Schlagwort: Radio und Fernsehen

Wiso (-) ist das Fernsehen schlecht?!

Wenn ich es mir richtig überlege, vermute ich bzw. fürchte ich sogar, dass ich andersartige Neigungen oder perverse Vorlieben habe. Manchmal habe ich sogar vor mir selber Angst. Aber was will ich machen? Ich bin nunmal wie ich bin. Von allem viel, und immer nur das beste – eine schöne Vision, aber darin liegt wohl das verkorkste.

Nehmen wir zum Beispiel das Fernsehen. Dessen Image ist zwar denkbar schlecht, aber es gibt immer noch die eine oder andere gute Sendung, sozusagen die Perlen zwischen den Säuen. Dafür (meist sind die dann bei den öffentlich-rechtlichen) zahlt man doch gern seine Rundfunkgebühren. Aber auch hier gibt es viel Schatten.

Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender können und müssen es sich leisten, ihre Zuschauer umfassend zu informieren und bei den wirklich wichtigen Sachen im Leben Aufklärung zu liefern. Dazu klären sie über Zusammenhänge oder auch Missstände auf, bringen unterschiedliche Meinungen zusammen und bieten sie mediumgerecht aufbereitet dar. Entsprechend arbeitende Magazine gibt es einige, die sich teilweise auch auf die Teilbereiche spezialisiert haben. Politik, Soziales, Wirtschaft, Wissenschaft, Geld, Gesundheit u.v.a.m. sind auffindbar.

Die Frage ist nur, wie diese mediumgerechte Aufbereitung aussehen kann. Wie können die Ergebnisse investigativer Recherche, tiefgehender Interviews, aufklärender Tests und einordnender Systematisierung zum Beispiel fernsehtauglich umgesetzt und den Zuschauern dargeboten werden? Die Antwort ist einfach: Als Unterhaltungsshow vor Publikumskulisse mit Szenenapplaus und allerlei Effekten, dramatisierenden Jinglen und Musikunterlagen, populistischer Produkt-Battles und einem Buchhalter als Moderator.

Wenn ihr jetzt denkt, was ist das für ein Blödsinn, dann empfehle ich mal das wirtschafts- und sozialpolitische Magazin des ZDF “WISO”, dortselbst montags um 19:25 Uhr zu sehen. Natürlich weiß ich, dass es das in der Form schon eine ganze Weile gibt, aber mir fiel es jetzt unangenehm auf, weil ich nicht so der Magazinschauer bin und nach der Sendungsansicht auch nicht werde. Man fragt sich unwillkührlich, für wen diese Sendung gemacht wird.

Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, blieb ich dran, um mir das ganze Grauen anzutun. Der angekündigte Produkttest interessierte mich inhaltlich, die dargebotene Form war so 1987, ich war mehrfach drauf und dran, doch wegzuschalten. Natürlich wurde vor dem alles entscheidenden letzten, man möchte fast sagen: finalen, Aspekttest, Werbung gezeigt. Alles in allem wurde ich das Gefühl nicht los, dass bei Verzicht auf die Showeffekte und das Publikum (wegfallende Beifallszeiten) mindestens ein weiteres Thema zeitlich sehr gut in die Sendung gepasst hätte.

Wenn Mittsechziger etwas für die jüngeren machen wollen und es dann wie für Mittfünfziger wirkt. Ziel erreicht.

 


Was sehen wir, wenns nichts zu sehen gibt?

Zur Zeit feiern die Fernsehsender, seien sie privat oder öffentlich-rechtlich, einen großen Feiertag, oder, genauer gesagt: Sie bereiten ihn vor. Es ist der 30. April 2012. Zelebriert wird die Abschaltung des analogen Fernsehens, auf das in zahlreichen, manche sagen auch in zu zahlreichen,  Fernsehspots hingewiesen wird. Selbst unsere hiesige Lokalzeitung nahm sich jetzt des Themas an. Grund dafür dürfte u.a. sein, dass beim ebenfalls hiesigen Kabelfernsehbetreiber die Nachfragen häuften.

Was lernen wir daraus? Werbung im Fernsehen, wenn sie die Leute anspricht, hat durchaus eine überragende Wirkung, vor allem bei denjenigen, die nicht so in der Materie stehen. Die Bedingung ist dabei, dass es die Leute direkt betreffen muss. Ein Fernsehabend ist ohne Fernsehprogramme, die man empfangen kann, auch nur halb so schön, aber dieses Szenario drohte ja laut TV-Spot. Irgendwie erinnert mich das an den Werbespot eines “Erkältungsheilmittels”, dass nach eigenen Angaben Deutschlands meist verkauftes und vor allem auch meist überschätztes ist.

