten Tag Kaumuskelkater hatte. Eine schöne Trainingseinheit für markante Gesichtszüge war der Verzehr der Filetscheiben auf jeden Fall.

Auch der Rest der Tellerauflage bekleckerte sich nicht mit Ruhm. Bei Wein und anderen Getränken gibt es bekanntermaßen eine empfohlene Trinktemperatur. Bei Wildfleischgerichten sollte es sowas auch geben, bei den Gerichten war sie auf jeden Fall nicht erreicht (und gerade Wild lebt von ein wenig Temperatur). Aber auch das Kartoffel-Birnen-Gratin half da nicht dem Wohlempfinden auf die Sprünge.

Im großen und ganzen kann man in diesem Fall nur froh sein, dass die Usedomer Wildwochen am Tag des Erscheinens dieses Artikels ihren letzten Tag haben. Es bleibt zu überprüfen, ob die Gerichte der normalen Speisekarte besser beim Gast ankommen als die von der Spezialkarte. Ansonsten gilt für den Gasthof "to'n Eikbom" in Dargen auf Usedom: "Eichen sollst Du weichen ..." (Volksmund).

Darf man bei einem Restaurantbesuch erwarten, dass ob der quasi unveränderten Speisekarte nach dem letzten Besuch auch das gesamte Erlebnis unverändert geblieben ist? Ja.
Darf sich die Abwesenheit des "Chefs" auf die Qualität des gastronomischen Erlebnisses auswirken? Nein.
Lehrausbildung Ende Oktober - Sowas beginnt doch meist im August? - Darf das Auswirkungen haben? Eigentlich nicht, und wenn, dann nur kleine. Man ist als Gast ja guten Willens, jeder war irgendwann mal Azubi oder Lehrling.

Gerade auch, wenn man für ein Stück Fleisch auf dem Teller über 20 Euro ausgibt, begleitet von einem Hauch Garnitur, etwas BBQ-Soße und etwas Knoblauchbaguette, dann sollte man alle obigen Frage so beantworten dürfen. Allein, es war nicht so. Aber das Knoblauchbaquette war gut. Und der Frischkäsedipp vom gegenüberliegenden Teller. Und beides zusammen. Aber dann folgt schon die Mängelliste.

Die große Cola von gegenüber kam auch wie bestellt, bei meiner großen Pfirsichschorle fehlten die Größe und wesentliche Teile der Schorligkeit. Nunja, die junge Kraft, vermutlich noch am Beginn ihrer großen Gastronomiekarriere, kam nach der Aufnahme der Bestellung nochmal zurück, um vergessene Details (Garpunkt der Steaks) nachzufragen. Schade, dass sie nicht alles nochmal eruiert hat.

Es ist immer schwierig, wenn bei mehreren Personen an einem Tisch unterschiedliche Gänge bestellt werden. Aber ich unterstelle, dass es da in der Ausbildung durchaus eine Regel gibt, die sich auf die Situation "zwei Mann am Tisch, einer mit Vorspeise, einer ohne, sonst nur Hauptgericht, kein Dessert" anwenden lässt. Das Ziel, dass beide gleichzeitig was zu essen bekommen, lässt sich da unterschiedlich einfach herbeiführen. Im aktuellen Fall wurde die bestellte Vorspeise einfach nicht geliefert (allerdings auch am Ende nicht berechnet). Irgendwie scheint dieser Teil der Bestellung keinen Weg vom Ohr zu Stift und Zettel gefunden zu haben.

Ansonsten: Das Rib-Eye-Steak war nicht wie bestellt medium, sondern medium rare, die Konsistenz ist mit teilweise zart, teilweise eigenartig recht gut beschrieben. Am Rumsteak muss der Koch sehr gehangen haben, es war voller sehnen/Sehnen. Das Röstgemüse wird wohl Tiefkühlware gewesen sein, von keinerlei Saisonalität gestreift.

Überarbeitung oder Stress kann auch kein Grund für die abgerutschte Leistung gewesen ein, waren insgesamt doch nur zwei Tische besetzt. Unter welchen Bedingungen ich nochmal ins Cayenne gehe, weiß ich nicht. Von allein fällt mir das sicher nicht nochmal ein.

