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Manchmal bin ich doch etwas emotional. Zwischen Freude und Glück gibt es auch immer mal wieder das Gefühl maßloser Enttäuschung. Der Luxus daran ist, wenn man so etwas auch an Kleinigkeiten festmachen kann und nicht wirklich wichtige Bereiche des Lebens betroffen sind. Apropos Luxus: Die zu dieser Vorrede passende Geschichte hat mit einem kürzlich erworbenen Küchengerät zu tun, genauer gesagt mit einem der Bestandteile des Lieferumfangs.

Neben einer Bedienungsanleitung fand sich auch ein kleines Rezeptheft im Karton. Aufgrund Zeitmangels bin ich bisher nur dazu gekommen, die Maschine auszupacken und besagte Druckerzeugnisse zu lesen. Gerade schöne Bilder leiteten mich schnell zu den Koch- und Zubereitungsanleitungen; mit riesiger Vorfreude erwartete ich kulinarisch wertvolle Anregungen. Immerhin gehört das Küchengerät zu den hochwertigen Bestandteilen meiner Küche, so dass ich das auch von den Beigaben erwartete.

Ein Fehler, wie sich schnell herausstellte. Sicher kann man zu dem hier bemängelten Produkt stehen wie man will, aber bei dem Umfeld habe ich es nicht erwartet. Im Überschwung der Gefühle habe ich - zugegeben: nur ganz kurz - daran gedacht, die ganze Maschine wieder einzupacken und zurückzuschicken. Auf den Seiten 4 bis 31 des Rezeptheftes sind ein paar ganzseitige Bilder und sonst viele Rezepte zu sehen. Aber gleich beim ersten ging es los, und es war kein Ausrutscher:

Seite 4: 2 Würfel Gemüsebrühe
Seite 5: 1 Würfel Gemüsebrühe
Seite 10: 1 Würfel Fleischbrühe
Seite 12: 1 Würfel Gemüsebrühe
Seite 14: 1 Würfel Gemüsebrühe
Seite 19: 1 Würfel Gemüsebrühe und 1 Teelöffel gekörnte Brühe

Peng! Da möchte man mit der Küchenpistole drauf schießen. Zweifelhafte Mischungen aus Geschmacksverstärkern, Salz und anderen Hilfsstoffen, sowas habe ich nicht erwartet. Mit schreckhafter Vorsicht sehe ich mir ein enthaltenes Risotto-Gericht genauer an. Aber, welch Wunder: In der Zutatenliste steht plötzlich und einmalig im Heft: "700 g Fleischbrühe, heiß". Gerade Risotto, das wirklich von der verwendeten Brühe lebt, mit dessen künstlicher Abart zubereitet, undenkbar. Aber ich beruhigte mich. Es wird völlig korrekt heiße Fleischbrühe bei den Zutaten aufgezählt.

Die Zubereitung werde ich unbedingt mal ausprobieren, übernimmt das Küchengerät das manchmal doch etwas nervende ständige Rühren, das ein Risotto erst zu einem guten Risotto macht. Und mal sehen, was die Kochprofis denn noch für Tipps bereit halten, die am Ende des Rezeptes stehen: "Selbst hergestellte Fleischbrühe durch Instantbrühe ersetzen." Peng! Peng! Peng! Peng! Peng! Peng! Peng! Peng! Peng! *pffffffft*

Keine Angst. Mir geht es gut. Und auch das Rezeptheft ist noch lesbar, die Löcher sind an keinen wichtigen Teilen. Ich habe mich wieder beruhigt. Die Stellen mit der künstlichen Industriebrühe sind erkundet und eingegrenzt, es kann nichts mehr passieren. Ich blättere, wieder entspannt, im Rezeptheft. Oh, guck mal, auf dem Foto ist Geschnetzeltes mit Salzkartoffeln zu sehen. Ohne Soße. Komische Kombination. Was soll denn das sein? Ach, Gyrosgeschnetzeltes steht über dem Rezept. Das ist ja interessant. Mal sehen, wie die das würzen ...

Und dann der GAU: Seite 10: "500 g Gyrosgeschnetzeltes, fertig gewürzt". *zisch**flatter* *knall* *plumps*
Ist es nicht manchmal erstaunlich, welchen Eindruck eine 32-seitige DIN-A5-Broschüre aus Glanzpapier auf einer Standard-Raufasertapete hinterlassen kann, wenn ihre Falzkante als erstes dort ankommt? Fertig gewürztes Gyrosgeschnetzeltes für Pfannengyros ist eines der ekelhaftesten Fleischprodukte, dass die herstellende Industrie je ersonnen hat, egal, ob es dann von einem Imbiss, Pizzaservice oder der eigenen Pfanne dargeboten wird. Eine Geschmackskatastrophe ohne gleichen!

Ich werde mir vornehmen, als erstes zu erkunden, wie man mit diesem teuren Küchengerät vernünftige Brühen oder Fonds herstellt, ohne dass es eines großen Aufwandes bedarf. Bei einem Fassungsvermögen von 2 Litern wird das nicht einfach, aber nicht unlösbar.

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