Die Wissenschaft hat gezeigt: Eine Erkältung dauert ohne medizinische Behandlung 7 Tage und mit medizinischer Behandlung eine Woche. Was sollen Wirkstoffe in der Kapsel wie Paracetamol, Ascorbinsäure, Coffein, Chlorphenaminhydrogenmaleat (genau die sind da drin) schon ausrichten? Die Kopfschmerzen (so vorhanden) werden gelindert, das künstliche Vitamin C geht sowieso gleich in den Ausguss, Coffein kriegt man auch durch einen Espresso oder eine Cola und das letzte soll wohl die Nasenschleimhäute zum Abschwellen bringen. Das heißt: Es werden die körperlichen Reaktionen unseres Immunsystems unterdrückt, die eigentlich die beste Strategie gegen Erkältungen sind: Ruhe, Entspannung und Nasenfluss. Denn, das muss einem auch erst mal einer sagen, was wir als Erkältungssymptome wahrnehmen, sind eigentlich die Abwehrreaktionen unseres Körpers auf die Erkältung.

Der Erkältungstipp: Die drei oder vier Tage, wo die Erkältung am schlimmsten ist, einfach auf Krankenkassenkosten frei nehmen und es sich bei heißem Tee und heißer Hühnerbrühe auf dem Sofa bequem machen und etwas leiden. Das muss ja nicht nur durch das Nachmittagsprogramm der Fernsehsender sein, womit wir dann beim eigentlichen Ursprungsthema wären. 20 Fernsehsender stehen ab 1. Mai im Neubrandenburger Kabelfernsehnetz analog noch zur Verfügung. Ich vermute aber, dass zu dem Zeitpunkt eine Kanalsuche durchgeführt werden muss, nicht alle werden ihren Kanalplatz behalten. Der Auswahl der Sender standen sicher verschiedene Kriterien zu Grunde, Zuschauerinteresse war dabei nicht als Spitzenreiter dabei. Rechtliche Vorgaben und wirtschaftliche Interessen hatten vermutlich Vorrang. Wer mehr sehen möchte, kommt um den Kauf eines Receivers (DVB-C) oder eines neuen Fernsehers (ebenfalls mit DVB-C) nicht herum. Der Fachhändler ihres Vertrauens berät sicher gern.


Das mit den Quoten

Die Einschaltquoten sind die Währung in Fernsehen und Radio. Während bei den Hörern nur zweimal im Jahr eine telefonische Befragung gestartet wird, gibt es die Quoten beim Fernsehen täglich frisch auf den Tisch. Für viele Macher gehört die morgendliche Lektüre in Videotexten oder neuerdings auch im Internet zum Frühstück wie das Marmeladenbrötchen, die Kopfschmerztablette oder das Glas Wodka. ;-)

Greifen wir mal spontan den gestrigen Tag heraus und bedienen uns bei den Daten. Für eine Sendung wird u.a. angegeben: 3,46 Millionen Zuschauer =  10,8 % beim Gesamtpublikum (ab 3 Jahre). Für eine andere 6,34 Millionen Zuschauern = 34,1 % bei den 14- bis 49-jährigen. Hier nochmal Zahlen bezogen aufs gesamte Publikum: 1,96 Millionen Zuschauer = 6,2 %, 730 Tausend Zuschauer = 2,6 %, 2,61 Millionen Zuschauer = 8,6 % oder 5,56 Millionen Zuschauer = 15,9 %. Die Sendungszeitpunkte lagen zwischen 20 und 22:30 Uhr, also nicht alle gleichzeitig.

Probieren wir es mal strukturiert und etwas übersichtlicher:

  • 3’460’000 entspr. 10,8 %, also sind 100% = 32’000’000
  • 1’960’000 entspr. 6,2%, also sind 100% = 31’600’000
  • 730’000 entspr. 2,6%, also sind 100% = 28’100’000
  • 2’610’000 entspr. 8,6%, also sind 100% = 33’000’000
  • 5’590’000 entspr. 15,9%, also sind 100% = 35’200’000

Wir lernen also: Gestern abend saßen insgesamt etwas über 30 Millionen Zuschauer vor dem Fernsehgerät. Es war ein Freitag. Also fast Wochenende. Es war dunkel und kalt, soll heißen, also ungemütlich draußen.