Manchmal bedauere ich Menschen, die in kleinen Städten wohnen; so in der 10000-Einwohner-Klasse. Groß genug, dass sich Restaurants mit internationaler Küche lohnen, aber zu klein, um mit nur gutem Essen zu überleben. Wann spricht es sich endlich bei den Gästen und den Wirten rum, dass nicht die große Auswahl für ein gutes Restaurant spricht, sondern das gute Essen.

Ohne auf Details eingehen zu wollen: Aber wenn in der Tür eines italienischen Ristorante ein Schild steht mit den Worten "Hier kocht der Chef noch ..." und man dann "selbst" erwartet, dort aber "indisch" steht, sei dringend davor gewarnt, vor allem dann, wenn erschwerend auf der Karte auch noch sogenannte griechische Gerichte auftauchen, zumindest dem Namen nach. Und Schnitzel.

Vorgefertigtes Essen pur, aus Tiefkühler, Dose oder Glas, nichts, was wirklich frisch zubereitet wurde (vielleicht bis auf den Beilagensalat), aufgewärmt und auf dem Teller drapiert. Suppen und Soßen, denen man ihre Herkunft aus der RGW-Verbundleitung nicht nur ansah, sondern auch schmeckte. Es sei wirklich gewarnt vor Läden, die mehr als 20 Gerichte auf der Speisekarte haben. Der Laden heute hatte sicher 200 ... So schlecht habe ich lange nicht gegessen.

Bäh. Und ich hatte mich schon gewundert, dass bei einem italienischen Restaurant kein Carpaccio auf der Karte stand. Kein Wunder, das geht nur mit frischen Zutaten.

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Ehrlich gesagt kenne ich mich im Lebensmittelkennzeichnungsrecht nicht wirklich aus. Ich weiß nur, dass die Zutaten, die sich letztendlich auch im Becher oder in anderweitiger Verpackung befinden, draufstehen müssen. Die Reihenfolge steht auch fest: Von hohem Anteil zum niedrigen. Namensgebende Zutaten müssen sogar mit den entsprechenden Prozentzahlen versehen sein. Nicht in der Zutatenliste sind Stoffe, die zwar bei der Herstellung verwendet werden, aber im Endprodukt nicht mehr wirklich enthalten sind, oder sein sollten.

Vom 24. bis 31. Oktober 2010 findet die bundesweite Bibliotheksaktion "Deutschland liest" statt, auch die Neubrandenburger Bibliothek ist mit dabei. Nur ist es meist nur mit dem Lesen nicht getan. Man muss auch verstehen, was einem da über die Buchstaben auf dem Papier mitgeteilt wird. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. Ein Beispiel:

Im Fernsehen werden in einem verkaufsfördernden Informationsspot frische Früchte zu einem Brei püriert und auf einen etwas über halbvollen Joghurtbecher gefüllt. Deckel drauf und das Produkt ist fertig. Leider gibt es dieses in der beschriebenen Form nirgends zu kaufen. Irgendwelche Schwindler haben den Joghurt aus dem Fernsehen nachgebaut, machen aber oben drauf kein Fruchtmus, wie er im Fernsehen gezeigt wird. Das, was laut Packung oben auf dem Joghurt drauf ist, besteht im wesentlichen aus Wasser, Zucker, Fruchtsaft (!), Himbeeren, Gelantine, Karotten, Aroniabeeren, Aroma und Stickstoff. Die Frucht im Endprodukt - dazu zählen der Fruchtsaft (aus Konzentrat) und die Himbeeren - ergeben laut Packungsaufdruck 13%. Der Vollständigkeit sei noch erwähnt, dass im Endprodukt über 17% Zucker drin ist.

Ein kleines Rätsel noch zum Schluss: Welche Geschmacksrichtung hat mein Frucht-auf-Joghurt? "Mit sonnengereiften ausgewählten Früchten", die nur nicht den Weg in die Verpackung gefunden haben, steht blau auf weiß auf dem Etikett. Ich hoffe, die Produktpiraten, die dieses im Fernsehen so schön dargestellte Produkt so billig nachbauen, werden bald gefasst, so dass endlich das Originalprodukt den Weg in deutsche Kühlschränke und Mägen findet. Wenn ich es dann mal kaufen kann, hat sich zumindest einer der Gründe erledigt, die Herstellerfirma von der Liste zu nehmen. Aber nur einer von vielen.

