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... dann ist das peinlich für ihn und der Gast amüsiert sich; oder er regt sich auf, je nach unbefriedigtem Temperament oder Gelassenheit im Wesen. Gewöhnlich ist aber eingedeckt, wenn man ein gehobenes Restaurant betrifft. In bistroesker Atmosphäre wird, je nach Bestellung kulinarischer Herausforderungen, das Esswerkzeug auch nachgereicht. Das ist vor allem auch dann praktisch, wenn die unterschiedlichen Speisen auch unterschiedliche Besteckung verlangen.

Insofern irritierte es mich nicht, dass sich auf dem Tisch beim Eintreffen nichts weiter befand als ein kleiner Tischschmuck. Da ich weder Küche noch Speisekarte kannte, überraschte mich an diesem Abend alles. Die Wirtsmagd (der Begriff ist im konkreten Zusammenhang berechtigt, Ausrufe "Weib, bring Essen!" waren nicht zu hören, würden aber in die Lokalität passen) brachte schnell die Karte. Diese besticht durch ihre Übersichtlichkeit und ist nichts für Speiselegasteniker, sondern erfreut Wortspieler. Wer sich unter (Beispiel nicht von der Karte) "Gehobeltem und gegrilltem Lammhackbraten an bunten Krautsalaten mit Sauce Aioli und geröstetem Brot" einen Döner vorstellen kann, kommt auch mit einer "Schüssel Taler vom Erdapfel, Mus vom Erdapfel paniert, in Pelle gekochte Erdäpfel und hausgemachte Erdapfelballen, vom sauren und roten Kraute und über dem Feuer gebratenes Federvieh oder vom Borstenvieh Rippe, Kassler und Haxe" zurecht.

Damit sind die wesentlichen Speisen schon aufgezählt und sie sind lecker. Als kleiner "Gruß aus der Küche" gab es Schmalz und Brot mit einem Messer. Warum erwähne ich die Selbstverständlichkeit eines Messers? Die Frage ist einfach zu beantworten: Dieses Messer ist das einzige Besteck, was man den Abend über bekommt. Grillhaxe (wirklich knusprig!), Huhn und Ente (ebenso knusprig), Rotkraut, Sauerkraut, Omelett (fluffig und schmackhaft) wird alles mit den Händen gegessen und schmecken. Leider wird die Idee des Mittelalterlichen, die über dem Ganzen schwebt, nicht durchgehalten. Damit meine ich nicht die gereichten neuzeitlichen Getränke, sondern die Hähnchennuggets aus dem Tiefkühler (einfach nur weglassen!) oder den gemischten grünen Salat. Hier sollte man das Dressing nicht im Kännchen, sondern in einer kleinen Schüssel servieren.

Wer sein Abendbrot im "Brauhaus zu Wallenstein" einnehmen möchte, sollte gut frühstücken, aber das Mittag ausfallen lassen. Auch empfiehlt sich ein Verdauungsspaziergang zum nahe gelegenen Tollensesee, den man für das Essen aber gern in Kauf nimmt. Auch die Preise sind human, ich habe schon teurer schlechter gegessen. Allen Bierliebhabern sei auch das hauseigene selbstgebraute Bier ans Herz (bzw. an die Leber) gelegt.

Je länger der Mensch Kind bleibt, desto älter wird er.
Novalis, Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg, dt. Lyriker, 1772 - 1801

Der Wille, alles verstehen zu wollen, nimmt dem Leben seinen Zauber.
Ilka Kunath, dt. Schriftstellerin, Schwerpunkt: Gedichte & Aphorismen, geb. 1980

Gegner glauben uns zu widerlegen, wenn sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsrige nicht achten.
Johann Wolfgang von Goethe, 28.08.1749 - 22.03.1832, dt. Schriftsteller

Es ist von grundlegender Bedeutung, jedes Jahr mehr zu lernen als im Jahr davor.
Sir Peter Ustinov, Petrus Alexandrus von Ustinov, brit. Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller u. UNICEF-Botschafter, Oscar-Preisträger, ('Topkapi'), 1921 - 2004

Wenn Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit.
Anatole France, Jacques Anatole François Thibault, frz. Schriftsteller, 1921 Nobelpreis für Literatur, 1844 - 1924

Die Menschen sind heute nicht mehr verwurzelt, sondern vernetzt.
Unbekannt

Es ist die Aufgabe der Opposition, die Regierung abzuschminken, während die Vorstellung noch läuft.
Jacques Chirac

Auswendig gelernt ist etwas erst, wenn man es einen Tag nach seinem Tod noch aufsagen kann.
Friedrich Löchner, dt. Pädagoge, geb. 1915

Gelassenheit ist die angenehmste Form des Selbstbewusstseins.
Anonym

Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.
Buddha, Siddhartha Gautama, Religionsstifter, Nepal, 563 - 483 v. Chr.