Laut Wikipedia hat Deutschland zum Stichtag 81,8 Millionen Einwohner. Ziehen wir die bei den obigen Zahlen auch nicht gezählten 0- bis 3-jährigen ab, sollten wir bei etwas unter 80 Millionen potenzielle Fernsehzuschauer liegen. Es waren aber nur weniger als die Hälfte! Von fünf Einwohnern haben nicht mal zwei ferngesehen. Was haben denn die anderen getan? Wozu haben sie sich die teuren Flatscreens gekauft? Wozu werden Jahr für Jahr 15 bis 20 Milliarden Euro dafür ausgegeben, über 70 frei empfangbare Fernsehprogramme herzustellen?


Enttäuscht vom Idol

Irgendwann letzte Woche hatte ich die Folge einer Kochsendung schon mal gesehen. Heute gab es auf EinsPlus die Wiederholung (in den nächsten Tagen sind weitere geplant). Als Fan von Vincent Klink (“Kochkunst” auf SWR und EinsPlus) überzeugte mich die unaufgeregte natürliche Kochweise des schwäbischen Kochs. Aber er ist nicht nur das! Zusammen mit Wiglaf Droste gibt er sogar eine kulinarische Literaturzeitschrift (oder auch eine literarische Kulinarzeitschrift) heraus.

Knödel stehen im Mittelpunkt der aktuellen Folge. Zusammen mit Co-Moderatorin Evelin König werden Spinatknödel mit Käsefüllung und -soße sowie Quarkknödel mit karamellisierter Ananas zubereitet. Zum Zeitpunkt der Niederschrift kann man sich die Folge hier ansehen. Beim Bereiten der Käsesoße glaube ich meinen Augen kaum (ab ca. 13m50): Instant-Gemüsebrühe!!! Bei Vincent Klink!!! Ich bin enttäuscht. Maßlos.

Da hilft auch nicht die kleine Panne der Moderatorin. Bei Minute 20m12 gibt sie Semmelbrösel in die Quarkknödelmasse. Auf Vincent Klinks Frage, ob das genau 100g sind, antwortet sie mit ja. Wer sich die ganze Sendung angesehen hat, wird bemerken, dass sie die Brotmenge nicht(!) abgewogen hat. Bei 20m34 gibt es dann den flehenden Blick in Richtung Fernsehpublikum: “Bitte verratet mich nicht. Hoffentlich geht das gut.”


Prägender Hintergrund?

Obwohl es eigentlich zu viel Geld in Deutschland gibt – die aktuelle Krise ist auch eine Überflusskrise, so komisch das klingt -, wird es auch irgendwie immer knapper. So ist es durchaus einzusehen, dass zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bei ihren TV-Produktionen zusammenarbeiten. Eine lange, in der letzten Zeit wieder immer mehr auflebende Kooperation gibt es zwischen dem NDR und dem WDR.

Schaut man ins Radioprogramm, so findet man viele Beispiele: das Nachtprogramm von NDR2 und WDR2, mindestens drei Nachrichtenmagazine in den Infoprogrammen usw. usf. Auch im Fernsehbereich wird sichtbar gemeinsame Sache betrieben, zum Beispiel bei der Sendung “Von und zu lecker”, zur Zeit mittwochs um 21 Uhr auf beiden Kanälen.

Bei der Sendung geht es darum, dass sich adlige Landfrauen im Wettbewerb gegenseitig bekochen; nebenbei gibt es etwas Home-Story für die Zuschauer, viel ländliche Idylle und leckeres Essen. So weit, so gut. Das ergäbe noch keinen Eintrag in diesem Blog. Die Ausstrahlung der Sendung wirft eine Frage auf: die nach den Unterschieden und dem Grund dafür.

Obwohl oder weil diese Sendung bei den beiden beteiligten Sendern gleichzeitig ausgestrahlt wird, fallen die beiden Unterschiede vielleicht nicht gleich auf. Ok, der eine läuft unter Pillepalle: Natürlich hat NDR und WDR jeweils ihr eigenes Logo eingeblendet. Aber es gibt noch einen Unterschied, der die Frage nach dem Sinn aufwirft.

