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Eigentlich ist sie ein Abfallprodukt der Käseherstellung: Die Molke. In ihr vereinigen sich die flüssigen Bestandteile der Milch sowie gelöste Mineralstoffe, Vitamine und Milchzucker. Fett ist ganz raus, das Eiweiß, vor allem das Kasein, zu wesentlichen Teilen. Für viele Käsereien wird die Molke zu einem Problem, weil sie nicht wissen, wohin damit. Meist arbeiten sie mit Schweinemastbetrieben zusammen, wo sie als Futter eingesetzt wird.

Aber auch für die menschliche Ernährung wird ein Teil der erzeugten Molke genutzt. Gerade im Fitness- und Sportsegment hat sie eine gewisse Bedeutung erreicht, meist auch in Verbindung mit Fruchtsäften oder anderen Zusätzen. Nicht zu vergessen ist die Weiterverarbeitung zu einem fettarmen, fast fettfreien Molkenkäse. Der bekannteste dürfte hier der Ricotta sein.

Warum wird aber hier auf halbem Weg stehen geblieben? Hersteller anderer Produkte machen es vor. Wie wäre es denn mit Edelmolke in edlen Behältnissen zu edlen Preisen. Vielleicht schmeckt die Molke, die bei einer Bergkäseherstellung entsteht, doch etwas anders als eine Molke der Camembert- oder der Gouda-Herstellung. Natürlich spielt auch die "Lage" eine Rolle, also die Wiesen, auf denen die Kühe grasten, als sich die Milch bildete, aus der die Molke entstand. Wir unterscheiden dann auch noch Molke aus Molkenpulver und Direktmolke, die aus dem Käsebottich ohne Umweg in den Flakon kam.

Vor meinem geistigen Auge öffnet sich eine Situation, in der ich mit einem gekühlen Molkeschwenker in der Hand verträumt in einen Sonnenuntergang schaue, im - natürlich mundgeblasenen - Glas eine Tête-de-Moine-Direktmolke AOC aus der Klosterkäserei Bellelay (Schweiz), Graslage: gemischte Bergalmwiese (1430 m) mit leichtem Enziananteil auf einem sanft geneigten Südwesthang. Molksit!

 

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Gedankensplitter, die es (bisher) noch nicht in die Langform eines Blogbeitrages geschafft haben (01/2011):

  • Welchen Sinn haben eigentlich Beurteilungen in Arbeitszeugnissen? Durch den Zwang zur Positivbewertung wird da doch mehr gelogen als im politischen Wahlkampf.
  • Mir geht immer mal wieder ein Gesetzesentwurf durch den Kopf, den man mal der Umwelt zu liebe einbringen sollte: Klimaanlagen dürfen ihre Abwärme nicht in die Umgebungsluft abgeben. Entweder direkte Nutzung oder Speicherung (zum Beispiel im tiefen Erdreich unter dem jeweiligen Gebäude).
  • Nahrungsaufnahme erfolgt im Allgemeinen aus 2 Gründen: Sättigung und Befriedigung kulinarischer Bedürfnisse. Wenn eins von beiden auf die konkrete Speise nicht zutrifft, sollte man den Teller halbvoll zurück geben.
  • H-Milch schmeckt wie Frischmilch, wenn man die Frischmilch einige Male bis zum Topfrand aufschäumend kochen und dann wieder abkühlen lässt.
  • Cola ist ja ein recht schwarzes Getränk, Schwarzbier auch. Komisch, dass die Mischung beider (fertig zu kaufen bei den Biermischgetränken) heller als beide ist ...
  • Es war ein grauer Wintertag, der nicht wirklich hell war und an dem es schnieselte (Ableitung aus dem Kunstwort "Schniesel", einer Verkürzung von Schneegriesel). Vor mir fuhr ein Auto mit einem Aufkleber am Heck, der die Anschaltung von Fahrtlicht auch am Tage aus Sicherheitsgründen propagierte. Wie nicht anders zu erwarten fuhr das Auto natürlich ohne Licht. Und selbst ein Bremslicht war defekt.

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Manchmal, also, eigentlich öfters, oder sagen wir so: Wenn ich beim wöchentlichen Einkauf dran gedacht habe, mir einen kleinen Vorrat mitzubringen, trinke ich morgens gern mal ein Milchmischgetränk mit Kaffee, so wie es von verschiedenen Anbietern mit verschiedenen Namen und Geschmäckern und noch verschiedeneren Preisen angeboten wird.

Nun habe ich am letzten Samstag ein entsprechendes Angebot in Bio-Qualität entdeckt, dass ich natürlich ausprobieren wollte. Kurz zusammengefasst: Der Geschmackstest geriet zum Reinfall. Wobei nicht nur der Geschmack, sondern das ganze Mundgefühl negativ auffielen. Der Blick auf die Zutatenliste bestätigte die Vermutung: Reismehl und teilweise Reisstärke. Wer mal Reismilch pur getrunken hat, weiß, was man dabei im Mund spürt.

Die Namen von derartigen Milchmischgetränken sind sicherlich auch diskussionswürdig. Wenn man von den Original-Bedeutungen der Begriffe Espresso, Cappuccino (= Espresso mit Milchschaumhaube) und Latte macchiatto (= heiße Milch mit Espresso und Milchschaumhaube) ausgeht, fragt man sich, was sich hinter "Latte Espresso", "Espresso Macchiatto" oder "Latte Cappuccino" verbirgt. Immerhin blieb dem Trinker bisher die Kombination mit "Expresso" erspart.

