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In der Adventszeit und und an Weihnachten sitzt das Geld meist etwas lockerer. Das wissen natürlich auch diverse gemeinnützige Hilfe-Vereine und die Spenden fließen etwas zahlreicher in gute Richtungen.  Auch im Fernsehen wird fleißig Geld gesammelt und Millionen kommen für einen guten Zweck zusammen. So mancher Promi lässt sich verpflichten, sein Gesicht für die gute Sache in die Kamera zu halten.

Aber ein Schicksal scheint an den Spendenwilligen vorbei zu gehen: Das Schicksal von Alfons. Einst ein bekannter und gefeierter Fernsehkoch ist er zur Zeit gezwungen, Werbung für fertige Fonds zweifelhafter Qualität zu machen. Dabei ist mir sein Absturz gar nicht aufgefallen, habe ich ihn nicht neulich noch bei "Lanz kocht" gesehen? 

Dabei kommen die Fonds noch gut daher: französisch klingender Name, mit Herrn Schuhbeck ein bekannter Name, der sie empfiehlt, alles im Glas (positives Image), ... alles so, als würde der Meister sie in seiner Küche wenn schon nicht selber zubereiten so doch verwenden.  Die Zutatenliste spricht aber wieder Bände, es lohnt sich, sie noch im Laden zu lesen, man spart recht viel Geld dabei, da die Fonds nicht zu den preiswertesten gehören. Wasser als Hauptzutat bei einem Fond leuchtet ja vielleicht noch ein, aber Kochsalz als zweithäufigste Zutat? Dazu Worte wie Aroma und Rindfleischextrakt. Letzteres lasse ich mir in einem Rinderfond noch gefallen, aber in einem Hühner- oder Fischfond? Auf dem Etikett findet sich auch noch der Hinweis, dass keine geschmacksverstärkenden Zusatzstoffe benutzt werden. Natriumglutamat (Hauptverdächtiger mit dieser Eigenschaft) findet sich auch tatsächlich nicht in der Brühe, aber Hefeextrakt. Klingt irgendwie natürlich. Empfindlichen Genießern empfehle ich nicht den dazugehörigen Wikipedia-Artikel zu lesen. Ein kurzes Zitat daraus: "Hefeextrakte sind auch eine primäre Quelle für Mononatriumglutamat". Bäh.

Im Fischfond, dass sei der Vollständigkeit erwähnt, ist übrigens auch Fisch drin. Ganze 0,6%, oder umgerechnet 1 bis 2 Gramm. Deswegen befindet sich in der Zutatenliste ja auch das Wort "Aroma".

Wenn also ein ehemaliger Fernsehkoch schon für so eine Plörre Werbung machen muss, muss es ihm sehr schlecht gehen. Bittet spendet also für Alfons Schuhbeck. Bei den momentan grassierenden Datenschutzskandalen mit öffentlich zugänglichen Telefon- und Kontonummern dürfte es ja nicht schwer sein, seine Kontodaten zu bekommen.

Nichts geht bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten über eine gute, frische, selbst gekochte Hühnersuppe. Das dauert zwar immer ein wenig, macht aber außer Zeit wenig Aufwand. Merke den grundsätzlichen Kochspruch: Gutes Ausgangsmaterial bringt gute Ergebnis. 

Hier deswegen also mein Hühnersuppenrezept.

Die Zutaten

1 Suppenhuhn
1 Bund Suppengrün (Sellerie, Möhren, Lauch, Selleriegrün, Petersilienwurzel so vorhanden ...)
1 große Gemüsezwiebel, oder mehrer kleine normale
Salz, Pfeffer, Lorbeerblatt

Das Huhn

Hier scheiden sich die Geister, was zu nehmen ist. Ich empfehle ein möglichst frisches Suppenhuhn mit mindestens 1,5 kg. Wer viel Zeit hat und auf das Fleisch zum Essen nicht sehr viel Wert legt, greift auf eine "verdiente Legehenne des Volkes" zurück. Die habe ich als halbes "Frikasse-Huhn" mit ca. 1,6 kg in einigen Supermärkten entdeckt. Wer schnell ein befriedigendes Ergebnis haben möchte, kann sich auch mit einem Brathähnchen versuchen, aber auch hier gilt: mindestens 1,5 kg. 
Natürlich sind auch die Tiefkühl-Suppenhühner nutzbar. Die habe ich mit 1,1 kg, 1,3 kg, 1,6 kg und 2,6 kg gefunden. Leider sind die 1,6er meist vergriffen. Die 2,6er habe ich noch nicht probiert, sooooo viel Brühe brauchte ich dann doch nicht. Aber wer eine Tiefkühltruhe hat, kann die gesiebte Suppe für andere Anwendungen portionsweise einfrieren. Das TK-Huhn muss natürlich zur weiteren Zubereitung im Kühlschrank meist mindestens einen Tag auftauen. 