Achja, noch die Auflösung: Himbeer-Passionsfrucht. Zumindest steht es drauf. Und die Früchte sind auch abgebildet.

Eine Folge EiTV zu planen, zu drehen und hinterher anzuschauen, macht doch immer wieder Spaß. Und wenn es dann noch positive Reaktionen aus dem Internet gibt, ist es umso schöner. Aber für die kommende Folge hätte ich mich beinahe an den Zuschauern versündigt. Aber meine Zunge hat mich dann doch wieder auf den rechten Weg zurückgeführt, auch wenn es mit ein paar Einschränkungen für die Crew einhergehen wird.

Zum Rezept gehört als eine der wesentlichen Zutaten Hühnerbrühe. Da sie auch noch der wesentliche Geschmacksgeber ist, sollte diese auch echt sein. Aber ob ich noch welche im Tiefkühler hatte, habe ich vorher nicht geprüft, so dass ich fürchtete, die Dreharbeiten verschieben zu müssen, was ich ungern getan hätte. Immerhin ist die Veröffentlichung der letzten Episode schon ein wenig her. Also fing der Gripskasten an zu arbeiten. Hatte ich da nicht mal einen Blogeintrag über eine pastöse Hühnerbouillon geschrieben und diese noch irgendwo rumliegen? Ja!

Ein Becherchen dieser Paste sollte einen halben Liter Brühe ergeben; das war genug, ich wäre gerettet. Immerhin sollte das beim Drehen entstandene Essen für die drei Leute (Koch, Kameramann, Script) reichen, die es die ganze Zeit auch sehen und riechen können. Nach Marx ist aber die Praxis ein wesentliches Kriterium aller Theorie, so dass ich sicherheitshalber mal einen Test machte. Bei der Verkostung hatte ich so einen intensiven Geschmacksverstärkergeschmack im Mund, dass der Rest der Brühe im Ausguss landete (schade um das erhitzte Wasser). Nach der Lektüre meines Blogartikels wäre das allerdings zu erwarten gewesen.

Das alles wäre nicht passiert, hätte ich mich früher überwunden, doch mal in den Tiefkühler zu sehen, ob ich noch Hühnerbrühe gelagert habe. Das habe ich eben nachgeholt und festgestellt, dass sie zumindest für 2 gute Portionen reichen würde. Also gibt es noch ein paar Beilagen mehr und es reicht für drei. 😉 Das Gewissen ist auch wieder beruhigt, wird der Zuschauer bei EiTV auch in der der neuen Folge nicht betrogen.

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Der aid-Infodienst (gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ) veröffentlichte unlängst einen interessanten Artikel zum Thema vegetarisches Grillen, den man als Vegetarier mit Fleischersatzgelüsten sehr genau lesen sollte. Mit zum Teil erstaunlicher Offenheit werden in wenigen Worten die großen Nachteile von Tofu, Soja und Co. beschrieben und diese danach als Vorteile verkauft.

Augenscheinlich ist nicht jeder, der sich fleischlos ernähren möchte (aus welchen Gründen auch immer) ein Vegetarier. Wozu gäbe es sonst die vielfältigen "Fleischersatzprodukte"? Wenn ich dann in einer eigentlich für diese Stoffe werbende Veröffentlichung lesen muss, dass "'Sojafleisch' oder 'texturiertes Soja' einen industriell hergestellten Fleischersatz" darstellen, "der als Nebenprodukt bei der Sojaölproduktion anfällt", dann vergeht mir der Appetit, da ich die Produkte der LebensmittelINDUSTRIE im wesentlichen ablehne. Mit natürlicher Ernährung hat das nichts mehr zu tun.

Aber es gibt ja auch noch "Tofu", laut Artikel "in Blöcke gepresster Sojabohnenquark". Das klingt nicht ganz so verwerflich. Welchen (industriellen) Aufwand es braucht, um aus einer Sojabohne den Quark zu gewinnen, verschweigt man geflissentlich. Welche kulinarischen Eigenschaften hat Tofu eigentlich? "Sein überwiegend neutraler Geschmack macht den Tofu zum kulinarischen Tausendsassa und inspiriert Gourmets zu allerlei kreativen Würzideen." Da stellt sich natürlich die Frage, warum wir unser Essen eigentlich mit allerlei mehr oder weniger exotischen Gewürzen verfeinern (müssen). Weil es ohne meist nur noch einen sehr geringen Eigengeschmack hat.

