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Wer sich mit aktueller deutscher Satire und aktuellem deutschen Kochfernsehen ein wenig auskennt, dem werden die Namen Wiglaf Droste und Vincent Klink schon einmal untergekommen sein. Bei der allgemeinen Oberflächlichkeit des Wissens wird es aber schwer fallen, zwischen dem Autor für taz, Junge Welt, WDR, Titanic und eigener Bücher auf der einen Seite und dem schwäbischen Koch mit eigenem Restaurant "Wielandshöhe" - in dem er im Gegensatz zu manch anderem TV-Kollegen öfter ist als im Kochstudio -  auf der anderen Verbindungen herzustellen.

Während ich mit Droste bisher wenig Berührungspunkte hatte, kannte ich Klink natürlich aus seiner "Kochkunst" im SWR-Fernsehen und seinen Auftritten im ARD-Büffett. Hinter seiner gemütlich schwäbelnden Fassade steckt aber mehr, als der träge Zuschauer auf seiner Esscouch vermuten würde. Dass er aus möglichst natürlichen Zutaten mit ein wenig Geschick, aber ohne großes Tamtam so manches schmackhafte zaubert, kann man rein optisch und akustisch gut nachvollziehen. Aber dahinter steckt mehr. Gute regionale Küche - michelinbesternt - mit dem richtigen intellektuellen Überbau.

Beide haben sich dem guten Essen, seiner Erzeugung, Zubereitung und seinem Genuss verschrieben, und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. "So vierteljährlich wie möglich" erscheint seit Frühjahr 1999 die gemeinsam mit anderen Autoren gefüllte Zeitschrift "Häuptling Eigener Herd". Wer die 54 Euro Jahresabo nicht auf blauen Dunst hin ausgeben möchte (das erste Exemplar meines Abos ist mittlerweile bei mir angekommen, ich fürchte, dass ich darüber schreiben werde, wenn ich es ausgelesen habe), dem sei "Eine Essenz" daraus empfohlen, die im Reclam-Verlag für knapp 10 Euro erschienen ist.

Eine Kostprobe? Eine Kolumne über den Salat der deutschen Sprache endet Wiglaf Droste: "Wenn man den fußläufigen, zeitnahen, eck- und knackpunktenden, fassfrischen Sinnmachknackern so genau zuhört, wie die sich das niemals wünschen dürften, möchte man hinterher ein altes Lied anstimmen: Die Gedanken sind Brei, wer kann sie erahnen ...?"

Wiglaf Droste & Vincent Klink
Wir schnallen den Gürtel weiter
ISBN: 978-3-15-020158-9

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Durch Sanftmut wirst du mehr gewinnen, als durch Gewalt und Ungestüm.
Jean de La Fontaine, frz. Schriftsteller, 1621 - 1695

Wer im Geld schwimmt, hält einen Rettungsring für eine Zumutung.
Ernst R. Hauschka

Die Schönheit vergeht, die Dummheit hält ewig.
Johann Nestroy, Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy, österr. Schauspieler, Sänger u. Schriftsteller, 1801 - 1862

Was der Sinn des Lebens ist, weiß keiner genau. Jedenfalls hat es wenig Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.
Sir Peter Ustinov

Sie finden vier Millionen Lieder über die Liebe. Aber keines über Raufasertapete. Dabei hält die meist länger.
Klaus Eckel

Das sind keine Fettflecken auf meinem Hemd. Das sind lauter schöne Erinnerungen an ein tolles Essen.
Al Bundy

Je höher die Stellung eines Vorgesetzten, desto mehr Fehler darf er machen. Und wenn er nur noch Fehler macht, dann ist es sein Stil.
Fred Astaire

Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, sollten wir lieber dankbar sein, dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen.
Dieter Hildebrandt

[podcast]https://ms.dpkom.de/rundumgenuss/wp-content/uploads/sites/5/2010/05/2567.mp3[/podcast]

Ein alter Tipp eines Ernährungsratgebers, der bis heute immer wahrer zu werden scheint, lautet: Iss nichts, wofür Werbung gemacht wird. Da steckt was hinter, werden doch im wesentlichen nur durch die Nahrungsmittelindustrie verschandelte Produkte und Gerichte beworben: Fertiggerichte, Glutamatsuppen (neudeutsch: Hefeextraktaufschlemmungen), Fast Food etc. pp.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum die aktuelle Gutscheinaktion eines großen Bulettenbraters im wesentlichen an mir und meinen Gewohnheiten vorbeigeht. Zählt man die 3 Angebote, die ich evtl. wegen bisheriger Ungenutztheit mal testen würde, zu den 2 interessanten hinzu, komme ich auf 5 von 24, die mich ansprechen, oder einem Streuverlust von ca. 79%.