Die Zubereitung

Ich zerteile das Huhn meist grob in die Keulen und die Brust mit Flügel. Sollte das Huhn zu fett sein, kann man gleich etwas davon abschneiden. Aber nicht alles! Im Hühnerfett steckt ein Teil der Heilwirkung. Dann putze ich das Huhn, entferne ggf. Federreste und lege es auf den Boden einen hinreichend großen Topfes. Wenn ich eine "verdiente Legehenne" habe, überschütte ich sie gut mit kaltem Wasser. Sie muss mindestens bedeckt sein. Bei einem Brathähnchen schnibbel ich auch gleich die Wurzelgemüse und die Zwiebel grob mit rein, was ich bei der Legehenne erst später mache, da sie länger braucht. Gemüse und Huhn sollten mindestens mit Wasser bedeckt sein. 
Außerdem kommen auch noch die Gewürze in den Topf. Soll die Hühnerbrühe nicht nur zum direkten Verzehr, sondern auch für andere Suppen, Soßen Risotto usw. verwendet werden, bin ich vorsichtig mit dem Salzen (im Zweifel erstmal ganz weglassen), ansonsten nach Gusto. 
Dann ordentlich Feuer unterm Topf, bis es kocht. Dann das Feuer wieder kleiner drehen, so dass es im Topf nur noch leicht simmert, es macht auch nichts, wenn es eine Zeitlang gar nicht mehr kocht, aber heiß sollte es bleiben.  Kommen bei der "verdienten Legehenne" die Gemüse später dazu, sollte man nach dem Einwerfen alles einmal aufkochen lassen. 

Die Kochzeit

Hier gebe ich keine konkrete Zahl an. Erlebt habe ich Zeiten von anderthalb bis 4 Stunden, erstes beim Brathähnchen, letzteres bei der "verdienten Legehenne". Der aufmerksame Koch sollte eben immer mal gucken, ob sich das Fleisch anfängt vom Knochen zu lösen. Sollte das irgendwann passieren, muss man sich entscheiden, was man weiter mit der Brühe anfangen will.

Varianten und Nachbereitung

Will ich die Brühe einfach nur essen, nehme ich das Fleisch raus, zerteile die Brust in mundgerechte Häppchen und werfe sie wieder in die Brühe, die Keule esse ich meist so (könnte sie aber auch zerteilen und wieder in die Brühe tun). Dann fülle ich mir die Portion, die ich essen will, in einen separaten Topf, werfe sehr al dente gekochte Nudeln hinein (Sternchen, Muscheln, Suppennudeln o. ä.) und lasse sie gar ziehen. 
Für die weitere Verwendung bei anderen Zubereitungen gieße ich die Brühe durch ein Sieb und friere sie portionsweise ein.
Solle die Brühe doch zu fettig geworden sein, empfehle ich vor allem im Winter eine kleine Expedition auf den Balkon. Wenn die Brühe richtig ausgekühlt ist (und vielleicht auch ein wenig angefroren) kann man wunderbar das Fett oben von der Brühe absammeln. Aber bitte nicht alles runter nehmen, denkt an die Heilwirkung!

Und dann, guten Appetit.

P.S.: Wenn ihr die Brühe als Erkältungsmittel mehrere Tage hintereinander essen wollt, dann immer nur den Teil erwärmen, der gegessen wird. Der Rest sollte möglichst kalt stehen, da sie sonst schnell sauer werden kann.

In loser Folge werde ich unter der Überschrift "vorher vs. nachher" kulinarisches aus meiner Küche vorstellen. Wobei zu dem Vergleich nicht nur selbstgemachte Gerichte auf dem Prüfstand stehen werden, sondern auch sogenannte Fertiggerichte, wobei hier das "vorher" die Verpackungsabbildung sein wird, das "nachher" das Produkt, was nach bestem Wissen und Können auf dem Teller angekommen ist.

