Geistreiche Bemerkungen vom 25.01.2015

Jeder Idiot, der irgendwo rausgeschmissen wird, taucht wieder als Berater auf. Ich habe bislang noch jeden erschossen, der in mein Büro gekommen ist.
Michael O’Leary

Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.
William Faulkner

Man muss die Zukunft abwarten und die Gegenwart genießen oder ertragen.
Wilhelm von Humboldt

Die Gegenwart ist der Zustand zwischen der guten alten Zeit und der schöneren Zukunft.
Zarko Petan

Zufall ist vielleicht das Pseudonym Gottes, wenn er nicht unterschreiben will.
Anatole France

Wir dürfen das Weltall nicht einengen, um es den Grenzen unseres Vorstellungsvermögens anzupassen, wie der Mensch es bisher zu tun pflegte. Wir müssen vielmehr unser Wissen ausdehnen, so dass es das Bild des Weltalls zu fassen vermag.
Francis Bacon

Wässer fehlen – und das Bild hängt schief

„Ein Ring, sie zu leiten, sie alle zu finden,
ins Labsal zu treiben und lecker zu binden.“

Für diesen Reim scheint es irgendeine Vorlage gegeben zu haben, aber da schweigt des Autors Höflichkeit, den Leser zu bevormunden mit Wissen, dass er sicher selber hat. Aber dafür deuten die zwei Zeilen auf einfach zu erreichende Atzung hin, die wohl auch nicht schlecht gewesen sein kann.

Der gute Ruf eilte dem Restaurant schon ein wenig voraus. Obwohl wir mit solchen Einrichtungen schon einige Male eine Bauchlandung erlebten, versuchten wir es mal wieder im Guten. Vielleicht haben wir ja Glück. Eine Bekannte bestätigte noch den guten Ruf, warnte aber vor der einen bestimmten Servicekraft. Nachdem wir am Tisch Platz genommen hatten, konnte erleichtert deren Ab- und eine alternative Anwesenheit festgestellt werden. Der Abend konnte beginnen.

Die Karte teilt sich in zwei Teile: Der eine weiß und schwarz beschriftet, papieren in der Anmutung. Der andere schwarz mit weißer Schrift, eher an eine alte Schultafel erinnernd. Geduldig das Papier mit Speisen, die länger im Programm sind, die Tafel mit aktuellen Angeboten, wenn auch ohne Preise, worüber man nachdenken sollte. Alles in allem ist die Auswahl übersichtlich: sieben kalte und warme Vorspeisen, neun Hauptgerichte, zwei Desserts und Milchreis. Das verspricht gute Handarbeitsküche und keinen Convenience. Wir waren gespannt.

Nachdem die Getränke bestellt und ausgeliefert waren, ging es an die Bestellung. Und wenn drei Leute sich ein Menü zusammenstellen, dann sind das neun Gerichte. Der Service ließ es drauf ankommen, zumal die Gäste nur acht bestellte, er aber nichts notierte. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Es kamen die richtigen Gerichte, nur bei der personellen Zuordnung haperte es. Jammern auf hohem Niveau. Bis das Essen kam, blieb ein wenig Zeit, die Bilder aus der deutschen Geschichte ein wenig in Augenschein zu nehmen, die die Nägel in den Wänden zierten. Gute Handarbeitsküche kann schon mal ein paar Minuten länger dauern, wenn auch andere Gäste anwesend sind.

Zarte, saftige Hähnchenspieße mit einer Erdnusssoße und Salat kamen auf einem wunderschön ausgestalteten Teller daher, und man möchte das Wort perfekt benutzen, wenn man sich nicht noch ein wenig Bewertungsrahmen nach oben offen halten möchte. Ähnliches gilt für die Rote-Bete-Suppe mit Kokos und Gans, die ebenfalls mit sehr viel Genuss verspeist wurde. Außerdem kam da noch eine “Kalbsleber mit mariniertem Kürbis und Graupen” auf’s Essmöbel. Es ist wirklich sehr schade, dass im Restaurant nicht genug Licht war, um mit dem Smartphone ein schnelles, unauffälligs Bild zu machen! Das Auge schlemmte mit, der in hauchdünne Scheiben geschnittene Kürbis, mit einer Vigniegrette, türmte auf zwei Leberstreifen, die wiederum auf einem kleinen Häufchen Graupen lagerte, umgeben von einem Arrangement kleiner, bunter Salatblätter, Brombeeren und Scheiben der Drachenfrucht. Man wollte dieses Kunstwerk beinahe nicht zerstören. Es wäre aber schade gewesen, es einfach nur so auf dem Teller liegen zu lassen, war der Kürbis in einer Form, der auch Kürbishassern geschmeckt hätte, und die Leber so zart und saftig auf den Punkt gegart, dass nur der Schluss zu ziehen ist, dass in der Küche eine sehr gute Arbeit geleistet wird.