Wenn man im Mittelpunkt einer Party stehen will, darf man nicht hingehen.
Audrey Hepburn, 04.05.1920 - 20.01.1993, Schauspielerin

Ignorieren ist noch keine Toleranz.
Theodor Fontane, Henri Théodore Fontane, dt. Journalist, Theater-Kritiker u. Schriftsteller, ('Effi Briest', 'Die Poggenpuhls'), 1819 - 1898

An jedem Punkt öffnet das Verstehen eine Welt.
Wilhelm Dilthey, dt. Kulturhistoriker u. Philosoph, 1833 - 1911

Pünktlichkeit stiehlt uns die beste Zeit.
Oscar Wilde

Wir haben pro Kopf der Weltbevölkerung schon mehr Sprengstoff als Nahrungsmittel.
Franz Alt

Ehe man den Kopf schüttelt, vergewissere man sich, dass man einen hat.
Truman Capote

Gedankensplitter, die es (bisher) noch nicht in die Langform eines Blogbeitrages geschafft haben (10/2009):

  • Warum bringt, mal allgemein gefragt, ein deutscher Automobil-Club einen Bußgeldkatalog heraus? Ist er nicht eher dafür da, seinen Mitgliedern das rechtmäßige Autofahren nahe zu legen, und nicht dafür, ihnen zu zeigen, welche Rechtsverstöße sie sich leisten können?
  • Die ganzen Anglizismen sind mir einfach too much.
  • Gedankenspiel zum StVR: Wenn ich mit 50 km/h durch eine Tempo-30-Zone fahre und dann rechts zügig überholt werde, hat das irgendeine Relevanz?
  • Einfach nur so als Begriff: Cremé de la abschaum

Wenn man, so wie ich, den aktuellen Feiertag vergessen hat und einem dadurch die Möglichkeit eines - dringend notwendigen - Wochenendeinkaufs genommen wurde, schaut man mal gern mit knurrendem Magen und gesegnetem Appetit in den Vorratsschrank mit den weißblechernden Vorräten, die man, manchmal aus unerfindlichen Gründen, angelegt.

So fand sich eine Fischkonserve, die mich beim Einkauf sicherlich angelächelt hat. Ich lächelte zurück und erwarb (ich weiß nicht mehr, wo) "Lachs Filet in Lemon-Sauce" (orignale Schreibweise) eines Herstellers aus Harrislee. Einen positiven Eindruck hinterließ die Dose durch ihre Wildlachsverwendung (Stiller Ozean) und dem Logo des Marine Stewardship Council (MSC), was eine umweltschonende Nachhaltigkeit beim Fischfang versprach.

Leider hat das MSC in ihren Kriterien, die zum Tragen des Umweltsiegels berechtigen, die Zeit nach dem Fang augenscheinlich nicht mit dabei. Die Qualität des Endproduktes müsste eigentlich zu seiner Aberkennung führen. In einer, zugegeben nicht schlechten, Zitronensoße fanden sich ein quaderförmiges Stück Stück Fisch sowie ein paar kleine, vermutlich gewichtausgleichende, wurmförmige "Fischabschnitte"; was eben so anfällt, wenn man Bauchlappen und Fett abschneidet.

Früher dachte ich immer, Fisch bewegt sich im wesentlichen im Wasser. Quastenflosser und Aale sollen ja auch manchmal über Land gehen, aber vom Lachs hat man, bis auf Luftsprünge in Bärenrachen, derartiges noch nicht gesehen. Außerdem lag der Wildlachsquader in schon erwähnter Soße, scheint aber trotzdem fern jeder Feuchtigkeit gewesen zu sein, so furztrocken war das Stück. Ich habe schon überlegt, ob ich ihn, von Soßenresten befreit, in eine Gewürzmühle stecke und dann in die Lemonsauce rasple.

Es kann natürlich auch sein, dass ich selbst Schuld an der Qualtät der "Speise" war. Bei "Tunfisch in Olivenöl"-Konservendosen soll man ja auch bis mindestens in die Nähe des Mindesthaltbarkeitsdatums warten, um den Genuss zu vervollkommnen, da dann das Öl den Fisch am weitesten mariniert hat. Ein entsprechender Versuch meinerseits läuft noch, die Dose ist allerdings noch weit vom MHD entfernt. Der "Lachs Filet in Lemon-Sauce" war vermutlich einfach nur zu frisch. Stichtag wäre hier der 31.05.2013 gewesen.

UPDATE (01.11.2009): Von gleicher Firma in gleicher Aufmachung hatte ich auch noch einen "Lachs Filet in Dill-Sauce", den ich heute verzehrte. Da war der Lachs wie für solche Ware zu erwarten ist. Und das, obwohl die Dosen wohl noch frischer waren: Das MHD lautete hier 31.08.2013.