Anfangen werde ich mit was selbst gemachtem: Rösti.

Rösti: die Zutaten
Rösti: die Zutaten

Geplant zur Verarbeitung waren: Kartoffeln (es müssen nicht die roten sein, aber die lagen rum), Rettiche, Salbei, Schnittlauch, Salz und Pfeffer. Kartoffeln und Rettiche wurden geraspelt, mit Salz, Pfeffer und außerdem einer Chili-Knoblauch-Mischung gewürzt. Der Salbei wird klein geschnitten und auch mit unter die Raspelmasse gegeben. Dann wird die Masse in einer beschichteten Pfanne mit Öl goldbraun gebraten. Hinterher sollte man die Rösti auf Küchenkrepp abtropfen lassen und mit ein paar Tomatenscheiben garnieren. Dazu passt auch ein Kräuterquark, Gewürzgürkchen oder ein Salat.

Die Rösti, garniert und knusprig
Die Rösti, garniert und knusprig

Lecker.

Pizzabäcker, zumal die in der Werbung auftretenden, weisen meist kein sehr hohes Humorpotenzial auf. Und wenn, dann nur auf unfreiwilliger Basis. Aber wenn man das Marketing von der eigentlichen Herstellung trennt, wie wir es ja bei Franchise-Systemen haben, dann könnte ja sowas passieren.

Eine bundesweit agierende Pizzaservicekette ist ja auch in Neubrandenburg backend und ausfahrend aktiv. Am Sonntag hatte ich da mal wieder ihre Speisekarte im Briefkasten, verbunden mit der dringenden Bitte um Rückruf. Das werde ich zwar noch etwas aufschieben, aber amüsiert haben mich die Pizzen der aktuellen Thai-Wochen schon: Scam-Pi, Sho-Ten, Shi-Li. Und alle zusammen als Thai-Mal-Drai.

Ich find's witzig. Die Frage ist dann immer nur: Wieso sind die Gerichte, die mich am meisten interessieren, immer die teuersten? Spricht das für meinen guten Geschmack, oder nur für einen teuren? 😉

Beim noch nicht ganz munteren, weil morgendlichen Verzehr eines Smoothies, der mir laut seines anglophilen Names Früchte für 2 Tage versprach, starre ich auf die Verpackung. Dabei wird mir wieder der "große Verbraucherbetrug" direkt vor Augen geführt: Vorn finde ich als Geschmacksrichtung "Kirsche • rote Traube" und laut Zutatenliste sind die jeweils wesentlichen flüssigen und festen Bestandteile Apfelsaft und Birnenstückchen (zusammen 46% des Inhaltes, die geschmacksnamen gebenden Teile kommen nur auf 29%).

Warum das ganze trotzdem nach Kirschen und Trauben schmeckte mag ja an der letzten Zutat der Liste gelegen haben: "natürliche Aromen". Aber das soll hier eigentlich gar nicht das Thema sein. Auch nicht die Diskussion über den Sinn oder Unsinn solcher Smoothies (nähere Infors hier, hier oder hier).

Es klebte auch das Logo der Aktion "5 am Tag" auf der Flasche und der HInweis, dass dieses 200-ml-Fläschchen schon für 2 der 5 Obst- und Gemüsemahlzeiten steht. Wenn das stimmt, würde mich mal interessieren, ob andere "Mahlzeiten" da auch mitzählen:

  • der abendliche Genuss eines Campari-Orange auf dem Balkon mit einem herrlichen Blick auf den Sonnenuntergang
  • Bloody Mary zählt ja dank seines Tomatensaft-Anteils wohl eher als Gemüsemahlzeit
  • beim Caipirinha ist der Limettenanteil wohl doch zu klein, um als Obstmahlzeit durchzugehen?
  • die Grüne Wiese zählt aber wieder: viel Orangensaft
  • Oder wie wäre es mit einem La Playa de Lima? Ohne Alkohol, dafür mit Maracujanektar.

Zählt sowas denn auch mit?