Erschwerend kommt hinzu, dass es in der Filiale, an der ich fast werktäglich vorbei komme, diese Angebote gar nicht gibt. Unter dem Aspekt also eine wirklich gelungene Werbekampagne. Wer plant eigentlich sowas und mit welchen Konsequenzen muss der jetzt rechnen?

[podcast]https://ms.dpkom.de/rundumgenuss/wp-content/uploads/sites/5/2010/05/2549.mp3[/podcast]

Auf den Alkohol - die Ursache und die Lösung aller Probleme!
Homer Simpson

Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf - es kommt nur auf die Entfernung an.
Marie von Ebner-Eschenbach

Alte Männer sind gefährlich, ihnen ist die Zukunft egal.
George Bernard Shaw, irisch. Dramatiker, Schriftsteller u. Bühnenautor, 1925 Nobelpreis für Literatur, 1856 - 1950

Der Armut mangelt viel, dem Geize alles.
Publilius Syrus

Was wir Fortschritt nennen, ist der Tausch eines Missstandes gegen einen anderen.
Henry Havelock Ellis

Am schwersten sind Mißgeschicke zu ertragen, zu denen es nie gekommen ist.
James Russell Lowell, amerikan. Schriftsteller, 1819 - 1891

Erziehung besteht aus zwei Dingen: Beispiel und Liebe.
Friedrich Fröbel, Friedrich Wilhelm August Fröbel, dt. Pädagoge, Begründer
des Kindergartens, 1782 - 1852

Wäre es nicht adäquat, den Usus heterogener Termini zu minimieren?
(Anders ausgedrückt: Sollte man nicht weniger Fremdworte verwenden?)
Unbekannt

[podcast]https://ms.dpkom.de/rundumgenuss/wp-content/uploads/sites/5/2010/05/2547.mp3[/podcast]

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Gedankensplitter, die es (bisher) noch nicht in die Langform eines Blogbeitrages geschafft haben (04/2010):

  • Eine schöne Übung zum sanften Braten von Fleisch: Eine Scheibe Fleisch so garen, dass man es in der Pfanne nicht umdreht, es trotzdem gar und auf der Pfannenseite nicht verbrannt ist.
  • Warum gibt es eigentlich kein Sauerkraut aus Rotkraut?
  • Wenn einem auffällt, wieviele Millionen Euro die über 50 Fernsehsender an einem sonnigen Nachmittag oder Abend verbraten und keiner guckt zu, weil alle das schöne Wetter nutzen, dann kann einem schon mal schlecht werden.
  • Jetzt weiß ich, warum beim Fleischerimbiss im Marktplatzcenter als Beilage die Pommes so gut gehen. Ich habe die Bratkartoffeln probiert.
  • Manchmal ist es schon komisch: Bei manchen Blogbeiträgen kämpft man lange mit dem ersten Satz bzw. dem Einstiegsgedanken. Und dann gibt es Fälle, da muss man aus zwei miteinander unvereinbarbaren einen auswählen. Hoffentlich bleibt der andere so lange erhalten, bis man ihn anderswo anwenden kann.

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War es nach dem Dreh zur Nudeln mit Tomatensoße, als ich den Gedanken schon einmal äußerte, so passt er heute auch mal wieder: Wenn es nach der Zubereitung der Speise, dem Verzehr, dem Nach-Hause-Bringen der Crew und dem Zurückkommens beim Öffnen der Wohnungstür immer noch lecker riecht, dann kann irgendwas am Essen nicht ganz schlecht gewesen sein. So passierte es mir eben und ich darf damit EiTV No. 4 als abgedreht bekannt geben.

Auch diesmal hat das Gericht eine Geschichte: Beim Planen der Rezepte für EiTV vor einigen Wochen kam als Wunsch Hackbraten ins Spiel. Als rezeptausheckender Part war ich skeptisch, gehört Hackbraten nicht zu meinen Leibspeisen und hatte ich ihn deswegen auch noch nie zubereitet. Da ich aber beinahe jedes Rezept, das in der Sendereihe zu sehen ist, noch nie bzw. noch nie so wie gezeigt vorher (auch nicht zur Probe!) zubereitet habe, war letzteres kein Gegenargument.