Was jetzt aber Reismehl und -stärke in den Bechern zu tun haben, erklären die Begrifflichkeiten auch nicht. Vermutlich sollen sie andere Bestandteile (wie Sahne) aus konventionellen Getränken funktionell ersetzen. Aber Konsequenz weist der Hersteller damit auch nicht aus, sind doch sowieso schon zwei Verdickungsmittel in den Getränken enthalten, die nicht biogeadelt sind, die dem Namen nach aber aus der Natur kommen könnten.

Bei manchen Erzeugnissen unserer Nahrungsgüterindustrie kann man sich wirklich nur wundern. Wobei die Kennzeichnungspflicht zum Beispiel für allergene Stoffe schon hoch zu bewerten ist. Wichtig für Allergiker erzeugt es doch bei Nichtbetroffenen Grübeleien.

Aus diesem Grund habe ich mir mal einen "Joghurt Drink Pur" aus dem Sortiment eines Discounters gegönnt, weil mich der Allergiehinweis für ein pures Milchgetränk doch etwas irritiert hat. Vielleicht sehe ich es mal wieder etwas blauäugig, aber was erwarte ich von einem puren Joghurtdrink? Im wesentlichen Jogurt, der auf geeignete Weise trinkfähiger, sprich flüssiger gemacht wurde. Primär würden mir für diesen Zweck Milch oder Wasser einfallen. Immerhin wird das Getränk von einer Molkerei hergestellt, da liegen diese Zutaten nahe. Und so liegt es natürlich nahe, dass als Warnung "Kann Spuren von Roggen und Dinkel enthalten." lautet.

Ich mag ländliche Idylle. Dort, wo die Natur noch in Ordnung ist. Wo die Verarbeitung der Feld- und Stallfrüchte erzeugernah gleich im Dorf erfolgt. Wo die Mühle gleich neben der Molkerei steht und ein böser Wind Spuren von Getreide über der Molkerei entlädt.

Oder ist es doch was anderes? Blicken wir auf die Zutatenliste. An zweiter Stelle steht Wasser, das war zu erwarten, an vierter und gleichzeitig letzter Stelle Magermilchpulver. Bei einer nur 4 Bestandteile enthaltene Liste freut sich das Genießerherz. Knapp 7% Zucker, und damit Platz 3, sind auch enthalten. Muss das sein? Aber wir wollen gnädig sein, immerhin ist es besser als Fruktose, Glukosesirup, Süßstoffe oder anderes. Etwas weniger Zucker wäre aber auch nicht schlecht gewesen, ist das Getränk dadurch alles andere als erfrischend.

Hauptbestandteil ist übrigens nicht Jogurt sondern ein nicht näher beschriebenes "Joghurterzeugnis". Was ist das nun wieder? Ein Blick in die MilchErzV (Milcherzeugnisverordnung, PDF), § 2(2) sagt uns, dass ein Jogurt zum Jogurterzeugnis wird, wenn er mit Speisegelatine oder Stärke versetzt und außerdem auf über 50°C erhitzt wurde. Da man Stärke eben auch aus Getreide herstellen kann, erklärt das wohl den Allergikerhinweis. Und vielleicht nimmt ja der eine oder andere Naturköstler den Dinkelhinweis noch als besonderes Kaufargument, ist doch dieser Urweizen sehr in Mode.

Samstag ist Shoppingtag. Brot, Milch, Obst, Gemüse, Getränke, was für aufs Brot und vielleicht noch ein paar Leckerli. Man gönnt sich ja sonst nichts. Dabei werden natürlich immer die Augen offen gehalten: nach Angeboten, Neuheiten, anderen Kunden und deren Kaufverhalten sowie den Zutatenlisten auf den Packungen. Ich kaufe auch nicht alles.

Vor dem Milchprodukteregal konnte ich mir dann ein abschätziges Grinsen nicht verkneifen, ich hoffe, der andere Kunde hat es nicht gesehen. Lud er doch gerade einige Gebinde eines viel beworbenen und von Ökotest ausgezeichneten Jogurtdrinks in seinen Warenkorb. Ja, ich meine den, der bei foodwatch schon negativ aufgefallen war und für den ein gewisser Hendrik Hey eine Zeit lang Werbung gemacht und damit sein wissenschaftsjournalistischen Ruf endgültig ruiniert hat.

Ich weiß nicht, für was der Jogurtdrink bei Ökotest seine gute Bewertung bekommen hat. Vermutlich für die umweltfreundliche Verpackung. Ich will ihm auch seine Wirkung nicht abstreiten, ohne es beweisen zu können. Aber ob der Drink wirklich einen Mehrwert gegenüber einem normalen, einfachen Jogurt darstellt, darf zumindest bezweifelt werden.

Ein Blick auf das Preisschild zeigte 2,48 Euro/kg an. Ich habe mir einen Becher Naturjogurt gekauft. Vermutlich die gleiche Wirkung, nur eben ohne Placebo-Effekt. Und mit 0,78 Euro/kg entschieden gesünder für meinen Geldbeutel. Dafür konnte ich mir dann wieder ein paar ungesunde Sachen mehr kaufen. 😉 Aber vermutlich ist das genau die Philosophie dahinter.