Wer die Chance hat, an ein natürlich aufgewachsenes Fleisch zum Grillen, Braten oder Schmoren zu kommen, der sollte es einfach mal kaufen. Den größten Genuss stellt das dann nur mit ein wenig Salz und Pfeffer gewürzt und passend gegart da, unnötig, es mit Kräutern der Provence, Currymischungen oder Knoblauchdipps zu verschlimmbessern. Natürlich kann man das alles tun, aber man muss es nicht, denn wie sagte Jochen Malmsheimer öfters so schön: "Das schmeckte noch selber!", einer Eigenschaft, die Tofu & Co. abgeht.

Je nach Strenge in der Gläubigkeit und den eigenen geschmacklichen Vorlieben gibt es so viele vegetarische Möglichkeiten, sich gekonnt kulinarisch zu befriedigen, egal, ob auf dem Grill, in der Pfanne oder wo auch immer zubereitet, aber diese Fleischplacebos dienen nur ihren Herstellern, sind sie doch mit einem sehr großen positiven Image versehen. Nur durch das Austauschen von Fleisch gegen so was wird man noch nicht zum Vegetarier, für die Aussage, man ernähre sich dann gesünder, fehlt auch noch jeder Nachweis.

 

Irgendwann hatte ich schon mal erwähnt: Ich mag Krakauer. Nicht unbedingt die im Bockwurstformat, aber als Aufschnitt finde ich sie lecker -  wenn sie gut gemacht sind, was selten genug vorkommt. Bei einem hiesigen Fleischer habe ich eine entdeckt, die ganz gut ist und die auch noch selber produziert wird. Ein Discounter hat welche, allerdings schon in Scheibenform, vorrätig, die auch munden.

Freunde haben mich mal nach Stettin zum Shoppen mitgeschleppt. Da die Wurst einen polnischen Ursprung hat, vermutete ich, dass sie dort auch zu finden sein müsste. Ich wurde nicht enttäuscht, fand ich doch meterweise Krakauer im Kühlregal. Bei der Auswahl bewies ich dann noch ein glückliches Händchen, erwischte ich ein wohlschmeckendes Exemplar.

Mittlerweile habe ich schon ein paar Marken durch, die alle nicht schlecht waren. Aber warum muss man deswegen immer nach Polen fahren. Ok, der Wurstkauf war nicht immer der einzige Grund, aber trotzdem. Wie war ich da froh, eine "Original polnische Krakauer" in einem der hiesigen Supermärkte zu finden. Die Verpackung, das Logo ... Ich erkannte sie wieder, hatte ich sie doch schon mal in Stettin gekauft. Natürlich landete ein Stück in meinem Einkaufswagen und dieser Tage mit dem Weg über die Zunge auch bei mir im Magen.

Damit wären wir dann bei der Frage in der Überschrift: "Warum machen die das?" Die hier erworbene Krakauer hatte ein Aroma mit dabei, dass ich zum einen bei deutschen Krakauern schon öfter bemerkt habe - das ich nicht mag - und zum anderen, dass ich bei echten polnischen (und bei der von meinem selbst produzierenden Schlachter) nicht gefunden habe. Gibt es da ein deutsches Dauerwurstgesetz, dass irgendwelche Beigaben vorschreibt, die das Aroma verfälschen? Vorzustellen wäre es.

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"Raupe im Salat!" - Dieser Ausruf führt meist schnell zur Einstellung der grünbunten Nahrungsaufnahme, ist es auch wirklich nicht schön, wenn diese wandelnden Proteinbomben den Weg alles verdaulichen gehen würden.
Mit den wieder wärmer werdenden Tagen kommt ja auch wieder die Salatsaison, steht das Grünzeug doch im gesunden Ruf und ist es wie geschaffen dafür, die kleinen süßen Fettpölsterchen an der Bikinifigur wegschmelzen zu lassen, damit wieder ungestört im Klischee gebadet werden kann. Für die diätische Ernährung passt in dem Zusammenhang auch, dass gerade die Blattsalate, in Discountern, Super- und auf anderen Märkten erworben, durch die tagelange Reise einen Nährwert wie ein gleich großes Papiertaschentuch haben. Aber sie füllen mit wenig Kalorien den Magen und finden so ihren ansonsten ausgelaugten Sinn.