Stimmt eigentlich das Klischee, dass Hersteller/Vertreiber von Nahrungsmitteln ihre eigenen Produkte meist nicht selber essen oder trinken? Aus welchen Gründen auch immer. Vorstellen kann man sich da ja einiges. Zum einen (im guten) könnten sie sich ihre Produkte schnell übergegessen haben, zum anderen (im schlechten) wissen sie natürlich genau, was drin ist, und vielleicht essen sie sie deshalb nicht.

Den einen oder anderen Hersteller (im weiteren Sinne) würde ich aber gern mal darum bitten, dass er seine eigenen Produkte doch mal probiert. Dabei meine ich nicht, dass sie nicht schmecken könnten, im Gegenteil. So ein belegtes Baquette von Nordsee, ein Croque von Columbus Croques, ein Döner vom Stand um die Ecke oder das eine oder andere belegte große Brötchen aus einem Bäckereiimbiss (sei es nun De Mäkelbörger, Mecklenburger Backstuben, Kowalewski usw.) ist ja ganz lecker. Das Problem ist immer nur: Wie esse ich diese Sachen unfallfrei?

Einfach so "aus der Hand" geht im allgemeinen nicht! Da fragt man sich, was die Prouktentwickler sich dabei gedacht haben? Haben sie Geheimverträge mit Serviettenherstellern, Reinigungsfirmen oder Kieferchirugen? Und selbst mit Besteck ist es nicht einfach, für unterwegs gehts ja gar nicht.

Beispiel Döner. Wenn man da unterwegs irgendwo reinbeißt, kommt auf der anderen Seite die Soße raus und kleckert zumindest auf die Straße. Lösung: Schnell nach Hause und dann mit der Gabel erst einen Teil des Inneren essen, der Rest geht dann unfallfrei auch aus der Hand. Nur muss man wirklich schnell nach Haus, 99% aller Döner schmecken kalt nicht!

Beispiel Nordseebaquette. Sehr lecker hier z.Bsp. das Garnelenbaquette, schön mit feinem Eiersalat. Früher waren auch noch Gurkenscheiben drauf. Wenn man da rein beißt, quillt nicht nur der Eiersalat aus dem Brötchen, auch die Garnelen schieben sich aus seinem Inneren. Lösung? Keine.

Beispiel Columbus Croques. Hier stellt sich nicht nur das Problem, dass das Innere der Croques beim Abbeißen (oder Abschneiden) herausquillt. Das Abbeißen als solches geht vermutlich nur, wenn man ein Mundwerk wie Maddin Schneider hat. Für alle Normalmündigen Bürger besteht die Gefahr, dass sie sich eine Maulsperre einhandeln. Und wer schon mal probiert hat, etwas vornehmer Messer und Gabel zu benutzen, wird wissen, was das für ein Schlachtfeld auf dem Teller und dem umgebenden Tisch hinterlässt.

Hersteller und deren Produktentwickler sind also gefordert, "Verzehranleitungen" zu erarbeiten oder einfach mal die unfallfreie Nahrungsaufnahme vorzuführen.

Als guter Kulinariker probiere ich immer mal wieder die kleinen Perversitäten der Lebensmittelindustrie (den Begriff finde ich schon verbotswürdig). Frei nach dem bekannten Motto: "Was uns nicht umbringt, macht uns stark".

Als bekennender Fleisch- und Wurstesser habe ich mal ein Glas Dosenwürstchen eines bekannten Herstellers mir nach Hause genommen und probiert. Wer isst sowas? Das ist doch nur Bäh. Der einzige Vorteil scheint die lange Haltbarkeit zu sein, aber Notrationen gibt es doch normalerweise nicht im Supermarkt, sondern beim Katastrophenschutz. Mir tat nur der Senf leid, der diesen Geschmack teilen musste.

Es geht doch nichts über die Würstchen (Wiener, Knacker, Bockwürste) vom Fleischer.

Marcus Reckewitz und Hannes Bertschi haben mit dem Untertitel "Man schmeckt nur, was man weiß" ein hervorragendes Buch herausgebracht, dass ich jedem Genussmenschen nur ans Herz bzw. an den Magen und die Zunge legen kann. "Safran, Sushi und Prosecco" (ISBN: 978-3502150282) ist kein Kochbuch und keine Rezeptsammlung, dreht sich aber trotzdem um Essen und Trinken und sammelt viel Wissenswertes aus kulinarischen Höhen und Abgründen.