Kleine Pause für die Esser – Auftritt Service. Die Essplätze waren anfangs mit Platzsets, auf denen eine Serviette und einmal Messer und Gabel angeordnet waren, ausgestattet. Zur Suppe kam ein Löffel dazu, der mit dem Geschirr auch wieder abgeräumt wurde. Die Leber wurde mit dem vorhandenen Besteck gegessen und ebenfalls abgeräumt. Und auch zum Hähnchenspieß gab es ein extra Besteckteil, trotzdem wurden Messer und Gabel genutzt, obwohl das sicher ursprünglich mal nicht so geplant war. Aber auch ein Gast macht mal Fehler. Deswegen wurde das Besteck auf der Serviette abgelegt, bevor das Geschirr abgeräumt wurde. Was dann folgte, war einer der Lichtblicke im Service: Nachdem das abgetragene Besteck wieder nachgelegt wurde, wurde ebenfalls noch das benutzte, aber zurückbehaltene Besteck inklusive der drunter liegenden Serviette ebenfalls ausgetauscht. Das muss man erst mal sehen.

Dann kamen die Hauptgerichte. Der Zander war leider aus, wurde aber durch seinen Kollegen Wels würdig vertreten, der sich dann den Teller mit einer risottogefüllten Spitzpaprika und Graupen sowie einiger essbarer Verzier teilten. Der Teller ging nach einer angemessenen Zeit zusammen mit den anderen aber absolut leer in die Küche zurück. Mehr muss man eigentlich nicht sagen. Der Pastateller mit Rinderstreifen, Tomaten, Rucola, Champignons und Soße – vielleicht etwas umfangreich geraten, war ebenso nahe an der Perfektionsgrenze angesiedelt wie die anderen Speisen, die es über den Gaumen in den Magen geschafft hatten. Die zarten Kalbsbäckchen in eigener Soße mit Möhren-Sellerie-Gemüse (Karte: Wintergemüse) und einer Kartoffel-Kräuter-Rolle, die ebenfalls ihren Genießer fanden, waren “Gebt-mir-einen-Löffel-was-soll-ich-mit-dem-Messer”-zart. Ein klassisches Schmorgericht, sehr anmutig interpretiert, dass man seine gute Erziehung und die gesellschaftlichen Konventionen verteufelt hat, weil man den Teller nicht ablecken durfte.

Für die im Dessertgang georderte Crème brûlée hatten wir den Fachmann am Tisch, und auch das Winterdessert, eine Panna Cotta mit einem winterlichen (Zimt u.a.) Eis, wurden bestellt und geliefert. Crème brûlée gab es schon einige Male und wenn man es mit anderen Präsentationen vergleicht, kam es selten aufgeräumt auf den Tisch. Die Creme in einer flachen Schale, die knusprige Karamellschicht oben drauf, dazu eine halbe Feige, eine rote Johannisbeere und eine Brombeere. Was lernen wir daraus? Wenn die Küche eine gute Crème brûlée auf den Tisch bringt, dann braucht es kein Chi Chi wie ein Basilikum-Minz-Sorbet oder ein Ananasragout daneben, dass sich beim Verzehr außerdem noch als Apfelkompott herausstellte. Aber das ist eine andere, ältere Geschichte.

Der Rest ist schnell erzählt. Espresso und Cappuccino waren gut, aber begleiterlos, was den Gedanken in den Raum warf, ob die Geschichte mit dem kleinen Wasserglas zum Espresso wirklich vom Espresso, also aus Italien, kommt oder doch eher eine österreichische Erfindung ist. Der Service an dem Abend war angenehm, höflich, wenngleich trotz oben erwähnter Highlights auch nicht ganz aufmerksam. Während die Leere des einzigen Bierglases bemerkt und der Wunsch nach Nachfüllung konkret abgefragt wurde, ging die Versorgung der alkoholfreien Trinker in einem “Alles in Ordnung?” irgendwie unter. Aber auch hier wird wieder auf hohem Niveau gejammert.