Da EiTV sowieso eine Schnapsidee - sicher nicht die einzige, die ich je hatte - im positivsten Sinne ist, musste eine zweite her, um gut und vielleicht auch originell oder überraschend aus dieser Nummer wieder raus zu kommen. So entstand ein Gericht, dass für den Dreh den Arbeitstitel "Hackblaten mit Mischgemüse und Salzkaltoffeln" bekam. Offiziell bekommt es zwar einen kürzeren Namen, aber für mich wird es immer Hackblaten bleiben. Ich werde auch nie die Verwunderung in den Augen des Teams (ich hatte so lange es ging den genauen Drehablauf geheim gehalten) vergessen, als der Moment der Wahrheit kam und klar wurde, wie das Gericht am Ende aussehen würde.

Aber mehr wird nicht verraten; im Gegenteil: Wer in den Kommentaren zu diesem Artikel mit seiner Idee für "Hackblaten mit Mischgemüse und Salzkaltoffeln" der originalen am nächsten kommt, wird zum Dreh der Grill-Episode eingeladen (genauer Termin steht noch nicht fest, vermutlich wird es aber ein Freitag sein). An- und Abreise sind allerdings selber zu tragen, der Preis bezieht sich nur auf Essen und Trinken.
Einsendeschluss ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Videos von EiTV No. 4, Beteiligte, Verwandte und die zwei, denen ich das schon erzählt hatte, sind natürlich wie immer ausgeschlossen.

Klischees sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Diese Erkenntnis eroberte mich, als ich heute zum Mittagessen ins Marktplatzcenter ging. Wer diese Situation kennt, weiß auch, wie sich der Einkaufstempel um diese Zeit präsentiert. Meist ist man nicht der einzige, der der Idee der Nahrungsaufnahme nacheilt. Dementsprechend voll sind die Bistros.

Man kann zu seiner gewohnten Zeit, also so bei 12 oder 12:30 Uhr, essen gehen, darf sich dann aber nicht über das Gedränge aufregen. Da ich übersichtliche Gästezahlen mehr schätze als einen festen Mittagstermin, versuche ich meist schon um 11 Uhr oder dann nach 14 Uhr meine warme Hauptmahlzeit einzunehmen. Das klappt meistens, wobei am frühen Termin meist die Auswahl noch etwas größer ist.

Nun gibt es aber auch Tage so wie heute, wo man um 11 und um 14 Uhr einen Termin hat. Der Hunger lässt sich davon meist nicht beeinflussen, also schlich ich gegen 12:45 Uhr ins Center. Meine bisherigen Beobachtungen, in Klischeeform gegossen, planten mein Mittag in Richtung Junkfood (Krakauer mit Pommes), unterstellten sie bei Fisch, Döner, Chinapfanne und Hausmannskost doch große Fülle. Nach Salat war mir gerade nicht (zu gesund).

Es kam alles anders, zumindest fast. Döner und Hausmannskost zeigten die erwarteten Menschenmassen, auch die Chinapfanne war gut besucht. Nur beim Junkfood war es dann doch voller als erwartet, was sich aber mit einer gewissen, unerwarteten Leere beim Fisch ausglich. Die Matjesplatte war lecker.

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https://www.youtube.com/watch?v=cd9OyRMzSWU

Das exakte Rezept für das Gericht anzugeben, fällt diesmal schwer, da es sehr flexibel und skalierbar ist. Im Video reicht die Soße gut und gern für 6 Leute mit gutem Hunger. Die Rest - wir waren zu Dritt beim Dreh - lagern zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels im Tiefkühler. In diesem Zusammenhang entstand übrigens mal die Grundidee für das Rezept: Zu viel eingekauftes Gemüse, das anderweitig nicht verarbeitet werden kann, nicht wegschmeißen zu müssen, sondern irgendwie einzulagern.

Die Basis bilden Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Tomatenmark (um die Aromaarmut der Tomaten auszugleichen) und die Gewürze Salz, Pfeffer, Zucker, Balsamico-Essig und Kräuter, hier meist Basilikum. Wer ein hinreichend kleines Kochgefäß hat, kann das Rezept mit einer Charlotte (oder einer kleinen Zwiebel), einer Handvoll Cocktail-Tomaten, einer roten Paprika und etwas Tomatenmark für eine Person zubereiten. Wenn die Tomaten zum Beispiel im Winter wenig Aroma bieten, kann man sie ganz oder teilweise durch Dosentomaten ersetzen.