Bewusstes Genießen sollte eigentlich bei jedem ganz weit oben stehen, ließen sich doch auf diesem Weg viele ernährungsbedingte Beschwerden und Krankheiten von vornherein vermeiden. Dafür eine Basis zu legen, ist das Buch durchaus hilfreich, blickt es auch nicht nur auf den Teller oder ins Glas, sondern auch darüber hinaus, weiter, als das Tischtuch reicht.

Besondere Zustimmung und Erheiterung brachte mir der Artikel über den bereits im Titel des Buches enthaltenen Prosecco, steht er (der Artikel, nicht der Prosecco) doch stellvertretend für viele andere Produkte unserer Nahrungsmittelindustrie (allein dieser Begriff und das, was dahinter steht, gehören verboten). Ein Zitat: "... wenn man daran glaubt, dass Discounter für ein Almosen in der Lage sind, Gold in Flaschen abzufüllen, dann, ja dann ist man der ideale Kandidat für eine komplette Vollverarschung." Nicht umsonst gab es schon eine Reihe von Produktfälschungen, gerade auch bei eigentlichen Qualitätsprodukten, bei deutschen Discountern.

Zwei grundlegende Fehlentwicklungen sehe ich: Zum einen die "Geiz ist geil"-Mentalität des Verbrauchers und zum anderen seine bereits fortgeschrittene geschmackliche Verbildung. Oder warum bildet sich ein Auflauf um Kühltruhen, wenn Hackfleisch im Sonderangebot (zwei Wörter, die sich eigentlich ausschließen sollten) angeboten wird? Oder es wird ein Gemisch von Milchpulver, löslischem Kaffee, Zucker, Aroma, heißem Wasser, gedeckelt mit Schlagsahne, als Cappuccino akzeptiert, einem Getränk, das eigentlich aus einem Espresso (oder auch zwei) und einer Milchschaumhaube besteht. Es kann natürlich auch sein, dass es bei Cappuccino den "Trüffel"-Teekessel-Effekt gibt: Trüffel ist ja zum einen auch eine Schokoladen-Spezialität und zum anderen ein Pilz, der nicht nur Schweine anlockt.

Besonders perfide sind dann immer die Konsumenten, die sich über die Qualität von z. Bsp. Fleisch aufregen, dieses aber trotzdem immer dort kaufen, wo es am billigsten ist. Und das, obwohl es in unserer Region mindestens einen Fleischerzeuger und -verkäufer gibt, der nicht nur die Tier selber aufzieht, sondern auch das Futter noch selber anbaut (soweit ich weiß). Qualität hat nunmal ihren Preis und wer nicht bereit ist, diesen auch zu bezahlen, der darf sich hinterher auch nicht beschweren.

Aber das Thema ist so umfassend, dass man darüber ewig schreiben könnte. Deswegen zurück zum Buch und damit dem Auslöser für diesen Beitrag. Wer lesen kann, dem sei es empfohlen, es gibt es in der broschierten Fassung für unter 10 Euro. Der Buchhandel berät da sicher gern. Als Hörbuch habe ich noch nicht gefunden. Das wäre aber mal eine Idee, zum Nebenbeihören beim Kochen. 😉

Marmelade oder Schinken, Honig oder Käse? Für die kulinarische Befriedigung am Morgen gibt es zahlreiche Modelle. Wer eher der herzhaften Varianten anhängt und manchmal morgens an leichter Appetitlosigkeit leidet, dem sei zur Zeit ein kleiner Spaziergang über den Neubrandenburger Wall, speziell zwischen den Abzweigungen Fritz-Reuter-Straße und Rostocker Straße empfohlen. Die Empfehlung: Schlendern und mit (fast) allen Sinnen genießen.

So habe ich es heute früh gemacht: die blühenden Wallwiesen, der dezente, frische Bärlauchduft in der Luft, die taubetröpfelten Pflanzen im Licht der aufgehenden Sonne. Nur die Geräusche des montagmorgendlich berufsverkehrgenutzten Ringes störten ein wenig.

Memo an mich: Morgen früh Walkman nicht vergessen!

Was der morgendliche Spaziergang gebracht hat? Auf jeden Fall den Appetit auf ein herzhaftes Frühstück.

