Manchmal liebe ich ja die Presse, vor allem, wenn sie schöne, sachlich fundierte und möglichst investigative Artikel enthält. Ein Schuss Aufklärung bzw. Bildung kann ja auch nicht schaden, vor allem, wenn das auch noch unabhängig irgendwelcher Geldgeber passiert.

So fand sich in Welt und Berliner Morgenpost unter dem Label "Ernährung" ein Artikel mit der Überschrift: "So wollen Forscher die Fettbombe Wurst entschärfen". Der Anrisstext sagt, worum es geht: "Magere Zeiten für die deutsche Wurst: Lebensmitteltechniker wollen Mortadella, Wiener und Salami vom Fett befreit. Ob das die Käufer schlanker macht?"

Dazu zwei Gedanken: Mittlerweile hat die Forschung gezeigt, dass das Fett in der Ernährung nicht wesentlich an der Fettlebigkeit der Bevölkerung schuld ist. Vieles deutet eher auf die Bewegungsarmut und die Kohlenhydrate hin. Außerdem ist Fett ein wichtiger Geschmacksträger, dessen Entzug also aromatisch ausgeglichen werden muss. Da möchte ich mir nicht vorstellen, was stattdessen in die Wurst reingerührt wird.

Zum anderen haben die Deutschen natürlich eine große Wursttradition und -vielfalt. Gleich nach der Brotvielfalt ist das abwechslungsreiche Wurstsortiment ein Markenzeichen Deutschlands, nirgendwo sonst weltweit kann man aus mehr Sorten wählen. Aber hier zeigte der Autor mit traumwandlerischer Sicherheit, dass man sich wunderbar vergreifen kann: Mortadella und Salami sind nun keine Wurstsorten, die für die deutsche Esskultur stehen, werden sie doch eher in Italien verortet. Und selbst bei der "Wiener" (auch als "Franfurter" bekannt) streiten sich die jeweiligen Lokalpatrioten noch, ob sie wirklich aus Frankfurt/Main oder doch aus Wien kommen.

Irgendwann hatte ich schon mal erwähnt: Ich mag Krakauer. Nicht unbedingt die im Bockwurstformat, aber als Aufschnitt finde ich sie lecker -  wenn sie gut gemacht sind, was selten genug vorkommt. Bei einem hiesigen Fleischer habe ich eine entdeckt, die ganz gut ist und die auch noch selber produziert wird. Ein Discounter hat welche, allerdings schon in Scheibenform, vorrätig, die auch munden.

Freunde haben mich mal nach Stettin zum Shoppen mitgeschleppt. Da die Wurst einen polnischen Ursprung hat, vermutete ich, dass sie dort auch zu finden sein müsste. Ich wurde nicht enttäuscht, fand ich doch meterweise Krakauer im Kühlregal. Bei der Auswahl bewies ich dann noch ein glückliches Händchen, erwischte ich ein wohlschmeckendes Exemplar.

Mittlerweile habe ich schon ein paar Marken durch, die alle nicht schlecht waren. Aber warum muss man deswegen immer nach Polen fahren. Ok, der Wurstkauf war nicht immer der einzige Grund, aber trotzdem. Wie war ich da froh, eine "Original polnische Krakauer" in einem der hiesigen Supermärkte zu finden. Die Verpackung, das Logo ... Ich erkannte sie wieder, hatte ich sie doch schon mal in Stettin gekauft. Natürlich landete ein Stück in meinem Einkaufswagen und dieser Tage mit dem Weg über die Zunge auch bei mir im Magen.

Damit wären wir dann bei der Frage in der Überschrift: "Warum machen die das?" Die hier erworbene Krakauer hatte ein Aroma mit dabei, dass ich zum einen bei deutschen Krakauern schon öfter bemerkt habe - das ich nicht mag - und zum anderen, dass ich bei echten polnischen (und bei der von meinem selbst produzierenden Schlachter) nicht gefunden habe. Gibt es da ein deutsches Dauerwurstgesetz, dass irgendwelche Beigaben vorschreibt, die das Aroma verfälschen? Vorzustellen wäre es.

Als guter Kulinariker probiere ich immer mal wieder die kleinen Perversitäten der Lebensmittelindustrie (den Begriff finde ich schon verbotswürdig). Frei nach dem bekannten Motto: "Was uns nicht umbringt, macht uns stark".

Als bekennender Fleisch- und Wurstesser habe ich mal ein Glas Dosenwürstchen eines bekannten Herstellers mir nach Hause genommen und probiert. Wer isst sowas? Das ist doch nur Bäh. Der einzige Vorteil scheint die lange Haltbarkeit zu sein, aber Notrationen gibt es doch normalerweise nicht im Supermarkt, sondern beim Katastrophenschutz. Mir tat nur der Senf leid, der diesen Geschmack teilen musste.

Es geht doch nichts über die Würstchen (Wiener, Knacker, Bockwürste) vom Fleischer.