Wesentliche Ausrüstungsgegenstände sind neben den hinreichend zahlreichen Tiefkühlbehältern auch ein guter Pürierstab. Der erspart das Pellen von Paprika und Tomaten für die Soße. In der können übrigens auch andere Gemüse verarbeitet werden: Zucchini, Gurke, Stangen- oder Knollensellerie, Aubergine, ... Bei ungeschickter Farbwahl leidet das Aussehen der Soße ein wenig. Deshalb sollte beispielsweise die Gurke vor der Verwendung teilweise oder ganz geschält werden.

Hier die Zutaten, die im Video eine Rolle spielen:

  • 4 Strauchtomaten
  • ein paar Cocktailtomaten
  • je eine rote, orange und gelbe Paprika
  • 2 Möhren
  • eine Kartoffel
  • eine Dose Tomaten
  • Tomatenmark
  • Olivenöl
  • Balsamico-Essig
  • eine halbe getrocknete Chili-Schote
  • Salz
  • Zucker
  • Pfeffer
  • Kräuter

Für die Pasta (pro Person)

  • 100 bis 150 g Trockenpasta
  • 10 g Salz
  • 1 Liter kochendes Wasser

Weiteres auch unter: http://seeseekey.net

zum Weiterentwickeln: http://www.rezeptewiki.org/

Abwarten heißt, dass wir Gott zutrauen, dass er weiß, was er tut.
Ambrose Bierce, Ambrose Gwinnett Bierce, amerikan. Journalist u. Satiriker, ('The Devil's Dictionary'), genannt 'Bitter Pierce', 1842 - 1914

Werde nicht müde Gutes zu tun, dann blüht dir dein eigenes Glück.
I. Kunath, dt. Schriftstellerin, Schwerpunkt: Gedichte & Aphorismen, geb. 1980

Für Optimisten ist das Leben kein Problem, sondern bereits die Lösung.
Marcel Pagnol, frz. Dramatiker, 1895 - 1974

Mit gewöhnlicher Begabung und ungewöhnlicher Beharrlichkeit kann man alles erreichen.
Sir Thomas Buxton, Thomas Fowell Buxton, 1st Baronet, brit. Politiker, 1786 - 1845

Alles, was zu Herzen gehen soll, muss von Herzen kommen.
Jean-Jaques Rousseau, frz.schweiz. Moralphilosoph, Dichter u. Musiker, 1712 - 1778

Die Strafe des Lügners ist nicht, dass ihm niemand mehr glaubt, sondern dass er selbst niemandem mehr glauben kann.
George Bernard Shaw

Wenn Medizin nicht schadet, soll man doch froh sein und nicht obendrein noch verlangen, dass sie etwas nütze.
Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, frz. Dramatiker, ('Der Barbier von Sevilla', 'Figaros Hochzeit'), 1732 - 1799

Berechnende Menschen sind unkalkulierbar.
Peter E. Schumacher, dt. Publizist u. Aphorismensammler, geb. 1941

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Als ich kurz nach Mitternacht wieder nach Hause kam - ich hatte die Techniker vom Dreh zu EiTV No. 3 heimgefahren -, roch es noch lecker nach dem zubereiteten Gericht. Wer beispielsweise schon mal Kohl oder Fisch gekocht hat, weiß, dass das ein oder zwei Stunden nach dem Verzehr nicht immer der Fall ist.

Das mag daran gelegen haben, dass es weder Kohl noch Fisch gab. In der diesmal zubereiteten Version waren Pasta und Sugo nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan. Was dem Geschmack keine Einbußen bereitete, sondern eher als andere Version des schon mal gekochten in die Bloggeschichte eingeht. Dafür wird es diesmal schwierig, das genaue Rezept aufzuschreiben, da es so viele Varianten bietet. Aber den Versuch ist es wert.

Wer wissen will, warum sich eine Kartoffel unter die Zutaten geschmuggelt hat und wie diesmal das Ei zubereitet wird, dem bleibt nichts weiter übrig, als auf die Veröffentlichung des Videos zu warten. Sollte für jemanden schon die Kartoffel in "Pasta und Sugo" ungewöhnlich sein, der sei auch schon vor der Folge 4 von EiTV gewarnt. Aber das nur nebenbei.

P.S.: Wer mal sehen will, wie es beim Dreh so aussieht, dem sei Florians Twitterfoto empfohlen.