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Bei meiner morgenlichen Lektüre habe ich in dem gerade aktuellen Buch (die Vorstellung folgt in der GLE, sobald ich es durch habe) einen sehr interessanten, wissenschaftlich fundierten und vieles erklärenden Gedanken gefunden.

Zwei Psychologen der Cornell-Universität hatten sich mit dem Thema Selbsteinschätzung beschäftigt.

Menschen neigen dazu, ihre eigenen zwischenmenschlichen und geistigen Fähigkeiten zu überschätzen. Wenig begabte Menschen sind dabei doppelt benachteiligt. Sie treffen nicht nur unglückliche Entscheidungen und ziehen falsche Schlüsse, sondern erkennen diese Fehler hinterher auch nicht. ...
Warum die weniger begabten Menschen nicht irgendwann merken, dass sie weniger können, ist uns ein Rätsel. Eigentlich müssten sie ihr Unvermögen anhand der Reaktionen ihrer Umwelt begreifen. Aber genau das können sie nicht: ihre Umwelt verstehen. (Justin Kruger, David Dunning 1999)

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... dann kann er was erzählen. Weil wir hier aber nicht am Stammtisch, sondern im Blog sind, wird nicht erzählt, sondern geschrieben und gelesen.

Unlängst fuhr ich mal an die Ostsee, aber nicht, wie sonst immer, auf die Insel Usedom, sondern in die Darß-Nähe nach Barth. Das geschah auf den Wunsch einer einzelnen Dame, die natürlich mit fuhr, genau wie ihr Mann. Nachdem wir den eigentlichen Grund der Reise abschließend genossen haben, spazierten wir durch den Hafen auf der Suche nach einer Käffcheneinnahmemöglichkeit.

Bestellung ok, Ambiente schön, Bedienung höflich. Aber jetzt die Frage: Wenn wir einen großen Cappuccino, einen Latte Macchiato und eine Hopfenkaltschale bestellen, wie viele Posten sollten sich dann auf der Rechnung befinden? Laut meiner in der Ausbildung enthaltenen Mathematik würde ich, wenn auch ziemlich grob, auf die Zahl Drei schätzen. Es gab aber noch "Diverses" für  einen Euro.

Was versteht man unter "Diverses"? Der Spekulation sind Zeit und Raum geöffnet: Nachsaisonaufschlag, Möbelnutzung, Ausblick genießen, herumhängende Taucherausrüstung begaffen? Oder muss man jetzt das Papier, das um den Fuß der Biertulpe gelegt war, inklusive seiner Entsorgung selber bezahlen? Möglicherweise haben wir uns auch dadurch rechnungswirksam benommen, als die die Kekse zu den Kaffeegetränken gegessen und die Zuckertütchen eingesteckt hatten. Man gönnt sich ja sonst nichts.

UPDATE (30.10.2009): Bei einer Nachfrage in einem hiesigen Kaffee-Bistro, was wohl dieses "Diverse" zu bedeuten hätte, konnte die Fachangestellte das auch nicht erklären. Auf der Rechnung gab es dann auch kein "Diverses".

Die Zukunft schreitet voran, dem Menschen hinterher.
Bruno Ziegler, dt. Autor u. Künstler

Das Erste, was man bei einer Abmagerungskur verliert, ist die gute Laune.
Gert Fröbe, Karl-Gerhard Froeber, dt. Schauspieler u. Kabarettist, (1958 'Der Pauker', 1958 'Es geschah am hellichten Tag', 1964 'Goldfinger'), 1913 - 1988

In der moralischen Entrüstung schwingt auch immer die Besorgnis mit, vielleicht etwas verpasst zu haben.
Jean Genet, frz. Schriftsteller, ('Tagebuch eines Diebes'), 1910 - 1986

Wenn Leute lachen, sind sie fähig zu denken.
Dalai Lama XIV., Tanchu Dhondup, geistliches Oberhaupt der tibet. Buddhisten, 1989 Friedensnobelpreis, geb. 1935

Es hört doch ein jeder nur das, was er auch versteht.
Johann Wolfgang von Goethe, dt. Dichter, Naturwissenschaftler u. Staatsmann, 1749 - 1832

Der beste Arzt ist die Natur, denn sie heilt nicht nur viele Leiden, sondern spricht auch nie schlecht von einem Kollegen.
Ernst Ferdinand Sauerbruch

Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.
Mutter Teresa, Agnes Gonxha Bojaxhiu, alban.-indisch. Ordensgründerin, 1979 Friedensnobelpreis, 1910 - 1997

Es werden mehr Ausreden als Reden gehalten. Aber die Ausreden sind meist brillianter als die Reden.
Anonym