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Was erwartet man eigentlich, wenn das Mittag 1,25 € plus 10 Minuten Mikrowelle kostet? Vermutlich zu viel, vor allem, wenn man auf die Verpackung guckt. Da sah das Gericht aber noch recht ansprechend aus: Kartoffelauflauf mit Spinat. Er kann so lecker sein. Kann. Nicht muss.

Man schneidet festkochende und gegarte Kartoffeln in Scheiben, schichtet sie abwechselnd mit abgetropftem Spinat, der mit ein wenig Sahne oder Mozzarella vermischt wurde, mehrfach übereinander in eine gute ausgebutterte Auflaufform, hobelt schlussendlich etwas Käse darüber und backt es im Ofen, bis sich oben eine wohlschmeckende, gut gebräunte Kruste bildet.

Ich will nicht bestreiten, dass sich die Kruste bei diesem Fertiggericht auch gebildet hätte, wenn ich den "Auflauf" im Ofen zubereitet hätte, und nicht in der mangels seiner Existenz genutzen Mikrowelle. Aber laut Packung geht das ja auch. Die Zubereitungsvorschrift wurde strikt eingehalten, der Ablauf genaustens überwacht (Essen bei der Erwärmung in der Mikrowelle zuzusehen ist genauso spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzugucken). Ich habe dem Gericht sogar noch eine Minute mehr gegeben, als auf der Packung; wirklich erwärmt war es stellenweise nicht, an anderen Orten verbrannte ich mir (trotz des für einen "Auflauf" eher ungewöhnliche Umrühren) fast die Zunge. Das Umrühren gab dem "Essen" zwar das Aussehen von schon mal gegessenem, damit sah es aber besser aus als vorher.

Natürlich gab es auf der Verpackung auch die immer wieder gern gemachte Verbrauchertäuschung mit der Geschmacksverstärkerfreiheit. Sie ist zwar gesetzlich erlaubt, das heißt aber auch, dass man Hefeextrakt ruhig als den Glutamatträger (und damit Geschmacksverstärker) bezeichnen kann, der es ist. Außerdem besteht ein Auflauf, aber das nur nebenbei, immer aus mehreren Schichten. Das, was sich in der Pappassiette befand, war eher ein Gratin. Nur sind diese Begriffe auch nicht standardisiert. Ich weiß nun, dass ich dieses "Essen" nicht noch einmal zum mir nehme. Der Hersteller könnte ja etwas bessere Zutaten verwenden und den Preis gern um 32% steigern. Für 1,65 € kriegt man sicher was besseres hin.

Aber was erwartet man schon für 1,25 € ... Nicht. Nicht mal was "vernünftiges".

Es geht doch: Es gibt wirklich Fertiggerichte, die man essen kann! Bei mir gab es heute sowas. Und dann auch noch die klassische Kombination aus Kartoffeln, Soße, Gemüse, Fisch. Der skeptische Blick auf die Zutatenliste erfreut des Essers Auge: Nicht mal Geschmacksverstärker, die durch irgendeine Gesetzeslücke als Hefeextrakt ins Essen gerieselt sein könnten, sind enthalten! Vorbildlich. Nur Zutaten, die man auch selber verwenden würde - einige würzende vielleicht etwas sparsamer -, sind drin.

Bei aller Freude über die einfache mikrowellengestützte Zubereitung (binnen 10 Minuten verwandelt man damit das Essen vom tiefgefrorenen in einen genussfertigen Zustand): Wo Licht ist, ist auch Schatten. Saftig beim Fisch ist was anderes. Ähnlich sieht es bei der Hühnerbrust aus (in anderen Gerichten aus gleichem Hause). Aber das liegt in der Natur der Sache. Zusammen mit allen Zutaten Wildlachs so hinzubekommen, dass er weich und saftig ist, ist mittels Mikrowelle beinahe unmöglich. Aber dafür gibt es ja auch leckere Soße. Was will man für 3,30 € schon verlangen?! In einer Kantine würde man sowas für den Preis nicht bekommen.

Schade auch, dass der Hersteller auf halbem Weg stehen geblieben ist. Wer sich schon die Mühe macht, etwas derartig hochwertiges zu produzieren, könnte auch bei den Zutaten Bioprodukte verwenden. Die Frage ist nur, ob sich ein Fertiggericht für knapp 4 Euro, die das dann wohl kosten würde, verkaufen ließe. Optisch ansprechend ist es aber auf jeden Fall. Wobei das Bild auf der Webseite täuscht: Die schwarze Verpackung ist nicht ganz so schwarz und der Lachs nicht ganz so rot. Es sieht also in Natur besser aus.

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