Eigentlich für ein Internetprojekt, aber dann doch nicht genommen, habe ich ürsprünglich als Fülltext eine Speisekarte entwickelt, deren beste Gerichte ich hier mal vorstellen möchte. Sollte sich jemand bereit fühlen, sowas mal zu kochen, wäre ich gern eingeladen.

Hier also die Karte (die konsequente Kleinschreibung war Eigenheit des Restaurants, für das die Seite war):

vorspeisen

bruscetta nach art des hauses
mal ohne tomate, zwiebel, knoblauch und gewürze, sondern mit butter und orangenmarmelade

suppe
meistens heiß, es ist auch alles drin, was sich beim auffegen noch essbares in der küche fand

abwaschwasser
lauwarm, mit fettaugen, aber das spülmittel ist mit aloe vera, also physiologisch wertvoll

stulle auf brot
kohlenhydrate bis zum abwinken. die stulle ist auf vorzüglichste molekularisiert worden und hat so schon sehr frühzeitig den geschmack von altem brot angenommen.

kalte küche

chefsalat
scheiben vom chef, sauer eingelegt, mit einem apfelchutney an balsamico-reduktion

rumfort-salat
mit allem, was rumliegt und fort muss, dazu ein dressing mit bestem olivenöl und einer balsamico-reduktion

deutsches sushi
denken sie sich beim sushi den fisch, den reis und die algenblätter weg und nehmen dafür wurst- und bratenaufschnitt: das ist mal was anderes
dazu empfohlen: eine balsamico-reduktions-zabaione

geeiste gazpacho
frisch vom herd schmeckt sie am besten, kurz vor dem servieren besprüht mit einer balsamico-reduktion

Überraschungs-Nr. 12
Nr. 12 aus der bestelliste eines möglichst weit entfernten und zufällig ausgewählten essenbringdienstes, bis das essen im restaurant ist, ist es kalt

hauptspeisen

großes steak vom sojarind
mit viel proteinen, eiweißen, dazu als sättigungsbeilage ein schnitzel

variationen von seafoot
gegrillte haifischflossen, geschmorte hummerkeule und gedünsteter krabbenfuß mit dreierlei soßen und einem algensalat

5 tierische kleinigkeiten
filet vom hühnchen, kaninchenbäckchen, wachtelflügel, coppa von der poularde und geräucherte hasenburst mit 5 erbsen, 5 linsen, 5 reiskörnern, 5 wildreissamen und 5 gerstengraupen mit 5 Tropfen Jus von der Perlzwiebel

spinat und spiegelei (edelfassung)
4 gebratene störeier auf einer lasagne aus 2 kartoffelhobelscheiben und 2 spinatblättern

leckerli

wurstbrotwurst
auf einer brotsalami angerichteter aufschnitt von fleischwurst, leberwurst, teewurst, blutwurst, mettwurst, mortadella u.a. (je nach wunsch und angebot)

mini berliner leibgericht
geschabter heißer kalbshackbraten an feinsten gemischten krautsalaten mit tranchen von tomate und gurke, sauce aioli, dazu ein fladenbrötchen

zopfgemüse
julienne von lauch, karotte, pastinake, stangensellerie und kohlrabi, al dente gegart und zu einem gemüsezopf geflochten, dazu eine sauce guacamolaise* und graupenpolenta
*) sauce guacamolaise wie hollandaise, nur statt mit butter mit geschmolzener avocado zubereitet

desserts

heiß mit eis
vanilleeis mit heißen Früchten, wahlweise kirschen, himbeeren, litschi oder schmorgurken

ochsenauge mit synaptischem kurzschluss auf halloween-art
ringförmiges gebäck mit marzipan und kürbiskonfitüre mit ganzen früchten
der kurzschluss: ochsenauge -> moschusochse -> moschuskürbis -> hokkaido

sinnenfreude
mit allen geschmackssinnen genießen: ingwer-tamarinde-omlett mit kandierten zichorienwurzelchips
die geschmackssinne in der gleichen reihenfolge: scharf, sauer, umami, süß, bitter

 

Wer sich also von der Menüliste angezogen fühlt, kann mich ja mal zum Essen einladen. Und sollte dies ein Gastronom mit eigenem Haus und übersichtlicher Speisekarte mit öfters wechselnden Gerichten lesen, ich habe da noch eine kleine Webseite rumliegen, die schnell angepasst werden kann und nix kostet.