Bei derartigen Sendungen gibt es – wie bei vielen anderen auch – einen “Off-Sprecher” bzw. eine “Off-Sprecherin”. Das ist die nette Stimme, die vor der Kamera keine Rolle spielt, aber inhaltlich den roten Faden webt, an dem sich die Handlung entlanghangelt. “Von und zu lecker” hat sogar beides: einen Sprecher und eine Sprecherin. Das ist auch noch nicht verwunderlich, gibt es dafür auch zahlreiche Beispiele. Meist haben die Sprecher dann unterschiedliche Aufgaben. Aber hier? Wer sich die Sendung nur auf einem der beiden Sender anschaut, bemerkt nur einen Sprecher. Beim WDR eine weibliche Stimme, beim NDR eine männliche. Da stellt sich dann aber die Frage nach dem “Wozu?”. Zumal beide, den Eindruck gewann ich durch Stichproben, praktisch das gleiche sagen.


Kochen mit Anregung

Was macht der ambitionierte Hobbykoch, der zum einen einer interessanten Sendung im Fernsehen folgen möchte, andererseits aber auch noch eine Kochexperimentalzutat im Kühlschrank hat? Erschwerend kommt hinzu, dass das Programm, das angesehen werden soll, irgendwie gerade nicht mit dem Fernseher empfangbar ist?

Glück im Unglück: DMAX ist erfreulicherweise ein Sender, der auch mittels der Internet-TV-Plattform Zattoo anzusehen ist. Also bauen wir mal ein wenig was auf: W-LAN, Netbook, Aktivlautsprecher (batteriebetrieben), Notenständer, Küche, Fotoapparat:

Das Gesamtensemble sieht dann so aus und alles ist machbar. Die Aktivlautsprecher sind eigentlich nur dabei, weil die Quäker des Netbooks gegen die Arbeitsgeräusche beim Kochen sicher nicht ankommen. Und nebenher kann man dann doch noch fernsehen.

Die kleinen Lautsprecher sind erstaunlich gut, der batteriebetriebene Verstärker liegt hinter dem Monitor, auf dem junge Zwiebeln zu sehen sind, die zu einer kleinen spanischen Leckerei verarbeitet werden. Was es in meiner Küche gab, gibt es beim Herdnerd zu sehen.


Klein, aber nicht fein

Schade, dass “Comedy Central” in Deutschland nur ein kleiner “Kabelsender” ist, für den die Beschreibung “Abklatsch vom Original” noch positiv übertrieben wäre. Nun kann man über Abspielstationen amerikanischer TV-Altware gespalteter Meinung sein, die eine oder andere Perle findet sich trotzdem.

Wie jeder gute Diamant, so haben die Perlen auch eine Fassung, die das ganze halten sollen. Da übernimmt Comedy Central mal drei große Shows vom reicheren Onkel aus Amerika und kauft sich hier statt einer vernünftigen Synchronisation eine gestelzt und bemüht lustige (nicht wirklich) Moderation ein, wie ich sie in Amateurpodcasts schon besser gehört habe.

An den letzten drei Samstagabenden hat CC drei sogenannte Roast gesendet, in gewissem Sinn das Gegenteil von Prominentenhuldigungsshows. Mehr oder wenige bekannte Comediens “rösten” jeweils einen Stargast (und die anderen anwesenden Prominenten). William Shatner, David Hasselhoff und Charlie Sheen waren die Opfer. Ich habe mich köstlich amüsiert.

Getrübt wurde die Freude nur durch die immer wieder gleichen Programmhinweise des Senders und die oben schon beschriebenen Moderationssimulationen durch eine gewisse Desiree Nick. Den Halloween-Spezial-Abend moderiert, laut Teaser genauso stocksteif und teleprompterorientiert, Ingrid van Bergen. Gut, dass ich da eine Einladung habe und es nicht sehen kann.

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Unnütz und überflüssig

Ein ganz wichtiger Gedanke gleich an den Anfang: Die nachfolgende Aufzählung ist auf keinen Fall vollständig. Sie ist auch streng subjektiv. Aber sie soll mal eine Anregung zum Weitergucken sein.

75 (in Worten: fünfundsiebzig) Fernsehsender bringt mir mein Hausaltar ins Wohnzimmer, die ich mir ansehen kann, die an mich gerichtet sind. Nicht alle Sender bringen rund um die Uhr Programm, so dass wir nur mit ca. 1500 Stunden pro Tag rechnen müssen. Bei der Masse gibt es dann doch schon mal die eine oder andere Minute, die überdenkenswert oder gar überflüssig ist. Eine Auswahl:

  • Börsenberichterstattung
    Wieviele Deutsche besitzen Aktien? Weniger als 4%, so heißt es. Da gibt es ausreichend andere, ähnlich umfangreiche Randgruppen, die in den Medien nicht so präsent sind.
  • Lottozahlen in den Hauptnachrichtensendungen
    Hallo? Jede Lottowerbung muss mit dem Hinweis auf das Suchtpotenzial versehen werden, warum kommt wird das nicht bei der Werbung für Lotto in den Nachrichtensendungen gemacht? Der gute Zweck, der mit den Erlösen unterstützt wird, heiligt nicht alle Mittel.
  • Wetterbericht bei EinsExtra aktuell kurz vor der vollen Stunde
    Was soll das? Mehrere dynamische Wetterkarten gleichzeitig, die unerläutert in der Gegend rum stehen. Ich hoffe mal, dass ich nicht der einzige bin, der da überfordert ist, dem zu folgen.
  • Scripted Reality Shows, die sich den Anschein geben, echt zu sein
    Eigentlich müsste während der ganzen Sendung der Hinweis, dass alles gescripted ist, also erstunken und erlogen, vornehm: ausgedacht, als Logoergänzung eingeblendet werden, ähnlich wie bei Live-Sendungen. “Verdachtsfälle”, “Betrugsfälle”, “Mitten im Leben”, “Familien im Brennpunkt”, “Die Schulermittler”, “Unter uns”, “Alles was zählt”, …
  • Betroffenheitstriefende Moderatorengesichter in Boulevardmagazinen, wenn es in einem Beitrag “gemenschelt” hat
    Das kommt immer so falsch und gespielt rüber, schrecklich. Es wäre schön, wenn man öffentlich-rechtliche Sender von dieser Kritik ausnehmen könnte, aber leider geht das nicht. “Brisant” scheint da ein Vorreiter zu sein, das wundert aber nicht, weiß man, welche Anstalt für die Sendung verantwortlich ist.
  • manche Teleshopping-Sendung
    Die Betonung liegt auf “manche”, vor allem, wenn solche Sätze vorkommen wie: “Sie bekommen gratis dazu diese Deckelhalterung, wir berechnen ihnen dafür lediglich eine kleine Bearbeitungsgebühr von 9,95€  …” Die Teleshopping-Sender schließe ich mal pauschal von diesem Vorwurf aus, handelt es sich dabei doch rein rechtlich um kein Fernsehen sondern um Mediendienste. Allerdings habe ich sie bei den 75 Fernsehsendern oben mitgezählt. ;-) Sie haben nicht nur rein wirtschaftliche Interessen, sondern auch eine wichtige psychologische Funktion, sind das doch die einzigen Programme, die weitläufig direkt mit den Zuschauern kommunizieren.
  • Jugendsendungen von Erwachsenen
    Neulich las ich mal folgende Sendungsbeschreibung: “DASDING.tv ist die lässigste Sendung im SWR Fernsehen. Versprochen. Außer Du stehst auf Eisenbahnromantik.” Ein echter Schenkelklopfer, zumal, wenn man beide Sendungen kennt. Müsste es da nicht auch “… lässlichste Sendung …” heißen? Manchmal fühle ich mich beim Anblick solcher Sendungen an einige Mittdreißiger erinnert, die immer noch krampfhaft versuchen, wie Mittzwanziger zu wirken. Die dazu gehörige Floskel lautet: “auf jung gequälte Tabakruine”.
  • “Sender XY aktuell Eins30″ oder “Nachrichtenflaggschiff in 90 Sekunden” Kompaktnachrichten
    Natürlich weiß ich, dass diese Sendungen nicht primär für die Ausstrahlung im Fernsehen produziert werden, sondern als Fastfood für die Generation Internet. Vermutlich lässt aber irgendein (Staats-)Vertrag die reine Internetausstrahlung nicht zu. Sie sind gekennzeichnet durch übergroße Schrifteinblendungen, Standbilder und einer Moderationsoptik, die Nasenhaare und “das weiße im Auge des Moderators” erkennen lässt. Eben die Anforderungen für die niedrigen Auflösungen im Internet. Dazu eine Handvoll Fakten, die einem um die Ohren gehauen werden, ohne Einordnung, ohne Hintergrund, ohne Sinn, wenn man nicht sowieso halbwegs auf dem laufenden ist. Internetclips im Fernsehen – das vergleichbar mit der ähnlich sinnvollen Ausstrahlung einer Fernsehsendung im Radio. Gibt’s auch.

… und alle so – Ooooohhh.