Dieses – also das hohe Niveau – wird hauptsächlich durch die Küche repräsentiert. Auch die nicht probierten Gerichte der Karte versprechen lukullische Genüsse. Die Preise sind angenehm. Und wer ein echtes “Wiener Schnitzel” mit Kartoffelsalat für knapp 17 Euro als zu teuer ansieht, sollte beachten, das man mit einem niedrigeren Preis kein handgemachtes, frisch zubereitetes, selbst paniertes Schnitzel aus der Kalbsoberschale auf den Teller zaubern kann. Deutlich billigeres ist entweder kein “Wiener Schnitzel” oder Industriefraß. Oder beides.

Das gibt es aber im “berlin – Restaurant|Bar|Café” nicht. Da hört man noch den Fleischklopfer aus der Küche. Vielleicht sollte man etwas vom Haloumikäse (ebenfalls auf der Karte) darunter legen, dass dämpft die Schläge etwas. Kleiner Scherz. Seien wir also servicetolerant, fordern unser Recht auf Essen und Trinken ein, und genießen diese leckeren Speisen im Neubrandenburger “berlin”. Es liegt direkt am Ring (kleine Anspielung an das Zitat ganz oben), obwohl es keinen Friedrich Engels in der Adresse trägt, sondern Fritz Reuter. Eine Webseite gibt es auch, zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels ist dort leider keine Speisekarte enthalten, bei den wechselnden Gerichten vielleicht doch noch eine schöne Idee.

Auf der nicht genauer definierten, geschweige denn irgendwo niedergeschriebenen Liste der besten Ess-Orte in der Region, die ich bisher besucht habe, liefert sich das berlin ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze. Ärgster Konkurrent dabei ist das Leddermann in Waren, der bisherige Spitzenreiter. Beim Essen und gaaaaaanz knapp in der Gesamtwertung liegt jetzt das berlin vorn, im Service bleibt das Leddermann ungeschlagen.

Geistreiche Bemerkungen vom 18.01.2015

Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.
Max Planck

Das Fernsehen wurde erfunden, um den Analphabeten einen guten Grund zum Brillentragen zu geben.
Dieter Hallervorden

Mit Statistiken kann ich alles beweisen, nur nicht die Wahrheit.
Anonym

Niemand urteilt schärfer als der Ungebildete, er kennt weder Gründe noch Gegengründe.
Anselm Feuerbach

Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.
Abraham Lincoln

Die einzige Möglichkeit, etwas vom Leben zu haben, ist, sich mit aller Macht hineinzustürzen.
Angelina Jolie

Das Auge isst nicht mit, Gaumen, Seele und Zunge trotzdem begeistert

Zur bekannten Floskel “Das Auge isst mit.” gibt es diverse Varianten und Ergänzungen, die meistens aber das Gegenteil des Original-Spruches aussagen. “Die Augen isst man mit.” wird genauso kolportiert wie “Das Auge isst mit; das Auge hat sich schon übergeben.” Beim letzten Testessen war das Auge auf Diät; was aber am Ambiente fehlte, wurde durch Herzlichkeit beim Service wieder gut gemacht.

Einen ausführlichen Text gibt es diesmal nicht. Aber dafür die Audio-Version. Viel Spaß beim Anhören.

Geistreiche Bemerkungen vom 11.01.2015

Reich ist man, wenn man etwas hat, das mehr Wert ist als materielle Dinge.
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin

In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik an anderen.
Christian Morgenstern

Ihr müsst die Menschen lieben, wenn ihr sie ändern wollt.
Johann Heinrich Pestalozzi

Das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen.
Gilbert Keith Chesterton

Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind.
Albert Schweitzer

Es ist Zeitverschwendung, etwas Mittelmäßiges zu machen.
Madonna

Wenn das Wildschein mit dem Heli in die Bibo einbricht, geht einem das auf die Nüsse

In Vorbereitung der Sendung “Freitag nach eins” entsteht auch schon ein erster Überblick über mögliche Themen im nächsten “RundumGenuss“, der bis zur Sendung am Sonntag nur noch aktualisiert und ergänzt wird. Schauen wir doch mal, was denn so in der Woche passiert ist und was angesprochen werden könnte.