"Rauke im Salat!" - Diesen Warn- oder besser enttäuschten Aufschrei hätte ich in den letzten Tagen öfters ausgerufen, wenn derartige Lautäußerungen allgemein üblich gewesen wären. Auf der Suche nach abendlicher Nahrung stieß ich immer wieder darauf, auch wenn sie meist mit ihrer italophilen  Bezeichnung einherkam:

Salat Athena
gemischter Salat mit Rucola, mit würzigem Patros (Kuhmilchkäse) ...

Salat Nizza
gemischter Salat mit Rucola und Thunfisch ...

Salat Evergreen
gemischter Salat mit Rucola, geräucherten Putenbrustscheiben ...

Salat Rocco
knackiger Rucola und gemischter Salat mit Serranoschinken ...

Salat Napoli
feine Penne mit Rucola, gemischtem Salat ...

Salat Rustico
gemischter Salat mit Rucola, aromatischen Cherrytomaten ...

Pizza Mediterrana
mit Tomaten und Mozzarella gebacken, anschließend belegt mit Rucola, Serranoschinken ...

California Shrimps Salat
gemischter Salat mit Rucola, Cherrytomaten, Ei ...

Panini Steak
mit Rucola, Cherrytomaten, Steakstreifen ...

Und so weiter, und so weiter.

Muss man das Essen durch dieses Gewächs so verschlimmbessern? Diese Pflanze mag ja gerade in Mode sein, trotzdem muss man sie nicht überall ran machen! Selbst mitten in einem Mettwurstbrötchen habe ich sie schon entdeckt (vergleiche dazu auch Jochen Malmsheimers Ausführungen über Zervelat, im Ansatz hier).

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So spricht schon der Volksmund und so ist es auch immer wieder wahr. Meine Reise brachte mich zwar nur in den nächsten Supermarkt, aber auch Kurzreisen sind Reisen, man sieht Sehenswürdigkeiten und lernt auch viel. So ist sowas manchmal schon fast eine Bildungsreise.

Wo Mozzarella drauf steht, erwartet der genussfreudige Käufer natürlich auch Mozzarella  drin. Billigend nimmt er ja schon in Kauf, dass man diese Käsespezialität auch aus Kuhmilch herstellen kann, ist sie mittlerweile nicht mehr die einzige, bei der von der Originalmilch abgewichen wird. Was ich aber unlängst an einer Käsetheke entdeckte, ...

Auf den ersten Blick schien es interessant zu sein: Mozzarella in Scheiben. Wer schon mal versucht hat, auf die Schnelle selber diese Scheiben herzustellen, wird an dieser Darreichungsform auch Interesse haben, zumal diverse italienische Restaurants und z.T. auch "Essen"-Bringdienste beweisen, dass man diese dünnen Scheiben irgendwie hinbekommt.

Was mir hätte gleich skeptisch vorkommen sollen, war die leicht gelbliche Farbe der Scheiben. Da aber alle Packungen so aussagen, war es wohl normal. Der Geschmackstest in der heimischen Küche sollte zeigen, was dieser Käse taugt. Irgendeine Zubereitungsempfehlung fand sich nicht auf der Packung, also sollte der Verzehr möglichst einfach gelingen.

Dass ein und derselbe Begriff zwei unterschiedliche Sachen bedeuten kann, wissen wir aus Erfahrung. Bei den Discountern gibt es zwei mit gleichem Namen, Steuererleichterung heißt auch, dass der Bürger mittels Steuern von seinen Einnahmen erleichtert wird und Trüffel gibt es als Pilze und als schokoladiges Konfekt mit hohem Butteranteil. Bei Mozzarella scheint es auch so zu sein. Der Scheibenkäse hatte nichts, absolut gar nichts mit dem in Kugelform gemeinsam. Die Konsistenz war vergleichbar mit der eines angetrockneten Goudas, für den Geschmack kam eine leicht säuerliche Note dazu. Vielleicht hätte ich die Scheiben ja vorher irgendwodrin einweichen müssen, aber dazu stand nichts auf der Packung.

Bei mir wird es also weiterhin den selber geschnittenen Mozzarella geben. Die Scheiben sind zwar etwas dicker und unegaler, aber mit einen scharfen Messer kriegt man das schon hin, vor allem, wenn man die Kugeln vor dem Schneiden leicht anfriert.