Man kann gar nicht so viele Krägen anziehen, wie sie einem manchmal platzen könnten. Zur Zeit ist es mal wieder besonders schlimm. So viel geheuchelte Betroffenheit, so viel falsche Trauer, so viel simulierte Anteilnahme. Das wirklich schlimme daran ist, dass es nicht nur die Politiker sind, die da mitheulen. Was erstaunt ist das massenmediale journalistische Einheitsgeheule. Und dann die Derrick-Frage: Was haben sie am 11.09.2001 gemacht? Das wissen Sie doch noch! Alle wissen das! Alle wissen, was sie am 11.09.2001 gemacht haben!!! Alle!!!! Entschuldigt den rüden Ton, aber es kotzt mich an!

Grundsätzlich: Die Ereignisse des 11. September 2011 waren schlimm und sind durch nichts zu entschuldigen. Jedes einzelne der 3000 Opfer ist eins zu viel. Die Trauer der Hinterbliebenen wird sicher mit der Zeit milder, aber sicher nie aufhören. Mein Mitgefühl ist ihnen sicher. Die Verantwortlichen für die Anschläge gehören zur Rechenschaft gezogen. Gedacht werden soll auch an die Überlebenden, die zwar ihr Leben behalten, aber ihre Gesundheit und/oder ihre Unversehrtheit verloren haben.

Mindestens drei Nachrichtensendungen habe ich mir nicht angesehen, weil sie mit dem Gedanken anfingen: Wissen Sie noch, was Sie am 11. September 2001 getan haben? Fragen Sie die Leute! Alle wissen das noch. (Gibt es eigentlich nur einen Autor für Nachrichten in Deutschland?) Hinzu kommt die kommerzielle Ausschlachtung des Themas in Filmen und Dokumentationen. So ein wenig wundert es mich, dass keine Staatstrauer ausgerufen wird. Vermutlich wird das nicht getan, weil das Arbeitsplätze gefährdet in der Gastronomie, in Diskotheken und anderen Vergnügungsstätten, da dann Einnahmen bringende Feierlichkeiten nicht stattfinden dürften.

Wo bleiben eigentlich die großen medialen Betroffenheitssendungen für die Ereignisse, die mehr Opfer fordern? Wieviele Opfer forderte das militärische Eingreifen der NATO in Libyen? Wie viele Opfer gab es in den beiden Irak-Kriegen? Wieviele Menschen verhungern zur Zeit in Ostafrika? Wieviele Menschen sterben allein in Chicago in einem Jahr durch Schusswaffengebrauch? Der Verdacht liegt nahe, dass nur die Ereignisse Zugriff auf unsere Tränendrüsen haben, die auch medial gut rüberkommen. So ein verhungernder Schwarzafrikaner, bis der so tot ist, das dauert. Die fallen ja auch nicht alle gleichzeitig um. Aber zwei Hochhäuser, in die zwei Flugzeuge fliegen? Das kracht, dass bumst, das scheppert, da gibt es eindrucksvolle Bilder. Und das Ereignis ist zeitlich fassbar; die wesentlichen Teile finden in dem Zeitrahmen statt, den der Mensch auch zum Anschauen eines Spielfilms verwenden würde.

Die Verbindung ist sicherlich an den Haaren herbei gezogen, aber es gibt ein kleineres Ereignis jedes Jahr, über das man in solchem Umfeld auch gern mal nachdenken kann. Auch in diesem Fall gilt die ernst gemeinte Anteilnahme den Opfern und Hinterbliebenen. Es geht hier nur um die mediale Aufarbeitung. Rund um das Jahr 2002 herum gab es weltweit etwa genauso viele Tote durch AIDS wie durch Durchfallerkrankungen. Spendengalas habe ich meiner Erinnerung nach nicht gesehen; eine braune Schleife hat auch noch niemand getragen.


Rückblick ungeschriebener Artikel

Gedankensplitter, die es (bisher) noch nicht in die Langform eines Blogbeitrages geschafft haben (07/2011):

  • Fernsehen im Sommer heißt, dass das Programm der Shoppingkanäle interessanter wird als das der anderen Sender.
  • In einer Dokumentation über einen Palast in Rom gehört: “… erbaut von Papst Paul II.” Das will ich sehen, wie der Papst da persönlich die Maurerkelle geschwungen hat.
  • Vom Rechner aus ist der Fernseher nur zu hören, nicht zu sehen. Trotzdem läuft der Fernseher, wenn ich am PC sitze und nicht das Radio. Warum? Vermutlich würde mich das inhaltsschwerere Radio mehr ablenken als das Fernsehsommer(loch)programm.

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