Mal wieder im Fokus sogenannte Helikopter-Eltern. Ich finde den Begriff so schön und erheitere mich an dem Bild, wenn man das mal wörtlich nimmt. Da umschwirren also die Eltern das Kind, um es zu behüten, Lotsen winken Landungen ein und wenn mehrere Heranwachsende mit derartigen Eltern zusammenkommen, gibt es auch schon mal ein Hubschrauberabsturz. (“Zu viel Behütung schadet” – Warnung vor Helikopter Eltern: Sie verfolgen die Kinder ins Klassenzimmer von: www.focus.de)

Auch lustig: Malaysia: Wildschwein in Universität sorgt für Chaos (von: www.welt.de) – Da wird doch mal richtig zwischen den literarischen Werken “aufgeräumt” …

Interessant fand ich einen Bericht über eine neue Software, die in der Österreichischen Polizei getestet wird (Polizei testet Einbruchsvorhersage per Software von: futurezone.at) – Da kann man mal etwas dran rumdenken und irgendwann haben wir dann eine entsprechende Ergänzung der ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY ungelöst”, die nicht mit der Zusammenfassung endet, sondern mit der Einbruchsvorhersage für die nächsten Tage.

Salzwasser, Mineralwasser und Süßwasser standen auch im Mittelpunkt der letzten Tage. Und Nüsse: Nüsse naschen hilft bei düsterer Stimmung im Winter (von: web.de). Das stimmt aber auch nur bedingt: Wenn ich ein paar Erdnüsse gegessen habe, ärgere ich mich immer über die heruntergefallenen Schalenstücke. Wobei jetzt der Besserwisser in mir hochkommt und meint: Erdnüsse sind keine Nüsse sondern Hülsenfrüchte. Das könnte den Effekt erklären. ;-)

Viel Spaß bei der Sendung: Sonntag um 21 Uhr auf NB-Radiotreff 88,0.

 

 

 

 

Geistreiche Bemerkungen vom 04.01.2015

Ein Psychiater ist ein Mann, der sich keine Sorgen zu machen braucht, solange andere Menschen sich welche machen.
Karl Kraus

Tadeln ist leicht; deshalb versuchen sich so viele darin. Mit Verstand loben ist schwer; darum tun es so wenige.
Anselm Feuerbach

Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nicht eingetroffen.
Sven Hedin

Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat.
Kurt Tucholsky

Geschmack ist die Kunst, sich auf Kleinigkeiten zu verstehen.
Jean-Jacques Rousseau

Optische Nachträge

Die freie Zeit “zwischen den Jahren” bietet endlich mal die Chance, schon im November und Anfang Dezember gemachte Bilder online zu stellen. Beide Bilderserien haben sogar was gemeinsam, auch wenn es der denkbar kleinste gemeinsame Nenner ist.

Stativ war zwar bei beiden nötig, aber die einen sind mit einem Einbein, die anderen mit einem Dreibein gemacht. Besondere Lichtverhältnisse gab es auch bei beiden, aber das eine sind “Nachtaufnahmen”, bei den anderen war doch noch etwas untergehende Sonne präsent. Laut war es auch bei beiden Aufnahmen, aber das eine war naturlaut und das andere künstlich.

Die wesentliche Gemeinsamkeit, die ich meine, ist, dass beide Bilderserien zwar von unterschiedlichen, aber doch jeweils nur von einem Punkt aufgenommen wurden. Ausnahmen (mit Mond) bestätigen die Regel. Ansonsten waren höchstens Drehungen um die eigene Achse mit dabei. Und unterschiedliche Zoom-Einstellungen. Und unterschiedliche Bildausschnittauswahlen. ;-)

Die eine Bilderserie entstand schon Anfang November auf dem Bootsanleger Prillwitz an/auf der Lieps. Diesen Ausgangspunkt hatte ich einige Wochen vorher für mich entdeckt, aber nun war der Herbst doch schon recht weit fortgeschritten. Und die Graugänse, die die Insel in der Lieps okkupiert hatten, machten einen Heidenkrach.

Die zweite Bilderserie waren ein paar experimentelle Nachtaufnahmen mit viel Kunstlicht. Das wesentliche Motiv war das bunt und dynamisch erleuchtete Riesenrad auf dem Neubrandenburger Weberglockenmarkt von 2014. Die Fotos wurden Anfang Dezember aufgenommen.

Geistreiche Bemerkungen vom 28.12.2014

Frauen sind immer erstaunt, was Männer alles vergessen. Männer sind erstaunt, woran Frauen sich erinnern.
Peter Bamm

Es ist schon lange einer meiner Grundsätze, dass die kleinsten Dinge bei weitem die wichtigsten sind.
Sir Arthur Conan Doyle

Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende.
Woody Allen

Weihnachten ist nicht die Zeit zum Bereuen. Dafür sind Hochzeitstage da.
Anonym

Der Tod lächelt uns alle an, das einzige was man machen kann ist zurücklächeln!
Marcus Aurelius

Sprechen heißt urteilen. Schweigen heißt geurteilt haben.
Hans Lohberger